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Interview

„5 Fragen an…“ Sham Jaff

Sham Jaff ist Journalistin und Moderatorin des Podcasts „190220 – Ein Jahr nach Hanau“. Zusammen mit der Reporterin Alena Jabarine blickt sie ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag in sechs Episoden auf die persönlichen Schicksale der Todesopfer, Überlebenden und Angehörigen, auf ein Jahr voller Aktivismus und auf die Rolle der Behörden. Unterstützt wurden die beiden Hosts von den Journalistinnen Şeyda Kurt und Viola Funk. Wir haben mit Sham Jaff gesprochen.

Mit welcher Idee und Motivation entstand der Podcast?

Das, was am 19. Februar 2020 passiert ist, hat uns alle extrem mitgenommen. Hanau hat etwas mit vielen Menschen gemacht – das merkt man in den Straßen und auf Social Media. Wir wollten in diesem Podcast den Familienangehörigen und Hinterbliebenen viel Raum geben und den rechtsterroristischen Anschlag in Hanau einerseits aus der Opferperspektive betrachten, verstehen und erzählen. Andererseits wollten wir die Geschehnisse in einen größeren Kontext setzen: Was sagt Hanau über unsere Gesellschaft aus?

Warum ist der Podcast ein Jahr nach Hanau notwendig?

In einem so ereignisreichen Jahr wie 2020 mit der globalen Pandemie, Klimakatastrophen oder den US-Präsidentschaftswahlen hat das Thema Hanau nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hatte. Darüber hinaus ist der 19. Februar nicht für alle eine Zäsur gewesen. Aber er hätte es sein sollen. Mit diesem Podcast versuchen wir, noch mehr Menschen zu erreichen. Damit sie verstehen, dass der rassistische Terroranschlag jeden einzelnen Menschen in Deutschland betrifft – mit oder ohne Migrationsgeschichte.

Welche offenen Fragen müssen beantwortet werden?

Wieso war der Notausgang in der Arena Bar verschlossen, wenn er hätte offen bleiben sollen? Wieso war der Attentäter vorher nicht als rechtsextremer Gefährder behördlich bekannt? Wieso durfte er trotz seiner psychischen Erkrankung Waffen tragen? Wieso wurden die Leichen der Opfer obduziert, ohne dass die Familienangehörigen eingewilligt hatten? Wieso war der Notruf am Tatabend nicht durchgehend und ausreichend besetzt? Wieso sind wir nicht alle gleich betroffen? All diese Fragen reißen wir an.

Was braucht es an konkreten Veränderungen nach dem Jahrestag?

Deutschland braucht einen anderen Umgang mit dem Rechtsextremismus und dem Rassismus in diesem Land, der nachhaltig und effektiv ist. Beispielsweise sind wir gut bedient, wenn wir das Demokratiegesetz einführen. Damit können wir sicherstellen, dass Initiativen und Organisationen, die sich gegen rechts stellen, eine andauernde finanzielle Förderung erhalten. Aber das ist nicht alles: Wir brauchen auch eine echte Studie zu Rechtsextremismus innerhalb von Polizeibehörden, antirassistische Bildungsarbeit an Schulen und Universitäten, umfassendere Rechtsextremismus-Forschung und eine hartnäckig ehrliche Berichterstattung über den rechten Terror in Deutschland und seine historische Kontinuität. Die Liste ist lang.

Was soll die*der individuelle Hörer*in am Ende des Podcasts mitnehmen und tun?

Dass Rassismus tötet und dass Rechtsextremismus sich mitten in unserer Gesellschaft befindet – und das nicht nur seit Hanau. Der rechte Terror und der strukturelle Rassismus in Deutschland haben eine lange Geschichte hierzulande. Hanau betrifft uns alle. Nicht nur Menschen, die einen sogenannten Migrationshintergrund oder eine Migrationsgeschichte haben.

„190220 – Ein Jahr nach Hanau“ erscheint Freitags und Montags um 00:01 Uhr mit insgesamt sechs Episoden auf Spotify.

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5 Fragen Serpil Unvar
Interview

„5 Fragen an…“ Serpil Temiz Unvar

Serpil Temiz Unvar verlor ihren Sohn Ferhat Unvar durch den rassistischen Terroranschlag in Hanau am 19. Februar 2020. Trotz der Trauer und des Schmerzes hat sie die Kraft gefunden, die Bildungsinitiative Ferhat Unvar ins Leben zu rufen, die sich aktiv gegen Alltags- und institutionellen Rassismus einsetzt. Wir haben mit Serpil Temiz Unvar gesprochen.

bild original

„Alle Frauen sollen gesund bleiben und sie sollten raus aus den Lagern“

„Woman in Exile“ setzt sich als Selbstorganisation für die Rechte geflüchteter Frauen ein. „In Lagern zu leben bedeutet für Frauen nicht nur Isolation. Es bedeutet häufig auch sexuelle Belästigung und körperliche Gewalt“, erzählt Elizabeth Ngari, eine der Organisatorinnen. Teil ihrer Arbeit ist auch ein Programm zur Aufklärung und Bestärkung von Frauengesundheit, das als Empowerment-Projekt von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird.

Screenshot von Wendemigra.de

Es gibt nicht die eine Geschichte

Hoffnung, Einheit und Freiheit – Die deutsche Wende war für viele Ost- und Westdeutsche ein mit neuen Gemeinschaftsgefühlen verknüpftes historisches Ereignis. Viele Menschen kamen bei den Montagsdemonstrationen auf den Straßen zusammen, Rufe wie „Wir sind ein Volk“ wurden laut. Aber wer gehörte zu diesem Volk dazu? Und wer nicht?

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