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Antisemitische Verschwörungsnarrative auf Demonstration geäußert

Auf einer Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen im oberfränkischen Scheßlitz sagt ein Redner, die Politik dürfe nicht Mensch und Umwelt missbrauchen, „damit die Hochfinanz an uns verdient und dass die Politiker weiterhin ihren Lobbyismus betreiben können.“
Hochfinanz ist eine antisemitische Chiffre für „die Juden“ und diente im Nationalsozialismus als Kampfbegriff antisemitischer Propaganda gegen eine angebliche „jüdische Weltverschwörung“. Hierbei wurde die Ökonomie als „gutes“, „schaffendes Kapital“ und „böses“, „raffendes Kapital“ imaginiert. Somit werden abstrakte ökonomische Prozesse auf eine Gruppe Menschen projiziert, die diese aufgrund ihrer Böswilligkeit bewusst einsetzen würden.
Die Welt wird so wahrgenommen, wie die eigene ideologische Vorstellung vorgibt, dass sie sein müsse. Dadurch wird die Tatsache abgewehrt, dass man der Welt mit ihren komplexen Mechanismen ausgeliefert ist. Man schafft sich eine eigene Welt, die von simplen gut-böse-Strukturen geprägt ist. Darin wird nicht mehr die Einrichtung der Welt (an der niemand unmittelbar Schuld hat) als feindlich und widersprüchlich, sondern eine „böse“ Gruppe als der Feind ausgemacht – mit dessen Vernichtung das Böse aus der Welt verschwände.

 

Kategorie: Kundgebungen, Demonstrationen, Veranstaltungen

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