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Zahlreiche antisemitische Vorfälle bei Fußballspiel mit israelischer Mannschaft

| , Berlin Westend

Am 30. September 2021 fand im Berliner Olympiastadion das Gruppenspiel der UEFA Europa Conference League 1. FC Union Berlin gegen Maccabi Haifa FC statt. Es handelte sich um das erste Spiel einer israelischen Mannschaft in dem Stadion, das zu Olympischen Spielen 1936 erbaut und vom NS-Regime zu Propagandazwecken verwendet wurde. Unterstützer:innen von Maccabi Haifa versammelten sich im Gästeblock und im Block 13 auf dem Oberrang, wo auch Fans von Union Berlin anwesend waren.
RIAS Berlin sind einige Vorfälle während und am Rande des Spiels bekannt geworden. Schon zu Beginn des Spiels war die Stimmung im Block 13 aufgeheizt. Fans von Maccabi Haifa wurden rassistisch als „Eselficker“ und homophob als „schwul“ beleidigt. Als ein Mann mit einem Maccabi-Fanschal zum Blockausgang ging, um Getränke zu holen, wurde er mit „Scheiß Jude“ und „Verpiss dich du Scheiß Jude“ angepöbelt. Der Betroffene sprach einen Ordner darauf an, der ihm empfahl, den Fanbeautragten zu benachrichtigen. Der Betroffene verwies darauf, dass es nicht seine Aufgabe sei, sondern der Ordner dafür sorgen müsste, diese Personen aus dem Block zu verweisen.
Nach dem Führungstor des 1. FC Union Berlin in der 33. Minute kam es seitens einzelner Fans der Heimmannschaft zu fussballbezogenen Pöbeleien, wobei aus dieser Situation heraus eine antisemitische Beschimpfung fiel. Einzelne Union-Fans pöbelten einige Unterstützer:innen von Maccabi mit „verpisst euch“ an. Dabei stieß ein Union-Fan sie mit den Ellenbogen und der Stirn und packte zudem einen Fan der Gastmannschaft an der Jacke, woraufhin die Auswärtsfans darum baten, sie in Ruhe zu lassen und nicht anzufassen. Nun wurden sie von der anderen Seite von einem anderen Union-Fan bedrängt und als „Scheiß Juden“ beleidigt. Einige Fans der Heimmannschaft gingen dazwischen. Eine größere Gruppe der Maccabi-Unterstützer:innen entschied sich dennoch, den Block zu verlassen. In Rücksprache mit der Polizei durften sie den Rest des Spiels im Auswärtsblock verbringen. Dabei wiesen sie auch die Polizei darauf hin, dass sich noch weitere Maccabi-Fans im Block 13 befanden.
Während der zweiten Halbzeit hob der Union-Fan, der zuvor einen Maccabi-Unterstützer an der Jacke gepackt hatte, eine kleine Israel-Flagge aus Papier, die die Auswärtsfans an einem Sitz befestigt hatten, und versuchte, sie anzuzünden. Das Fähnchen fing kein Feuer. Ein Unterstützer der Auswärtsmannschaft sagte ihm, er soll dies lassen, und nahm ihm die Flagge aus der Hand. Gleichzeitig intervenierten drei Union-Fans, kritisierten seine Handlung und zogen ihn zu seinem vorherigen Sitzplatz zurück. Die kleine Gruppe Maccabi-Unterstützer:innen entschied sich aus Sicherheitsbedenken, ebenfalls den Oberrang zu verlassen. Auf dem Weg in den Auswärtsbereich sprach ein Zivilpolizist sie an: Er hatte die Situation beobachtet und erbat eine Zeugenaussage.
Nach dem Spiel leitete die Polizei die Fans aus dem Auswärtsblock einen langen Weg um das Stadion und versuchte, sie von den Union-Fans getrennt zu halten. Von außerhalb der Abtrennung riefen einzelne Heimfans den Maccabi-Unterstützer:innen sexistische, im Fussballkontest leider übliche Sprüche wie „verpisst Euch ihr Scheißhurensöhne“ zu. In mindestens einem Fall wurde dabei „Judensöhne“ gesagt. Kurz vor dem Ausgang liefen Auswärtsfans an einer kleinen Gruppe Union-Unterstützer:innen vorbei. Ein Mann aus dieser Gruppe fragte seine Begleiter:innen, „Ei Jungs, hat einer von euch noch ein wenig 74-90-8 in der Tasche?“ Dabei grinste er die Maccabi-Fans an. Die genannten Zahlen bilden die CAS-Registrierungsnummer für Cyanwasserstoff, Wirkstoff des Giftgases Zyklon B.
Unterstützer:innen von Maccabi machten die Vorgänge im Block 13 auf Twitter noch während des Spiels bekannt. Begrüßenswert: Der 1. FC Union Berlin antwortete innerhalb von 15 Minuten auf den Tweet und nahm die beschriebenen Vorfälle ernst. Auch zeigten sich einige Union-Fans im Stadion und eine Vielzahl in den Social Media solidarisch mit den Betroffenen. Auch meldete sich ein Sprecher von Union Berlin am nächsten Tag bei einem der Betroffenen, erkundigte sich nach der Gruppe, entschuldigte sich und verurteilte die Vorgänge.
Nachtrag: Seit der Veröffentlichung dieser Meldung sind RIAS Berlin weitere Vorfälle bekanntgeworden. Eine Person meldete, dass sie in der Nähe eines Getränkestandes einen Union-Fan sagen hörte, „Ich habe richtig Bock, die kleinen Scheiß Juden platt zu machen.“ Laut rbb24 rief ein Mann mehrfach, „Sieg Heil!“ Zudem berichtet FARE network, dass ein Union-Anhänger mehrmals einen Hitlergruß in Richtung Maccabi-Fans mit Fanschals zeigte und Personen, die dies kritisierten, beschimpfte. Betroffene bei diesem Vorfall meldeten sich später auch bei RIAS Berlin.

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