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„Der Terror beginnt schon viel früher“ – Newsletter April 2019

"Der Terror beginnt schon viel früher" - Newsletter April 2019

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,


für das schreckliche Verbrechen von Christchurch lassen sich keine Worte finden. Uns hat diese Grausamkeit sehr mitgenommen und führte auch bei uns zu einem Innehalten.

Der Terroranschlag in Christchurch steht stellvertretend für die rechtsextreme Radikalisierung. Er ist nicht das erste Ereignis dieser Art. Das OEZ-Attentat in München im Jahr 2016 mit zehn Toten und die Anschläge in Norwegen im Jahr 2011 mit 77 Toten gehören in diese Reihe. Rechtsterrorismus ist ein großes Thema, jedenfalls sollte es das sein. Die rechtsextreme Szene in Deutschland ist jederzeit zu ähnlichen Morden in der Lage. Sie ist bewaffnet und bis in Polizei und Bundeswehr vernetzt. Ihre mutmaßlichen Verbindungen zum Militärischen Abschirmdienst sind noch nicht ausreichend aufgeklärt. Hier ist der Staat in der Pflicht. Einmal mehr zeigt sich, dass die Empfehlungen der beiden NSU-Untersuchungsausschüsse vollständig in die Tat umgesetzt werden müssen. Dazu gehört die lückenlose Aufklärung, mehr Prävention und die Prüfung rassistischer Tatmotive. Die Zivilgesellschaft kann und muss dem Nachdruck verleihen.

Denn der Terror beginnt schon viel früher. Die Elemente der rechtsextremen Ideologie, ihr Rassismus, ihre Verschwörungstheorien, ihr Antisemitismus finden sich überall im Netz. Da müssen wir alle genauer hinschauen. Gerade dort äußern radikalisierte Rechte immer wieder Gewaltphantasien, wie beispielsweise gerade bei der besonders ekelhaften Abschiebe-Challenge. An den Ereignissen von Christchurch vergegenwärtigt sich der Einfluss des Internets auf die Offlinewelt. Natürlich sind wir nicht naiv und glauben nicht, mit ein paar netten Worten über die Vorteile der Demokratie und ihrer Diskursfähigkeit solche Entwicklungen oder gar Ereignisse stoppen zu können. Dennoch sollten wir als demokratische Zivilgesellschaft wenigstens den Versuch unternehmen, die rechtsaffine Community nicht dem Sog der Radikalisierer zu überlassen und uns hinter alle zu stellen, die den Hass erleben. Strategien werden wir auf unserer Konferenz "Zivilgesellschaft online 2019" diskutieren.

Die demokratische Zivilgesellschaft steht zunehmend unter Beschuss. Initiativen und Organisationen, die sich wie die Amadeu Antonio Stiftung zum Ziel gesetzt haben, für Gleichwertigkeit und Menschenrechte zu streiten und andere bei diesem Kampf zu unterstützen, sollen mundtot gemacht werden. Desinformations- und Diffamierungskampagnen sind Teil der Strategie. Das ist brandgefährlich: denn gerade jetzt, wo Kommunal- und Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen anstehen, ist eine starke, aktive Zivilgesellschaft unerlässlich. Was wir jetzt brauchen, sind Menschen, die sich klar positionieren und handeln, um die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen und zu verteidigen ­- und andere davon überzeugen, es ihnen gleichzutun. Um die Engagierten vor Ort zu unterstützen, haben wir den Fonds "Zivilgesellschaft stärken - Ihr habt es in der Hand!" initiiert, unter anderem mit Mitteln der Bürgerbewegung Campact. Insgesamt 100.000 Euro stehen seit Anfang April 2019 zur Verfügung, um Betroffene von Diskriminierung und Ausgrenzung zu stärken, Projekte der politischen Bildung für alle Generationen auf die Beine zu stellen, und Verantwortliche aus Schulen, Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften in den drei Bundesländern zusammenzubringen.

Hasskampagnen können uns nicht delegitimieren. Denn eine wehrhafte Demokratie und eine entsprechende Kultur im Umgang miteinander lassen sich nicht auf diese Weise schlechtmachen. Jedenfalls nicht, solange wir sie als das erkennen, was sie sind: eben eine Strategie der sogenannten neuen Rechten. Als solche werden wir sie immer wieder benennen - und uns laut dagegen wehren.


Herzliche Grüße,

Ihre Anetta Kahane

Anetta Kahane

Im Fokus

Dr. Matthias Quent

Analyse

Nach Christchurch: „In der rechtsextremen Szene gibt es tickende Zeitbomben“

Was hat das Attentat in Christchurch mit der extremen Rechten in Deutschland zu tun? Was sind die Folgen von Hasskriminalität für die betroffenen Minderheiten? Und welche Wege sind jetzt in der Rechtsextremismusprävention zu gehen? Wir sprachen mit Dr. Matthias Quent, Soziologe, Rechtsextremismusexperte und Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena.

Susanna Steinbach, Geschäftsführerin der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Dr. Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Jena, und Robert Kusche, Vorstand Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. und Geschf. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e. V. (v.l.) (Quelle: btn/sr)

Hintergründe

Im Osten Deutschlands werden jeden Tag fünf Menschen Opfer rechtsextremer Gewalt

In Berlin und in den fünf ostdeutschen Bundesländern erstellen die Opferberatungsstellen für Opfer rechtsextremer Gewalt jährlich eine Statistik rechtsextremer Angriffe und Gewalttaten. Der Verband der Opferberatungsstellen (VBRG) hat die Zahlen für 2018 kürzlich vorgestellt.

Unsere neue Website ist online!

Ganz herzlich möchten wir Sie dazu einladen, auf unserer neuen Website durch die Themen und Projekte der Amadeu Antonio Stiftung zu stöbern. Mehr Übersichtlichkeit, leicht auffindbare Inhalte und eine klare Navigation - das sind die Ziele unseres neuen Online-Auftritts. Wir arbeiten weiter daran und freuen uns über Ihre Rückmeldung jeglicher Art.

Ermutigen. Beraten. Fördern. Ihre Spende hilft!

Die Amadeu Antonio Stiftung stellt sich an die Seite derjenigen, die vor Ort Menschenfeindlichkeit bekämpfen - und klar stellen: Hier sollen sich alle zu Hause fühlen können! Dazu gehören zahlreiche Projekte, die politische Bildungsarbeit leisten, Diskriminierung sichtbar machen und für die Würde und Gleichheit aller Menschen streiten. Im Vorfeld der Kommunal- und Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen möchten wir die Engagierten in diesen drei Bundesländern mit unserem Sonderfonds "Zivilgesellschaft stärken - Ihr habt es in der Hand!" ganz besonders unterstützen. Unser Dank gilt unseren Spenderinnen und Spendern, durch deren Hilfe diese wichtige Arbeit möglich wird. 

Wir fördern:

Opferfonds CURA

Schweineköpfe, Steine, Morddrohungen

Ein Schweinekopf hängt eines Morgens an der Eingangstür des Lebensmittelladens von Frau T. Die brutale Drohung, die diese Tat ausstrahlt, ist mit Händen zu greifen. Frau T. betreibt ein Geschäft in einer mittelgroßen Stadt in Bayern. Muslimfeindliche Übergriffe dieser Art sind jedoch deutschlandweit verbreitet. 

Gefördertes Projekt

Ausstellung zu Rechtsextremismus in Berlin eröffnet

Die 1990er Jahre waren bestimmt durch rechtsextreme Straßenübergriffe, 2011 enttarnte sich die Terrorzelle des NSU selbst, und spätestens seit dem Anstieg rassistischer Mobilisierungen ab dem Sommer 2015 ist die extreme Rechte in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Doch was war dazwischen? Und was war eigentlich vor der Wiedervereinigung? Die von der Stiftung geförderte Ausstellung "Immer wieder? Extreme Rechte und Gegenwehr in Berlin seit 1945" gibt Antworten.

Aktuelle Publikation

Neue Publikation: "Reichsbürger und Souveränsten" - Basiswissen und Handlungsstrategien

Mittlerweile ist die Reichsideologie milieuübergreifend und deutschlandweit verbreitet: Sei es die junge Polizistin und Mutter, die sich in einer Kindertageseinrichtung nach Jahren als Reichsideologin outet, oder der Vorsitzende eines lokalen Tauschrings, der Reichsmark als Zahlungsmittel akzeptiert. Die neue Handreichung bietet einen ersten Einblick in das Themenfeld und beleuchtet den antisemitischen Kern der Ideologie.

Termine

12.04.2019 I Konferenz Zivilgesellschaft Online 2019 - "Under Pressure" I Berlin
Hate Speech, "Fake News", Trolling, Doxing und Shitstorms - der Ton in Sozialen Netzwerken ist oft rau und menschenverachtend. Die Plattformen wandeln sich vom Ort für die Demokratie 2.0 zu Schauplätzen der Bedrohung. Regelmäßig werden Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte engagieren, mit Hass-Stürmen überzogen. Was haben wir dem Hass entgegen zu setzen? Am 12. April wollen wir mit Ihnen auf der Konferenz "Zivilgesellschaft Online 2019 - Under Pressure" den aktuellen Zustand analysieren und Lösungen diskutieren.
 


16.04.2019 I "und jetzt, da ich dich sehen kann..." Lesung zur Ausstellung WIR*HIER! I Wismar
Im Rahmen der im Rathaus Wismar gastierenden Ausstellung "Wir* Hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust" lädt Lola für Demokratie in MV zu einer Lesung und anschließenden Gesprächsrunde ein. Zu Gast sind die Schweriner Autorinnen Sonja Voß-Scharfenberg und Bianka Hadler. Beide Frauen sind dem Alltag immer wieder literarisch auf der Spur. In ihren Geschichten und Gedichten versuchen sie, den Dingen Benennung zu geben, den Freuden Gesicht und Hand und Fuß und den Ängsten Halt und Maß.


07.05.2018 I "Vom Sterben durch Kämpfen zum Sieg." Erinnerung und Verdrängung der Shoah in der DDR I Jena
Der Vortrag von Anja Thiele vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie in der DDR mit der Geschichte des Nationalsozialismus umgegangen wurde. Was wurde wie erinnert und was nicht? Welche Rolle spielte die spezifische Geschichtsdeutung für die Selbstlegitimation des "besseren" Deutschlands?


08.05.2018 I Regionale Spezialitäten. Vielfaltpädagogik als Demokratiebildung an lokalen Konfliktszenarien I Chemnitz
Die Veranstaltung schafft Raum, aktuelle, demokratieablehnende Dynamiken lokalräumlich zu erfassen: Wie kommt es, dass sich bestimmte Bevölkerungsgruppen und Regionen als abgehängt oder sozial marginalisiert empfinden? Und wie kann die Jugendarbeit genau an diesen Orten Raum demokratischer Konfliktaushandlung sein?


14.05.2018 I Blicke zurück nach vorn - Wie können wir Jugendarbeit antisemitismus- und rassismuskritisch und empowernd gestalten? I Berlin
Wie steht es um die antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit? Ganz herzlich eingeladen sind Pädagog*innen, Jugendarbeiter*innen und Bildungsreferent*innen, mit uns zurückzublicken und nach vorne zu schauen: Was läuft gut? Für welche Herausforderungen brauchen wir neue Handlungsstrategien?
 

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Impressum

 

Copyright (c) 2019
Redaktionsschluss: 05. April 2019

 

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Spendenkonto der Amadeu Antonio Stiftung: 
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IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00 | BIC: GENODEM1GLS
 

Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Redaktion: Franziska Schindler, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Markus Riepenhausen


Die Amadeu Antonio Stiftung wird zur Entwicklung als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"