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Laut und noch bunter

"Laut und Bunt" 2010


Seit mittlerweile vier Jahren organisiert ein Team von Jugendlichen jedes Jahr im Sommer das „Laut und Bunt“- Festival in Rathenow und setzt damit ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt. Auch in diesem Jahr hat sie die Amadeu Antonio Stiftung bei ihrem Projekt unterstützt.

Die 19-jährige Hanna ist Teammitglied der ersten Stunde. „Die Idee war damals, frischen Wind ins verschlafene Rathenow zu bringen. Gerade für Jugendliche gibt es hier nicht viele Angebote. Wir wollten zeigen, dass Jugendliche auch selbst etwas auf die Beine stellen können und durch das Festival vielleicht auch andere Leute dazu anregen eigene Projekte zu starten.“ Vor vier Jahren fingen sie ohne Erfahrungen an, mittlerweile haben alle im Team feste Aufgaben und wissen, was in den Monaten vor dem Festival zu tun ist. Hanna ist zu einer richtig professionellen Eventmanagerin geworden – sie organisiert die Bands und schließt Verträge mit ihnen, klärt Formalitäten mit Polizei und Ordnungsamt. Bald müssen Flyer und Plakate in den Druck. Doch gestresst ist Hanna nicht. „Der Stress kommt erst noch, meistens in den Tagen kurz vor dem Festival. Dann gilt es noch die letzten Dinge einzukaufen und zu überlegen ‚was haben wir vergessen’?“

Große Feier

Mit Unvorhergesehenem ist immer zu rechnen. Im letzten Jahr fiel „Laut & Bunt“ mit dem Fußball-WM-Spiel um den dritten Platz – Deutschland gegen Uruguay – zusammen. „Wir mussten schnell noch ein Public Viewing organisieren – aber das hat sich echt gelohnt. Wir hatten einen absoluten Besucherrekord, damit hätten wir gar nicht gerechnet. Es wird schwierig werden, daran in diesem Jahr anzuknüpfen. Aber 700 Besucherinnen und Besucher könnten es auf jeden Fall werden“, schätzt Hanna. Auf dieses Publikum warten in diesem Jahr sieben Bands mit ihrem Programm. Ein paar alte Bekannte sind wieder dabei, wie zum Beispiel die „Pusteblumenzäcken“ mit ihrer Mischung aus Rock, Pop und Punk. Vier Bands kommen diesmal aus dem europäischen Ausland – eine aus der Schweiz, eine aus Ungarn und zwei aus Italien.

„Wir sind Europa“

Ziel war es in diesem Jahr die kulturelle Vielfalt von Europa ins kleine Rathenow zu bringen. Hanna erklärt: „Von Anfang an war es uns wichtig, uns mit dem Festival gegen Rassismus, gegen Gewalt und gegen menschenfeindliche Äußerungen zu positionieren. Aber wir haben uns gedacht, wir wollen nicht immer nur ‚gegen’ etwas sein, sondern auch explizit ‚für’ etwas stehen. Deshalb ist unser neues Prinzip ‚Wir sind Europa’ – wir wollen das Festival nutzen, um die kulturelle Vielfalt Europas zu feiern und andere Kulturen zu uns einzuladen.“ Dafür hat sich das „Laut & Bunt“-Team um Förderung bei „Jugend für Europa“ beworben. Das war mehr Bürokratie als erwartet – ein 20-seitiger Antrag musste ausgefüllt werden, in dem alles zum Projekt genau beschrieben werden sollte. „Der Antrag war wirklich sehr zeitintensiv“, berichtet Hanna, „um so mehr freuen wir uns jetzt das alles geklappt hat und die ganze Arbeit sich gelohnt hat.“ Dank „Jugend für Europa“ war es nicht nur möglich die Bands aus dem europäischen Ausland nach Rathenow zu holen, Interessierte werden sich auch an Infoständen über Auslandsaufenthalte und europäische Projekte informieren können.

„Es ist wichtig, immer wieder ein Zeichen zu setzen“

Das „Laut & Bunt“-Festival ist in den letzten vier Jahren zu einer echten Institution in Rathenow geworden, eingefleischte Fans kommen jedes Jahr wieder. Für Hanna ist das die Motivation weiterzumachen. „Es ist schön von anderen Jugendlichen zu hören, dass sie unser Festival toll finden, und dass sie sich schon auf das nächste Jahr freuen“, sagt sie. Ein paar dieser Fans sind seit diesem Jahr auf die andere Seite gewechselt und haben sich dem „Laut & Bunt“-Team angeschlossen. „Es hat uns total gefreut, dass wir Zuwachs bekommen haben. Einige von uns haben gerade ihr Abitur gemacht und werden im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein können. Jetzt wissen wir das unsere Arbeit fortgeführt wird. Denn es ist wichtig immer wieder ein Zeichen zu setzen und seine Meinung zu äußern – Rathenow bleibt laut und bunt!“

 

Von Janna Fießelmann

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