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Mehr als Party: Festivals feiern Vielfalt und Solidarität auf dem Land

Gegen den Verein Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage e.V. gab es in den letzten Jahren mehrere Angriffe, die Sachbeschädigungen, Bedrohungen und einen Brandanschlag auf das Vereinsgelände umfassten. Mit dem Intercultural Festival zeigen die Mitglieder, dass sie sich von Anfeindungen nicht beeindrucken lassen und weiter für Solidarität und Menschenrechte kämpfen. Foto: Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage e.V.

Auf Dorfplätzen, Brachflächen, in ehemaligen Waldbädern oder stillgelegten Industriegeländen entstehen in vielen ländlichen Regionen in diesem Sommer Festivals, die weit mehr sind als Musikveranstaltungen. Vereine, Initiativen und ehrenamtliche Bündnisse verbinden Partystimmung und Do-It-Yourself-Atmosphäre mit gesellschaftlichem Engagement und einer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Von Vera Ohlendorf

Wenn es nichts gibt, mach es selbst – viele Engagierte wissen, dass ein „man müsste hier mal…“ nicht weiterhilft. Was Besucher*innen oft als unbeschwerte Tage erleben, ist das Ergebnis monatelanger Arbeit. Viele Organisator*innen investieren neben Beruf, Ausbildung oder Studium unzählige Stunden in Planung, Genehmigungen, Booking und Infrastruktur – häufig mit geringen finanziellen Mitteln und mit persönlichem Risiko. Ohne dieses Engagement gäbe es viele Festivals gar nicht. Die Amadeu Antonio Stiftung fördert mit Sach- und Honorarmitteln, auch für die immer häufiger notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.

Die Bedeutung ländlicher Sommerfestivals mit klarer demokratischer Haltung reicht weit über das Festivalwochenende hinaus. In Regionen, in denen kulturelle Angebote für junge Menschen kaum vorhanden sind und das demokratische Miteinander stark unter Druck steht, schaffen sie Möglichkeiten für Solidarität, Vernetzung und eine unbeschwerte Zeit – ohne Ausgrenzung und menschenfeindliche Ideologien.

In Veilsdorf, Uelzen, Grimma, Warnemünde, Leisnig, Limburg, Meißen, Gerstungen, Auen, Tautenhain, Kusel und in vielen anderen Orten finden so Menschen zusammen, die sich mit den Entwicklungen nicht abfinden, sich für Vielfalt und gegen menschenfeindliche Ideologien einsetzen und ihr Umfeld gemeinsam gestalten.

Wir stellen euch einige der geförderten Events für euren Partykalender zusammen – Support your rural Festival!

Dreckig & Bunt
Veilsdorf (Thüringen)
26.-27.6.2026

Im Landkreis Hildburghausen sind seit den 1990er Jahren rechtsextreme Netzwerke gewachsen, die bis in die sogenannte Mitte der Gesellschaft akzeptiert werden. Bekannte Neonazis veranstalten regelmäßig Festivals und Konzerte, die hunderte Rechtsextreme anziehen. Das Punkrock-Festival „Dreckig & bunt“ spricht ein nicht-rechtsextremes Publikum an, für das es kaum Freizeitangebote in der Region gibt. Die ehrenamtlichen Organisator*innen öffnen einen superlauten demokratischen Raum und setzen deutliche Zeichen gegen Hass und Hetze.

Line-Up: Arrested Denial, The Movement, Absturz, Nasty Rumours, Trotzdem, The Gluesniffers, Grant u.a.


Kein Bock auf Nazis Festival
Kusel (Rheinland-Pfalz)
2.- 4.7.2026

Eine Handvoll Menschen hatte vor einigen Jahren genug von immer gleichen Dorffesten und Discoabenden ohne emanzipatorische Haltung. Sie gründeten das Festival, um rechtsextremer Normalisierung im ländlichen Raum den Traum von Selbstbestimmung und einem solidarischen Miteinander entgegenzusetzen. Also gibt es nicht nur superviele Konzerte, sondern auch Vorträge, Filme und spaßiges Kinderprogramm.

Line-Up: Pogo Gadgetto, Wick Bambix, The Sensitives, FDA, Deadwood Holler, Dödelhaie, WauMiau u.a.


Buntes Meer Festival
Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern)
24.-26.7.2026

Ausgrenzende, rechtsextreme Ideologien gewinnen an Einfluss. Dazu gehören auch ableistische und sozialdarwinistische Denkmuster, die Menschen mit Behinderungen gesellschaftliche Teilhabe absprechen. Das komplett ehrenamtlich organisierte Festival ist dagegen ein Ort, an dem Vielfalt und Inklusion nicht erklärt, sondern gelebt werden. Der Kurhausgarten und der Strand in Warnemünde werden zu einem barrierearmen Begegnungsraum, in dem alle gemeinsam feiern, Yoga machen, Kunst schaffen und ins Gespräch kommen. Ganz viel Meerliebe inklusive!

Line-Up: lokale Bands und überregionale Acts, lasst euch überraschen!


Salon Libertatia – Musik & Diskurs
Auen (Rheinland-Pfalz)
25.7.2026

In der Nahe-Hunsrück-Region gibt es viel Zustimmung für rechtsextreme Ideologien und entsprechende Parteien. Es fehlt an prodemokratischer Präsenz im öffentlichen Raum. Die Initiative für Freizeit und Musikkultur e.V. macht solidarische Haltungen im ländlichen Raum erlebbar. Zwischen Electropop, Punk, Alternative, Postrock und elektronischer Musik entstehen bei Talks, Workshops, Installationen, Infoständen und Kinderprogramm Räume für Dialog, Reflexion und demokratisches Empowerment – getragen von ehrenamtlichem Engagement und der Überzeugung, dass Kultur Menschen zusammenbringt.

Line-Up: Nein Danke, Thordis, Cuba Comet Imperial, Die unsichtbaren Städte, Sookee


Laut gegen Rechtsextremismus
Neuötting (Bayern)
25.7.2026

Es wird laut in Neuötting: Das Festival des Faltermeier Culture Yard e.V. vertritt eine klare Haltung und will rechtsextreme Normalisierungen in Oberbayern, die sich etwa bei Volksfesten, auf Märkten und im Alltag deutlich zeigen, nicht widerspruchslos hinnehmen. Dem Gefühl der Machtlosigkeit begegnen die Organisator*innen mit lauter Punk-Musik und Kunst. Sie sind sich sicher: Solidarität wirkt! Für Menschenrechte und demokratische Werte.

Line-Up: Rising Resistance, Volxverätzung, Unicorn Butterfly Fuckazz, Fatigue Future


Crossover Festival
Grimma (Sachsen)
31.7. – 1.8.2026

Bei den Bundestagswahlen 2025 erreichte die rechtsextreme AfD in Grimma 39,9 Prozent der Zweitstimmen. Im Stadtrat ist die Brandmauer längst eingerissen. 2024 wurde in Grimma die rechtsterroristische Gruppe „Sächsische Separatisten“ enttarnt. Außer der Alten Spitzenfabrik gibt es kaum Freizeitangebote für Jugendliche, die keine rechtsextremen Ideologien vertreten. Mit dem Crossover-Festival schaffen sich junge Menschen aus der Region dort selbst einen Raum, in dem Vielfalt, Demokratie und Solidarität gelebt werden. Die Konzerte locken hunderte Fans nach Grimma. Außerdem zeigen Workshops und Diskussionsformate, wie gesellschaftliches Engagement unter widrigen Bedingungen gelingen kann.

Line-Up: Breathing, Decay Remains, DinkX, Enni, Dosenstolz, Four Black Lungs, Lewia, Schimpansk & many more


Noisy Neighbours Festival
Leisnig (Sachsen)
8.-9.08.2026

Im Landkreis Mittelsachsen treiben völkische Siedler*innen die rechtsextreme Raumnahme voran, ebenso wie Parteistrukturen der „Freien Sachsen“, „Die Heimat“, Reichsbürger und andere Gruppen. Die Folgen sind Einschüchterungen, Angst und ein Klima der gesellschaftlichen Spaltung. Das Festival des AJZ Leisnig e.V. schafft einen Begegnungs- und Rückzugsraum für demokratische Jugendliche und Junggebliebene und setzt ein deutlich sicht- und hörbares Zeichen für Vielfalt, Solidarität und Widerständigkeit. Neben vielen Acts gibt es Workshops und Diskussionsformate, die sich mit rechtsextremen Strategien in Krisenzeiten und der Bedeutung einer wehrhaften demokratischen Kultur auseinandersetzen.

Line-Up: Akne Kid Joe, The Offenders, Risk It, Peace Of Mind, Ghetto Justice, blackstabbed, Sick Times, Soko Durst, Fontanelle, Yellowcap u.a.


Waldbad Revival
Gerstungen (Thüringen)
21.-23.8.2026

Ein ehemaliges Waldschwimmbad wird für drei Tage zur Festival-Area mit Punk, Techno, Workshops und Camping! Fast ohne Budget und nur durch das Engagement von Jugendlichen aus dem Wartburgkreis entsteht ein demokratischer Ort, an dem alle ohne Angst verschieden sein können. Schon im letzten Jahr war das Festival ein voller Erfolg – obwohl Rechtsextreme Autoreifen zerstachen, Sticker mit Hassbotschaften an Fahrzeuge klebten und Teilnehmende bedrohten. In der Region ist sowas leider nicht ungewöhnlich. Freie Kameradschaften und andere rechtsextreme Gruppen erhalten viel Zulauf. Umso wichtiger ist es, beim Festival Kraft zu tanken, um menschenfeindlichen Ideologien entschlossen entgegen zu wirken. Die Amadeu Antonio Stiftung finanziert unter anderem Sicherheitsmaßnahmen. Niemand steht allein, wenn sich alle solidarisch zusammenschließen!

Line-Up: Regionale Punkrock-Newcomer und Underground-DJs


Aufmucken Open-Air
Ilmenau (Thüringen)
21.8.2026

Ein breites Demokratiebündnis schafft in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen einen Ort mitten in der Kleinstadt, an dem Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebensrealitäten zusammenkommen können. Musik und Kunst sind bestens geeignet, den demokratischen Zusammenhalt kreativ zu stärken. Neben einem coolen Line-Up gibt es eine Open Stage, auf der man sich selbst ausprobieren kann.

Line-Up: PaulA, ohne proben nach oben, TZK, DJ Collin, DJ Major & DJ JayJay


F.R.I.D.A.-Festival: Für Feminismus, gegen Rechtsextremismus
Limburg an der Lahn, (Hessen)
22.8.2026

Antifeministische Ideologien funktionieren als Bindeglied zwischen antidemokratischen Strömungen, die sich gegen Gleichberechtigung und Vielfalt richten. Mit dem F.R.I.D.A.-Festival bearbeitet der Verein WIR SIND MEHR – gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz Limburg-Weilburg e.V. diese Zusammenhänge kreativ und solidarisch: Das Open Air auf dem Limburger Neumarkt verbindet politische Bildung mit Kultur und Live-Musik. Und mit einer klaren Botschaft: Denen, die Ausgrenzung, Hass und antifeministische Ideologien verbreiten, steht eine breite Mehrheit gegenüber, die für Demokratie, Solidarität und Menschenwürde eintritt. Wir sind mehr!

Line-Up: Jentellmen, Mirrianne Mahn, Wild im Wald


KAKTINGO Festival – Bringing Sound to Rural Resistance
Tautenhain (Thüringen)
29.8.2026

In Ostthüringen gewinnen rechtsextreme, völkische Akteure an Einfluss. Traditionelle Rollenbilder und sozialer Druck führen dazu, dass Menschen ausgegrenzt werden, deren Lebensweisen nicht in rechtsextreme Weltbilder passen. KAKTINGO wurde 2019 von einer kleinen Gruppe junger Menschen aus ostthüringischen Dörfern gegründet. Ehrenamtlich und low-budget schaffen sie einen temporären Schutzraum auf einem privaten Waldstück – für alle, die Vielfalt leben, feiern und sich vernetzen wollen. Zeltmöglichkeit und Badeteich vorhanden!

Line-Up: Live, Elektro, lasst euch überraschen!


Say it loud! Festival gegen Rassismus
Uelzen (Niedersachsen)
29. 8.2026

Der Landkreis Uelzen gilt als Schwerpunktregion völkischer und rechtsextremer Strukturen. Rassistische und demokratiefeindliche Positionen im Alltag und im digitalen Raum nehmen zu. Gegen Rassismus und Rechtsextremismus gibt es aber breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand. Demokrat*innen feiern auf dem Herzogenplatz laut und stabil mit viel Musik und Haltung. Familiäre Atmosphäre inklusive!

Line-Up: Ruff & Tuff, Die Garteninstrumente, Nackt


Intercultural Festival
Meißen (Sachsen)
11.-12.9.2026

Gegen den Verein Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage e.V. gab es in den letzten Jahren mehrere Angriffe, die Sachbeschädigungen, Bedrohungen und einen Brandanschlag auf das Vereinsgelände umfassten. Die Mitglieder setzen sich seit langem für Geflüchtete und gegen Rassismus ein und geraten immer wieder ins Visier rechtsextremer Akteure. Mit dem Intercultural Festival zeigen sie, dass sie sich von Anfeindungen nicht beeindrucken lassen und weiter für Solidarität und Menschenrechte kämpfen. Der Internationale Garten Meißen verwandelt sich in eine Festival-Location: Im Rahmen der Interkulturellen Wochen laden Live-Musik, Skateboarding- und Graffiti-Workshops und andere Highlights dazu ein, sich mit Demokratie und Vielfalt zu beschäftigen.

Line-Up: von Punk bis Weltmusik, tba

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