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BAFF – Schön, dass du da bist!

Das alljährliche Konzert „Musik im Park“ des Projekts BAFF stand in diesem Jahr unter dem Motto „Schön, dass Du da bist“. Gemeinsam wollen Kinder und Jugendliche aus Joachimsthal damit ein Zeichen gegen Rassismus und für Flüchtlinge setzen. Die Amadeu Antonio Stiftung fördert das Projekt.

Von Imke Kummer

Seit 20 Jahren gibt es schon das Musikprojekt »BAFF – Bands auf festen Füßen« im brandenburgischen Joachimsthal. Dabei stand der Anfang unter keinem guten Stern: Um Vorurteile gegenüber Migranten und Geflüchteten aufzubrechen, lud die Pfarrerin Beatrice Spreng türkische Kinder und Jugendliche aus Berlin- Kreuzberg für ein Konzert nach Joachimsthal ein. Nach dem Auftritt umringten plötzlich 30 Jugendliche den Bandbus der türkischen Kids, »versuchten ihn aufzuschaukeln«, wie Beatrix Spreng es nennt, bedrohten die Insassen.

Musik reißt Mauern ein

„Die ganze Gemeinde war schockiert. »Das waren unsere Kinder, zum Teil unsere Konfirmanden“. Deshalb stand die Gemeinde auch hinter ihr, als sie beschloss: Wir müssen etwas tun. So entstand BAFF. Ein musikalisches Projekt mit Kindern und Jugendlichen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und gemeinsame Erfahrungen zu schaffen. Im Ort stieß Beatrix Spreng hiermit jedoch auch auf Gegenwind und Skepsis, weil sie rechtsextreme Tendenzen benannte. „Immer wenn jemand zu mir gesagt hat: ‚Das sind doch unsere Kinder, die sind doch keine Rechten’, habe ich geantwortet: Natürlich sind das keine Rechten. Aber es sind Jugendliche auf der Suche nach Anerkennung, und mit einem so geringen Selbstwertgefühl, dass sie sich der rechten Agitation nicht entgegenstellen.“

Von Musik verspricht sich Beatrix Spreng viel: Es ist Jugendkultur, interessiert die Kids also auch. Man muss sich zuhören und gegenseitig respektieren, um einen Song zustande zu bekommen: „Jeder kann Spaß an Musik haben, gemäß der Idee, aus einer Bande eine Band zu machen“, sagt sie. Heute gibt es drei Kinder- und Jugendtanzgruppen und sechs Bands.

Kinder gestalten Willkomenskultur

Doch das Projekt hat sich noch weiter entwickelt: Anfang 2015 wurden in der Nachbargemeinde Althüttendorf 100 Geflüchtete unter schlechten Bedingungen untergebracht. Die Kinder und Jugendlichen von BAFF wollten den Flüchtlingen zeigen, dass sie willkommen sind. Sie veranstalteten ein Willkommens- Café, zu dem fast 100 Menschen kamen. „Ein großer Erfolg!“, freut sich die Pastorin. Ein weiteres ist schon in Planung. In diesem Jahr ist sogar noch mehr geplant: Die Kinder und Jugendlichen haben vorgeschlagen, Sprach-Workshops zu veranstalten, in denen musikalisch die deutsche Sprache erlernt wird. Abschluss der Veranstaltungen ist ein großes, mit den Geflüchteten gemeinsam organisiertes Konzert, bei dem die eigenen Stücke gespielt und Tanzgruppen aus Berlin und Eberswalde auftreten sollen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt das Engagement von BAFF bereits seit mehreren Jahren. Auch in diesem Jahr, weil wir es wichtig finden, eine aktive Willkommenskultur für und mit Kindern zusammen zu gestalten.

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