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Förderberichte des Opferfonds CURA

2018

Im Jahr 2018 unterstützte der Opferfonds CURA Betroffene rechter Gewalt mit 25.092,75 Euro. Auffällig ist in diesem Jahr, dass viele Gewalttaten im direkten Wohnumfeld und somit in nächster Nähe zu den Rückzugsorten der Betroffenen stattfanden. Ein Rückblick.

 

Kurz nach ihrem Einzug in die neue Wohnung entdeckte Frau V. verwundert Zigarettenstummel und Asche in ihrem Briefkasten. Schnell wurde klar, dass dies kein Zufall war, sondern ein erster Einschüchterungsversuch einer Nachbarin. Deren systematische rassistische Anfeindungen und Bedrohungen nahmen in der Folge kontinuierlich zu. Sie gipfelten in einem tätlichen Angriff, begleitet von rassistischen und antisemitischen Beleidigungen. „Du gehörst hier nicht her“ – das war die klare Botschaft an Frau V.

Von der Polizei wurde die Situation nicht ernst genommen, stattdessen wurde Frau V. abfällig behandelt und das Verfahren kurz darauf eingestellt. Auch nachdem es durch das Einwirken einer Opferberatungsstelle wiederaufgenommen wurde, zeigte sich keine Besserung der Situation, sodass sich Frau V. zum Umzug gezwungen sah. Der Opferfonds CURA unterstützte sie dabei.

 

Dieser Fall von Bedrohung aus dem direkten Wohnumfeld, der die Betroffenen in ihrem eigenen Zuhause trifft, ist nicht der Einzige, sondern steht beispielhaft für eine ganze Reihe von Fällen, in denen der Opferfonds CURA im Jahr 2018 Unterstützung leisten musste. Die Betroffenen wurden mit verbalen Bedrohungen über tätliche Angriffe bis zu angezündeten Autos direkt neben ihren Wohnhäusern konfrontiert. Häufig werden die Fälle von den Ermittlungsbehörden nicht ernst genommen oder die Täter*innen sind nicht zu ermitteln. Schnell kommt es zur Einstellung von Verfahren. In solchen Fällen wird der Opferfonds CURA aktiv und übernimmt Kosten für die Akteneinsicht durch Anwält*innen, um die Ermittlungen wieder anzuschieben.

 

Mit insgesamt 25.092,75 Euro unterstützte der Opferfonds CURA im Jahr 2018 Betroffene rechter Gewalt (Stand: November 2018). Neben Anwaltskosten ging es hierbei vor allem um die Unterstützung bei der Erstattung von Alltagsgegenständen, ohne die die Betroffenen stark in ihrem Leben eingeschränkt wären. So unterstützte CURA Herrn R. beim Kauf eines neuen Handys, das er dringend benötigt, um im Notfall die Polizei zu rufen und Kontakt zu seiner Familie in Syrien zu halten, oder auch Familie S. mit einem symbolischen Anteil beim Kauf eines neuen Autos. Zuvor war das alte Auto bei einem Brandanschlag vollkommen ausgebrannt, und Herr S. ist auf das Auto für den täglichen Weg zu seiner Arbeit angewiesen. In weiteren Fällen beglich CURA die anfallenden Kosten von Übersetzungen, die für die gerichtliche Aufarbeitung rassistischer Gewalttaten notwendig waren, wie Ärzt*innenberichte oder Therapeut*innengespräche.

Bei den meisten Fällen in diesem Jahr handelte es sich um rassistische Angriffe, oft „Gelegenheitstaten“, jedoch auch geplante Überfälle. So wurde in einem Fall der Betroffene in einen Hinterhalt gelockt, dann brutal zusammengeschlagen und letztlich mit schweren Verletzungen alleine zurückgelassen.

 

Am 20. September dieses Jahres jährte sich zudem zum zweiten Mal der Tod des damals 34-jährigen Eugeniu Botnari. Der Wohnungslose wurde beim Stehlen durch den damaligen Filialleiter André S. der Edeka-Filiale im Bahnhof Berlin-Lichtenberg beobachtet. Statt die Polizei zu rufen und die Tat anzuzeigen, verprügelte er Botnari mit Quarzhandschuhen in einem verschlossenen Raum der Filiale. Zwei Tage nach der Tat verstarb Eugeniu Botnari an den Folgen der brutalen Misshandlung. Zusammen mit anderen Initiativen und Anwohner*innen erinnerte der Opferfonds CURA am diesjährigen Todestag an das Opfer und warnte vor dem gesellschaftlichen Rassismus und der Feindlichkeit gegen Obdachlose, die diese Tat ermöglichten.

 

Dass der Opferfonds CURA Betroffene rechter Gewalt unterstützen kann, verdanken wir unseren Spender*innen.

 

Von Sarah Haupenthal und Anton Lehmann, Dezember 2018

2017

Die Notwendigkeit von CURA zeigt sich nicht zuletzt an der unverändert hohen Zahl der politisch motivierten Kriminalität-rechts für das Jahr 2016: Mit 23.555 rechtsextremen Straftaten und 1.698 Gewalttaten wurden die hohen Zahlen des Vorjahres (22.960 Straftaten, darunter 1.485 Gewalttaten) sogar noch übertroffen, wodurch gleichzeitig der höchste Stand seit der Reform zur Erfassung der PMK im Jahr 2001 verzeichnet wurde. Viele Betroffene rechter Gewalt erleben nach einem Angriff ein Gefühl der Ohnmacht. Der Opferfonds CURA bietet finanzielle Hilfe, damit die Opfer zurück in den Alltag finden. In 2017 wurde der Opferfonds CURA in 22 Fällen mit 18.208,53 Euro aktiv.


Der Opferfonds CURA half insbesondere Einzelpersonen, aber auch Organisationen, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft einsetzen. Gerade letztere sind immer wieder Angriffen und Attacken ausgesetzt: Im vorpommerschen Schmarsow dringen Unbekannte in den  Sitz des Vereins Land und Leute ein und hinterlassen einen Ort der Verwüstung. Ein ins Sofa eingeritztes Hakenkreuz sowie der Umstand, dass wenige Tage vor der Tat israelische Jugendliche in dem Gebäude untergebracht waren, sprechen für ein rechtsextremes bzw. antisemitisches Tatmotiv. Neben dem hohen Sachschaden bleibt nach wie vor ein Gefühl der Unsicherheit. Um dem Verein Land und Leute e.V., der im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern wertvolle zivilgesellschaftliche Arbeit leistet, bei dieser doppelten Belastung beizustehen, unterstützt der Opferfonds CURA die notwendigen Renovierungsarbeiten mit 2.000€, damit der Verein seine Arbeit schnell wieder wie gewohnt aufnehmen kann.

Der Opferfonds unterstützt Betroffene rechtsextremer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt schnell und unbürokratisch. Wie im Fall eines geflüchteten Paares aus Syrien, welches in einer Plattenbausiedlung im Landkreis Spree-Neiße nähe Cottbus wohnte. Im Frühjahr dieses Jahres waren zwei Freund_Innen des Paares zu Besuch in der Wohnung. Als einer von ihnen am Fenster stand, wurde er von zwei Personen, die vor dem Fensterstanden u.a. mit den Worten „Scheiß Ausländer, was macht ihr hier in unserem Land?“ beleidigt. Da das Paar einen der beiden Personen als einen Nachbarn erkannte, beschlossen die beiden Männer in der Wohnung zu dem Nachbarn zu gehen, um etwaige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Als sie aus dem Hauseingang traten, wurde sie unter anderem mittels eines Kopfstoßes attackiert und verletzt. Die beiden schwangeren Frauen sahen dies von der Wohnung aus und erlitten einen Shock und Blutungen im Unterleib. Eine der beiden Frauen verlor wenige Tage nach dem Angriff auf ihren Mann ihr Kind. Da das besuchende Paar in der Nähe des Tatorts wohnt und somit die Gefahr besteht, dass sie dort von den Tätern erneut aufgesucht werden, musste das Paar umziehen. Mithilfe des Opferfonds CURA konnten wir uns an den Umzugkosten beteiligen.

Wenn über menschenverachtende und rassistische Gewalt berichtet wird, stehen häufig die Täter_innen im Mittelpunkt. CURA sorgt in Kooperation mit lokalen Beratungsstellen dafür, dass es die Betroffenen sind, die nicht in Vergessenheit geraten.

All diese Erfolge wären ohne unsere Spenderinnen und Spender nicht möglich gewesen. Ihnen gilt unser ganz herzlicher Dank dafür, dass Sie die Arbeit der Amadeu Antonio Stiftung kontinuierlich unterstützen und damit überhaupt erst ermöglichen!

 

Maximilian Kirstein, 29.01.2018

2016

Wie schon im letzten Jahr zeigt sich auch 2016 ein massiver Anstieg der Vorfälle rechter Gewalt: Die Anzahl der rechtsextremen Straftaten, die durch das staatliche Erfassungssystem in der Kategorie "Politisch motivierte Kriminalität - rechts" erfasst wurden, sind im Vergleich zum Vorjahr um 34% gestiegen. Viele Betroffene rechter Gewalt erleben nach einem Angriff ein Gefühl der Ohnmacht. Der Opferfonds CURA bietet finanzielle Hilfe, damit die Opfer zurück in den Alltag finden. Im Jahr 2016 wurde der Opferfonds CURA bereits in 38 Fällen mit 61.878,74 Euro aktiv.

Eine große Spendenbereitschaft für den Opferfonds CURA gab es nach den Anschlägen im Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar dieses Jahres. Am 11. Januar 2016 hatten über 200 Neonazis im linksalternativen Stadtteil Connewitz randaliert. Fensterscheiben zahlreicher Lokalitäten gingen zu Bruch und dutzende Autos wurden beschädigt. Hier sammelten der Opferfonds CURA zusammen mit dem Roten Stern Leipzig über 45.000 Euro für Ladenbesitzer, die von rechten Angriffen betroffen waren. Neben der finanziellen Unterstützung entlaste die Spendenbereitschaft auch die Seele, so die Inhaberin eines Leipziger Geschäftes nach dem Angriff.

Der Opferfonds CURA half darüber hinaus noch vielen anderen Einzelpersonen. Gerade Flüchtlinge sind immer wieder Angriffen und Attacken ausgesetzt: In Forst (Lausitz) wird ein Flüchtling auf dem Heimweg Opfer eines brutalen Angriffs. Die stark alkoholsierten Täter attackieren ihn und verletzen ihn so schwer, dass er sich nur mit Mühe in seine Unterkunft retten kann und dort die Polizei verständigt. Sein Smartphone, welches für das Lernen der deutschen Sprache sowie für den weiteren Ausgang seines Asylverfahrens entscheidend ist, wird dabei zerstört. Aufgrund seines ungewissen Aufenthaltsstatus fehlen ihm die finanziellen Mittel, um das defekte Gerät zu ersetzen. Der Opferfonds CURA half hier unbürokratisch, indem sich der Mann ein neues Smartphone kaufen konnte.

Ob bei der Übernahme der Kosten für Sachschäden, Anwaltskosten oder Therapiestunden – der Opferfonds CURA unterstützt Betroffene rechtsextremer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt schnell und unbürokratisch. Wie im Fall eines aus dem Irak geflüchteten Mannes: Er wird von einer gewalttätigen Gruppe rassistisch beleidigt und mit einem Messer angegriffen. Ausgehend von weiteren rassistischen Angriffen leidet der Betroffene an einer großen psychischen Belastung. Um die traumatischen Auswirkungen der rassistischen Gewalt zu verarbeiten, hat sich der Betroffene mithilfe des Opferfonds CURA in Therapie begeben.

Wenn über menschenverachtende und rassistische Gewalt berichtet wird, stehen häufig die Täter im Mittelpunkt. CURA sorgt in Kooperation mit lokalen Beratungsstellen dafür, dass es die Betroffenen sind, die nicht in Vergessenheit geraten.

Diese Beispiele zeigen eindringlich, wie wichtig der Opferfonds CURA ist. Damit Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt auch in Zukunft schnell und unbürokratisch geholfen werden kann, brauchen wir Ihre Unterstützung.

 

Maximilian Kirstein, 08.02.2017

2015

Das Jahr 2015 in Deutschland war geprägt von einem rassistischen Klima. Flüchtlingsfeindliche Demonstrationen und Angriffe auf Geflüchtete, ihre Unterkünfte, vermeintliche Migrant_innen sowie Unterstützer_innen kamen beinahe täglich vor. Die Liste rechter und rassistischer Gewalt ist lang. Angesichts der traurigen Realität dieser alltäglichen Gewalt in Deutschland sind Projekte wie der Opferfonds CURA unerlässlich, um Betroffenen Unterstützung bieten zu können. Die Unterstützung kann dabei viele verschiedene Formen annehmen. Wichtig ist vor allem, dass sie direkt erfolgt. Mit Mitteln des Fonds konnten im Jahr 2015 bis zu 30 Betroffene rechter Gewalt und Opferberatungsstellen mit insgesamt 29.206,34€ Euro finanziell unterstützt werden.

Im April 2015 griffen drei Täter, die der rechten Szene zuzuordnen sind, einen Mann mit acht  Messerstichen und zusätzlichem Schlagwerkzeug in Wuppertal an. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt und musste für mehr als zwei Wochen in ein künstliches Koma versetzt werden. Auch nach  der Entlassung aus dem Krankenhaus leidet der Betroffene unter physischen und psychischen Folgeschäden, die seinen Lebensalltag beeinflussen. Die flüchtigen Täter wurden in den folgenden  Tagen nach der Tat gefasst, der Haupttäter in Untersuchungshaft genommen. Das Versäumnis der  Staatsanwaltschaft, trotz Aufforderung durch die Anwältin des Betroffenen, zum Schutz des Opfers  eine Schwärzung seiner Anschrift vorzunehmen, setzt den Mann weiteren Gefahren aus. Nun ist  seine Adresse für die Angreifer einsehbar und eine Vergeltungsaktion möglich. Weil ein Umzug schnell finanziert werden muss, wenn die eigene Wohnung nicht mehr sicher ist, half der Opferfonds CURA schnell und unbürokratisch. Der Hauptangeklagte wurde, laut taz - Die Tageszeitung, Anfang Februar zu einer achtjährigen Haftstrafe wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und die Mitangeklagten zu einem Jahr und sechs Monaten Haft sowie 9 Monaten Haft, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt.


Ebenfalls im April wurde eine weitere Person Opfer von rechter Gewalt. Der Betroffene war nach Feierabend mit einer Bekannten in Cottbus unterwegs, als er auf eine männliche Person aufmerksam wurde, die den Hitlergruß zeigte. Als das Opfer den Mann aufforderte dies zu unterlassen, wurde er zunächst beleidigt und danach tätlich angegriffen. Ein zweiter Angreifer kam hinzu, der auf das Opfer eintrat. Bei dem Versuch einen Notruf an die Polizei abzusetzen, ging das Handy des Betroffenen zu Bruch. Damit er sich in den Straßen wieder sicher fühlen kann, hat ihm der Opferfonds CURA bei der Anschaffung eines neuen Handys geholfen. 

Ein in zivilgesellschaftlichen Initiativen aktiver Journalist wird durch seine politische Arbeit gegen die extreme Rechte zur Zielscheibe des Hasses eben jener. Er wird bedroht, beleidigt, verfolgt und eingeschüchtert. Des Weiteren kam es zu Todesdrohungen und einem Angriff auf sein Büro. Die Neonazis setzen alles daran, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die den Journalisten an seiner Arbeit hindern soll. Damit der Betroffene seine Arbeit fortführen kann, sind Sicherheitsvorkehrungen notwendig, bei denen der Opferfonds CURA ihn unterstützt. 

Rechte und rassistische Gewalt muss sich nicht immer in physischer Form ausdrücken

Rechte und rassistische Gewalt muss sich nicht immer in physischer Form ausdrücken, bereits rassistische Beleidigungen und Mobbing, kann das Leben der Betroffenen stark beeinflussen und physische und psychische Folgeschäden verursachen. Diese Erfahrung musste eine senegalesische Familie in Berlin machen. Bereits in der Kita wurde der Sohn von anderen Kindern, wobei sich besonders ein Kind hervortat, rassistisch beleidigt und gemobbt. Die Kitaführung unternahm nichts und auch die Mutter des auffälligen Kindes zeigte kein Verständnis. Vielmehr fiel auch sie durch rassistische Äußerungen auf. Als das betroffene Kind auf die Grundschule wechselte, verschlimmerte sich die Situation sogar noch. Denn hier war die durch rassistische Äußerungen aufgefallene Frau Teil des Lehrpersonals. Auch hier beleidigte und mobbte sie die senegalesische Familie, sorgte sogar dafür, dass Teile des Lehrpersonals und der Schüler_innenschaft es ihr gleich taten. Die Schulleitung unternahm nichts und bestritt die Vorfälle, denn an der Schule gäbe es keinen Rassismus. Die Familie leidet emotional unter den täglichen Beleidigungen und Mobbing. Der Sohn leidet außerdem an schwerem Asthma, welches sich durch die starke psychologische Belastung vermehrt in Asthmaanfällen ausdrückt. Um dem Kind nach diesen traumatischen Erlebnissen in den Sommerferien eine Abwechslung zu bieten, ermöglichte der Opferfonds CURA einen Kurzurlaub für die kleine Familie.

Diese vier Vorfälle zeigen auf, wie unterschiedlich sich rechte und rassistische Gewalt äußern kann. Für die Betroffenen endet es aber nicht mit der eigentlichen Tat. Nach einem Angriff leben sie häufig in Angst und sind traumatisiert. In einigen Fällen verschlimmert das Versagen von staatlichen Behörden die Situation sogar und setzt die Opfer weiteren Gefahren aus. Der Opferfonds CURA hilft deswegen Betroffenen nicht nur bei anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten, sondern auch in Form von direkter Hilfe, die eine Rückkehr zum sicheren Alltag ermöglichen.  Im Frühling des Jahres unterstützte CURA daher auch ein bundesweites Fortbildungs- und Vernetzungstreffen der Opferberatungsstellen, um den Beraterinnen und Beratern einen geschulten Umgang mit psychischen Erkrankungen zu ermöglichen. Des Weiteren wurde ein Selbstverteidigungskurs von Geflüchteten für Geflüchtete in Dresden unterstützt. Dieser hatte zum Ziel, Geflüchteten ein sicheres Gefühl in ihrem Alltag zu ermöglichen und in bedrohlichen Situationen angemessen reagieren und sich verteidigen zu können. 

Ein weiterer Fall, der uns besonders am Herzen liegt, dem allerdings nicht zwangsläufig ein rassistischer Hintergrund unterstellt werden kann, ereignete sich bereits im Mai 2014. Der Rechtsstreit zieht sich allerdings bist heute hin. Im Mai 2014 wurde Herr N. das Opfer eines gewaltsamen Polizeieinsatzes. Gerufen wurde die Polizei wegen des Verdachts auf Ruhestörung. Der Betroffene soll sich bei der Personalienkontrolle nicht freundlich und kooperativ verhalten haben und wurde deswegen in Gewahrsam genommen. Allerdings erst nachdem die Einsatzkräfte sich Zugang zu seinem Zimmer in der Asylbewerberunterkunft verschafft haben und nachdem sich das Opfer ausgewiesen hatte. Gegen die Ingewahrsamnahme durch die Polizeibeamten leistete Herr N. Widerstand, weswegen er sich strafrechtlich verantworten musste. Überzeugend und mit Verweis auf Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und deutscher Obergerichte konnte seine Anwältin in der Verhandlung darlegen, dass es sich um einen rechtswidrigen Einsatz handelte. Einerseits, ist das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung, welches auch für Zimmer in Asylbewerberunterkünften anwendbar ist, von der Polizei ignoriert worden. Andererseits, war eine Ingewahrsamnahme in diesem Fall nicht angemessen, da die Polizisten ihn erst nach der Personalienkontrolle in Gewahrsam nahmen. In erster Instanz, vor dem Amtsgericht Oranienburg, wurde er dennoch zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Opferfonds CURA unterstütze schon den ersten Antrag zur Übernahme der Anwaltskosten. Die Berufungsverhandlung wurde deswegen ebenfalls unterstützt. Des Weiteren könnte es sich um einen Präzedenzfall handeln, der die Rechte von Geflüchteten in ihren Unterkünften stärkt. Der Ausgang der Berufungsverhandlung ist noch ungewiss. 

Diese Beispiele zeigen eindringlich, wie wichtig der Opferfonds CURA ist. Damit Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt auch in Zukunft schnell und unbürokratisch geholfen werden kann, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Niels Schaffroth vom 03.02.2016

2014

Wie wichtig bundesweite Beratungsangebote sind, zeigt die Liste rechter Gewalt: Diese ist genauso lang wie schockierend. Angesichts der traurigen Realität alltäglicher rechtsextremer Gewalt in Deutschland sind Projekte wie der Opferfonds CURA unerlässlich, um Betroffenen Unterstützung bieten zu können. Mit Mitteln des Fonds konnten im Jahr 2014 bisher 25 Betroffene rechter Gewalt und Opferberatungsstellen mit insgesamt 26.372,33 Euro finanziell unterstützt werden.

Theoretisch gibt es zwar die Möglichkeit Hilfeleistungen aus staatlichen Töpfen zu erhalten: Hohe bürokratischer Hürden verhindern jedoch, dass diese erfolgreich in Anspruch genommen werden können. Betroffene rechter Gewalt brauchen aber direkt Hilfe. Nach einem Angriff leben sie in Angst und sind traumatisiert. Da muss ein Umzug schon mal schnell finanziert werden, wenn die eigene Wohnung nicht mehr sicher ist, weil stadtbekannte Neonazis die Privatadresse aufgespürt haben.

Diese Erfahrung musste eine junge Frau aus dem Ruhrgebiet durchleben. Sie wurde von einer Gruppe Neonazis brutal zusammengeschlagen. Mit Verdacht auf Schädelbasisbruch wird sie ins Krankenhaus eingewiesen. Er erhärtet sich jedoch zum Glück nicht. Seit dem Angriff leidet sie aber immer wieder unter Kopfschmerzen. Im anschließenden Verfahren gegen die Täter wird die junge Frau auch weiterhin durch die Täter verbal bedroht. Ihr Anwalt erwirkt daher die Anonymisierung sämtlicher Kontaktdaten der Nebenklägerin. Dennoch sickert ihre Adresse bei dem Verfahren durch. Die Betroffene fühlt sich seit Bekanntwerden ihrer Wohnadresse nicht mehr sicher. Der Opferfonds CURA hilft der jungen Frau einen Umzug zu ermöglichen.

Aber auch Gerichts- und Anwaltskosten der Opfer müssen zunächst bezahlt werden. Denn die Täter, soweit man sie ermitteln kann, sind meist nicht in der Lage, die Kosten für ihre Verbrechen zu tragen. Zudem werden Betroffene oftmals nicht auf staatliche Möglichkeiten der Kostenübernahme hingewiesen.

Lücken staatlichen Handelns

So auch Frau N. Sie ist die Witwe des von Neonazis getöteten Nuno João Lourenço. Nachdem das deutsche Fußballteam 1998 bei der Weltmeisterschaft der Männer gegen die Auswahl aus Kroatien verloren hat, zieht eine Gruppe Rechtsextremer los, um ihren Frust an "Ausländern" abzulassen. Als sie auf Lourenço treffen, treten sie mehrmals mit Stahlkappenschuhen gegen dessen Kopf. Wenige Monate nach der Tat stirbt ihr Mann an den Folgen der Attacke. Nach der Gerichtsverhandlung ist Frau N. hoch verschuldet. Das Gericht versäumte damals eine Kostenentscheidung bezüglich der Nebenklage. Infolgedessen blieb die Witwe auf den Anwalts- und Reisekosten sitzen. Um Frau N. neben der psychischen Belastung wenigstens finanziell unter die Arme zu greifen, hat der Opferfonds CURA einen Teil der Anwaltskosten beglichen.

Dieser Fall zeigt beispielhaft welche Lücken staatliches Handeln bis heute in Bezug auf Opferentschädigung aufweist: Denn obwohl Nuno João Lourenço auch von offizieller Seite als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt wird, kämpft Frau N. immer noch für Entschädigungszahlungen aus dem staatlichen Härtefall-Fonds.

Diese Beispiele zeigen eindringlich, wie wichtig der Opferfonds CURA ist. Damit Betroffenen rechter Gewalt auch in Zukunft schnell und unbürokratisch geholfen werden kann, brauchen wir Ihre Unterstützung.
 

Anna Brausam vom 6.1.2015

2013

Im Jahr 2013 gab es erneut viele brutale Übergriffe von Nazis. Im Zuge der aktuellen Hetze gegen Flüchtlingsunterkünfte hat der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung insbesondere bei Übergriffen gegen Asylsuchende schnelle und unbürokratische Hilfe geleistet. Mit insgesamt 26.179,38 Euro aus dem Opferfonds CURA konnten 25 Betroffene rechter Gewalt und Institutionen wie Opferberatungsstellen finanziell unterstützt werden.

Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, weil sie politisch verfolgt werden oder einfach keine Perspektive mehr in ihrem Land sehen, suchen Schutz in einem anderen Land. Mit nicht viel im Gepäck außer ein paar persönlichen Sachen und der Hoffnung auf ein friedlicheres Leben. Die wenigsten verlassen ihr Land freiwillig, sondern die äußeren Umstände zwingen sie dazu Familie und Freunde zurückzulassen. Asyl zu bekommen ist keine Gnade, welche ein Staat einem Menschen gewährt, sondern es ist das Recht eines jeden Menschen.

Unterstützung für Asylsuchende in Prenzlau

Umso beschämender ist es dann, wenn Menschen, die nach Deutschland kommen, um Asyl zu suchen, erneut Angst vor gewalttätigen Übergriffen haben müssen. So auch im Fall des 27-jährigen Herrn K.. Der aus Palästina stammende Mann wohnt als Asylsuchender in Prenzlau in der Uckermark. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zweimal angegriffen. Anfang Oktober wurde er zusammen mit drei Freunden von einem deutschen Mann rassistisch beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Auch als bereits die Polizei vor Ort war, wurden die Geflüchteten weiter rassistisch von dem Mann beleidigt. Aus Angst vor dem Täter verließ Herr K. drei Tage nicht die Sammelunterkunft. Als er dann jedoch kurz Zigaretten holen wollte, wurde er zusammen mit einem Freund erneut von zwei bis heute unbekannten Männern rassistisch beschimpft. Die Flüchtlinge liefen zunächst einfach weiter. Doch die Männer kamen hinterher und griffen die beiden Asylsuchenden an – mit einem Schlagstock und einem Messer. Sein Begleiter wurde dabei so schwer verletzt, dass er mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. Herr K. flüchtete nach diesen traumatischen Ereignissen aus Prenzlau und hält sich seitdem in Berlin auf. Hier befindet er sich nun in medizinischer und psychologischer Behandlung. Der Opferfonds CURA hilft ihm dabei, in den Alltag zurückzukehren.

Neben der aktiven finanziellen Unterstützung von Asylsuchenden ist jedoch auch die Arbeit jener wichtig, die Geflüchtete in ihrem Alltag begleiten – sei es zu Behörden, Ärzten oder Elternsprechtagen an Schulen. Eine Flüchtlingsfamilie aus Inguschetien lebt ebenfalls in der Sammelunterkunft für Geflüchtete in Prenzlau. Seit ihrer Unterbringung sind vor allem die Kinder immer wieder rassistisch motivierten Angriffen ausgesetzt. So wurde unter anderem der 12-jährige Sohn von Mitschülern so schwer verprügelt, dass er zwei Wochen im Krankenhaus verbringen musste. Auch die beiden Töchter wurden bedroht, rassistisch beleidigt und attackiert. Die Mutter lebt seitdem in ständiger Angst um ihre Kinder. Auch die Kinder sind traumatisiert. Infolgedessen gehen sie nur sehr unregelmäßig zur Schule und verlassen kaum die Unterkunft. Neben dieser psychischen Belastung ist die Mutter körperlich schwer krank. Um der Familie in dieser besonders belastenden Situation Hilfe zu bieten, konnte durch die Unterstützung des Opferfonds CURA eine Familienhelferin organisiert werden, die sich ehrenamtlich mit sehr viel Herz und Kraft für die Flüchtlingsfamilie einsetzt.

Eine neue Existenz für Herrn V. aus Pirna

Doch nicht nur Geflüchtete sind den Bedrohungen durch Neonazis ausgesetzt. Auch Menschen, die bereits seit Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland gefunden haben, sind sie hier doch geboren und aufgewachsen, werden Opfer von Rechtsextremen. Diese Erfahrung musste auch der Betreiber eines Imbisses in Pirna machen. Am 21. August 2013 wurde von einer Anwohnerin der Brand des Imbiss-Wagens gemeldet. „Ich lebe seit 30 Jahren in Pirna und habe mich bisher sehr wohl gefühlt. Dass mir innerhalb weniger Minuten meine Lebensgrundlage genommen wurde, erschüttert und belastet mich sehr.“ Kurz nach der Tat stellte die Polizei fest, dass es sich um Brandstiftung handelte. Der Besitzer hatte erst im März diesen Jahres sein Geschäft eröffnet: „Das Geschäft lief gut, weil ich weit und breit der einzige Asia-Imbiss-Betreiber war und der Imbiss an einem größeren Einkaufskomplex und in der Näher der Schule stand. Der Imbiss ist meine Existenzgrundlage. Ich musste jetzt Arbeitslosengeld II beantragen“, so der Imbissbetreiber. Doch Herr V. ließ sich von den Brandstiftern nicht einschüchtern. Ihm war es wichtig, schnell wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Mit Hilfe von Bekannten konnte ein gebrauchter Imbisswagen erworben und gemeinsam renoviert werden. Der Opferfonds CURA hat Herrn V. geholfen seine Existenz wieder aufzubauen.

Eine Vielzahl von Betroffenen rechter Gewalt

Neben dem Fall in Pirna hat der Opferfonds CURA noch eine Vielzahl weiterer Personen unterstützt, die Opfer rassistischer Angriffe wurden. Herr J. wurde am 11. Dezember 2010 in Dortmund Opfer eines rechtsextremen Übergriffs. An diesem Abend hielt er sich in der Dortmunder Innenstadt in der Kneipe HirschQ auf, als im Laufe des Abends circa 15 Neonazis der „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ zunächst von außen mit Pflastersteinen auf die Glasfront der Kneipe warfen und dann auch versuchten hineinzugelangen. Gäste hatten noch versucht die Tür zu verbarrikadieren - vergeblich. Herr J. wurde von den Nazis rausgezerrt und mit Tritten und Schlägen attackiert. Als er zu Boden sank, prügelten sie weiter auf ihn ein und fügten ihm mehrere Stiche mit einem Messer zu. Nach dem Angriff wurde Herr J. im Rettungswagen notversorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Erst im Juni 2013 beginnt der Prozess gegen neun der Neonazi-Angreifer. Herr J. ist seit dem Angriff in psychotherapeutischer Behandlung, deren Fortsetzung durch den Prozessbeginn unerlässlich ist. Bei dem Angriff ist auch Herrn J.s Brille zerbrochen, die er seitdem notdürftig durch eine Brille vom Supermarkt ersetzte. Der Opferfonds CURA stellte das Geld für eine angepasste Brille vom Optiker zur Verfügung.

Auch Familie K. in einer Kreisstadt in Bayern konnte der Opferfonds CURA unterstützen: Am 29. Juli 2012 um 2:30 Uhr wollte der Familienvater K. in der Nacht etwas essen. Es war gerade Ramadan, wo es Muslimen nur gestattet ist in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und -aufgang zu essen. Durch ein einsehbares, beleuchtetes Fenster wurde Herr K. dabei von Unbekannten beobachtet, die daraufhin die zwei Fensterscheiben einschlugen. Die Polizei geht von einer politisch rechts motivierten Tat aus. Da die Täter nicht ermittelt wurden, hat der Opferfonds CURA die Selbstbeteiligung der Familie beim Einbau neuer Fensterscheiben übernommen.

Ihre Spende hilft!

Ihrer Spende ist es zu verdanken, dass wir Familie K. und all den anderen Betroffenen rechter Gewalt schnelle und unbürokratische Hilfe leisten konnten. Ihre Spende hilft uns, diese Unterstützung auch im Jahr 2014 zu leisten. Schon ein geringer Betrag hilft, Betroffenen rassistischer Gewalt eine schnelle Rückkehr in einen normalen Alltag zu ermöglichen.

 

Anna Brausam vom 6.1.2014

2012

Im Jahr 2012 konnte der Opferfonds CURA in 26 Fällen mit insgesamt 21.123,13 Euro helfen. So wurde Privatpersonen oder Familien geholfen, die Opfer rechtsextremer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt wurden. Aber auch Projekte, die sich dem Schutz von Minderheiten widmen oder die Opferperspektive in den Blick der Öffentlichkeit rücken, wurden gefördert; ebenso ehrenamtliche Opferberatungsstellen unterstützt.

 

Einem jungen Paar aus Hoyerswerda, das sich konsequent gegen Nazipropaganda in der Stadt wehrte, konnte mit den Mitteln aus dem Opferfonds CURA schnell und unbürokratisch geholfen werden. Nachdem die Beiden massiv von Neonazis bedroht wurden, mussten sie die sächsische Stadt verlassen – weil die Polizei erklärte, ihnen keinen Schutz bieten zu können. Das Paar beschloss schweren Herzens Hoyerswerda zu verlassen, sie fühlten sich nicht mehr sicher. Der Opferfonds CURA half ihnen, den Umzug in eine neue Heimat zu finanzieren.
Auch ein Restaurantbetreiber aus Geithain (Sachsen) und seine Mitarbeiter wurden Opfer von Neonazis. Seit der Eröffnung im Januar 2012 wurde das Lokal wiederholt von Neonazis angegriffen und die Mitarbeiter bedroht. Den Höhepunkt des rassistischen Terrors bildete ein Sprengstoffanschlag auf das Restaurant, bei dem das Geschäft erheblich beschädigt wurde, die Inneneinrichtung wurde zum Teil völlig zerstört. Letztendlich wurde das Lokal aufgrund der massiven Bedrohung geschlossen. Auch hier konnte der Opferfonds CURA bei der Unterstützung der ehemaligen Mitarbeiter helfen.

 

Nicht nur Einzelpersonen, auch für die Unterstützung Begleitung von Betroffenen wichtige Projekte werden durch den Opferfonds CURA gefördert. So erhielt die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt in Thüringen, ezra, finanzielle Unterstützung für die Ausstellung „Angsträume - Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen“. Die Ausstellung wird in verschiedenen Orten Thüringens gezeigt und will für die erschreckende Alltäglichkeit rechter Gewalt sensibilisieren.

 

Ein weiteres Projekt im Rahmen der CURA-Förderung waren die Bremer Projekttage „Köfte Kosher“, bei denen sich jüdische und muslimische Jugendliche mit Themen wie Diskriminierung, Zivilcourage und alltäglichem Rassismus beschäftigten. Die ProjektteilnehmerInnen setzten sich mit den Todesopfern rechter Gewalt auseinander und fanden einen kreativen Weg, den getöteten Menschen ein Gesicht im Stadtbild zu geben und so dem Vergessen entgegenzuwirken.

 

Mit dem Start der neuen Webseite www.opferfonds-cura.de konnte maßgeblich zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit beigetragen werden. Berichte und Reportagen über Opfer rechter Gewalt, aber auch über kreative Projekte für Minderheitenschutz oder gegen das Vergessen, tragen dazu bei, dass das Thema verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Die Überprüfung und Überarbeitung der Liste der Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 sorgte für eine erhöhte mediale Wahrnehmung der Amadeu Antonio Stiftung im Allgemeinen und des Opferfonds CURA im Besonderen.

2011

Im Jahr 2011 hat der Opferfonds CURA in 18 Fällen Betroffene rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt und ehrenamtliche Opferberatungsstellen mit insgesamt 11.600 Euro unterstützt.

Besonders eindringlich war in diesem Jahr die Unterstützung der Familie des am 24. Oktober 2010 in Leipzig ermordeten Kamal Kilade. Seit dem Mord ist die Familie nicht mehr die selbe. Die beiden Brüder trauen sich kaum mehr aus dem Haus und sind völlig in sich gekehrt und die ganze Familie leidet nach wie vor unter dem schrecklichen Mord. Zu allem Überfluss sind im Zusammenhang mit der Bestattung, Dolmetscherleistungen und einem Wegzug mehrere Tausend Euro Kosten entstanden, die die Familie Kilade zusätzlich belasten. Mit der Unterstützung der Familie setzt der Opferfonds CURA ein Zeichen der Solidarität, wenn auch klar ist, dass dies in Angesicht des unwiederbringlichen Verlustes keine Kompensation sein kann. Neben Familie Kilade wurden in diesem Jahr zehn weitere Einzelpersonen und Familien mit insgesamt 4.800 Euro unterstützt.

Angriffe auf unliebsame Einrichtungen

2011 wurden aus dem Opferfonds CURA erneut auch Organisationen unterstützt, die zur Zielscheibe von Neonazi-Angriffen geworden waren. Nach mehrmaligen Angriffen auf die Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde im Landkreis Barnim half der Opferfonds CURA ihr bei der Installation eines Sicherheitssystems. „Ich reagiere mit großer Angst auf die Ereignisse in unserer Gesellschaft," so die Vorsitzende der Gemeinde Diana Sandler, „es ist schockierend, dass in einem demokratischen Land mit der Vorgeschichte des Holocausts immer noch so offener Antisemitismus möglich ist.“

Darüber hinaus gewährte der Opferfonds CURA dem Kreisverband der Sozialistischen Jugend Deutschlands, "Die Falken", in Berlin-Neukölln Soforthilfe nach einem schweren Brandanschlag auf das Vereinshaus in der Nacht zum 27. Juni. „Das gesamte Haus ist durch den Brand betroffen, ein Großteil der Einrichtung ist unbenutzbar geworden,“ sagt Andrew Walde, Gruppenleiter der Falken, „aber zum Glück wurde niemand verletzt!“ Nur 24 Stunden vor dem Anschlag auf die Jugendeinrichtung hatte er hier mit zehn Kindern zwischen 6 und 10 Jahren übernachtet. Eine Woche zuvor war eine Jugendgruppe aus Israel hier zu Gast. In beiden Fällen zusammen half der Opferfonds CURA mit 1.300 Euro.

Unterstützung von Opferberatungsstellen

Im Bereich der Opferberatungsstellen war der Opferfonds CURA mit fünf Förderungen in Höhe von insgesamt 5.500 Euro zur Stelle. Das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V., welches Betroffenen, die sich vor Gericht gegen Diskriminierung zur Wehr setzen wollen juristisch beisteht, wurde ebenso unterstützt, wie auch mit zwei Halbjahresförderungen AufAndHalt e.V., das im Raum Gera Betroffenen von Rassismus, insbesondere Flüchtlingen, mit Rat und Tat zur Seite steht. Zudem wurden im Rahmen des Opferfonds CURA zwei Vernetzungs- und Fortbildungstreffen der ostdeutschen Opferberatungsstellen finanziert, um auch in Zukunft eine gute Beratung und starke Interessenvertretung für Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt zu gewährleisten.

Jede Spende hilft!

Von Thomas Olsen und Ernst Sommer, 16.01.2012