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Create your Style – selbstbestimmt jugendlich mit Rap und Streetdance

In einem dreitägigen Workshop zum Thema Streetdance und Hip-Hop schreiben 17 Jugendliche aus drei ländlichen niedersächsischen Gemeinden eigene Songtexte, erfinden Streetdance-Moves und setzen sich mit Jugendbeteiligung und Rassismus auseinander.

Begeisterung und Muskelkater

Kreativ sein, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bekommen, eigene Positionen finden, gemeinsames Gestalten und vor allem ganz viel Spaß – das sollten die Kinder und Jugendlichen aus dem dreitägigen Workshop „Create your style“ mitnehmen. Und es hat geklappt. Mithilfe von Mitarbeiter*innen der Rapschool NRW entwarfen sie Rap-Texte und  lernten Streetdance-Bewegungen. Schließlich wurden Videos erstellt und geschnitten. „Die Kinder haben viel getextet, getanzt und begeistert mitgemacht. Jetzt können einige vor Muskelkater nicht laufen“, erzählt die Kinder- und Jugendsozialarbeiterin Heike Terborg, die den Workshop organisiert hat.

„Wir haben eine Meinung und sind laut, laut, laut.“

Die Themen für die selbstgeschriebenen Rap-Texte haben die Jugendlichen sich selbst ausgesucht. Besonders wichtig war ihnen, dass sie ebenso wie Erwachsene eine eigene Stimme haben. In einem Songtext hieß es deshalb ganz selbstbewusst: „Wir haben eine Meinung und sind laut, laut, laut…die Zukunft gehört uns und wird uns nicht geklaut. Die Menschen da draußen zerstören unsere Welt, uns hält nichts auf.“ Doch auch das Thema Rassismus beschäftigt die Jugendlichen. Den Tod von George Floyd haben viele von ihnen über Social Media mitbekommen. Zwei muslimische Mädchen berichteten davon, dass sie selbst schon Rassismus erfahren haben.  Die Jugendlichen verarbeiteten in ihren Texten auch andere Formen von Ausgrenzung: z.B. dass sie ausgeschlossen wurden, weil sie nicht so schnell denken können oder bestimmte Schuhe nicht besitzen. Und natürlich waren in den Texten auch die Alltagserfahrungen der Kids, wie z.B. Computerspiele oder Essen präsent.

Gemeinsam in Vielfalt – „Es war einfach Bilderbuch“

Die Gruppe bestand aus sehr unterschiedlichen Kindern und Jugendlichen: Kinder aus Akademiker*innenfamilien und aus Familien mit und ohne akademischem Hintergrund, Jugendliche mit und ohne Migrationserfahrung, Kinder aus wohlhabenderen Familien und Kinder, deren Eltern Hartz-IV beziehen. Zwei 19-Jährige mit geistigen Beeinträchtigungen waren auch dabei. „Die Zusammenarbeit der Kids hat total gut geklappt. Es war einfach Bilderbuch“, schwärmt Heike Terborg. Die meisten der Jugendlichen kannten sich vorher nicht, Konflikte gab es trotzdem nicht.

Lange Fahrtwege im ländlichen Raum

Im ländlichen Raum in Niedersachsen sind kulturelle Angebote für Kinder und Jugendliche rar. Stattdessen verbringen die Kids viel Zeit mit Computerspielen zu Hause. „Anders als in Großstädten hatten die Kinder richtig „Hunger“ auf das Projekt, alle waren sehr motiviert.“, berichtet Heike Terborg. Sie arbeitet für den unabhängigen Jugendtreff Lohne e.V. in Wiethmarschen im ländlichen Niedersachsen und hat das Projekt in Kooperation mit Jugendclubs aus zwei Gemeinden in der Umgebung organisiert. Wiethmarschen liegt zwischen den mittelgroßen Städten Lingen und Nordhorn, 30 km von der niederländischen Grenze entfernt. Die Gegend ist weitläufig, von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt und dünn besiedelt. Es gibt kaum öffentlichen Nahverkehr.  „Die Kinder müssen immer gefahren werden und haben sehr lange Fahrtwege,“ erklärt Heike Terborg. Um allen Kindern und Jugendlichen, die Lust hatten, eine Teilnahme zu ermöglichen, führten die Teams der kooperierenden Jugendclubs Vorgespräche mit den Eltern und holten die Kinder teilweise von zu Hause ab. So konnten auch Kinder und Jugendliche mitmachen, die aus Familien mit wenig Geld kamen.

Wiederholung gewünscht

Aus der Projektwoche nehmen die Jugendlichen neue Erfahrungen, Freundschaften und Wissen über die Rap- und Hip-Hop Kultur mit. Emelie (11 Jahre) erzählt: „Jede kann tanzen und ist auf ihre Art cool.“ Alle Kinder wünschen sich eine Wiederholung des Workshops.

Das Projekt wurde von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert im Rahmen der Förderkampagne „Melting Pott“ mit Ben & Jerry‘s und St. Pauli.

 

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