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Amadeu Antonio Stiftung warnt vor viralem Hass – Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web 2.0

Pressemitteilung der Amadeu Antonio Stiftung
Inland/Rechtsextremismus

Amadeu Antonio Stiftung warnt vor viralem Hass
Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web 2.0

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine neue Informationsbroschüre über rechtsextreme Strategien in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht. Die Handreichung „Viraler Hass. Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web 2.0“ identifiziert diese Strategien und gibt Tipps, wie diesen am besten begegnet werden kann. Auf knapp 40 Facebook-Seiten entlädt sich in den letzten Monaten die geballte Menschenverachtung gegen Flüchtlinge in Deutschland – unter Titeln wie „Nein zum Heim“ oder „Asylflut stoppen“ finden sich zahlreiche Gruppen und Seiten, auf denen gegen Flüchtlingsunterkünfte gehetzt wird. Die Diskussionen scheinen einem Muster zu folgen: Nachdem bekannt wird, dass im sächsischen Schneeberg Flüchtlinge in einer ehemaligen Kaserne untergebracht werden, gründet sich die facebook-Gruppe „Schneeberg wehrt sich“, in der gegen die verfolgten und oft traumatisierten Menschen gehetzt wird. Wenig später ruft die NPD zu Demonstrationen auf, der sich mehrere Tausend Bürgerinnen und Bürger anschließen.

Was auf den ersten Blick wie eine willkürliche Ansammlung von Protestseiten wirkt, deutet bei genauerem Hinsehen auf eine abgestimmte Strategie hin. NPD-Kader diskutieren an vorderster Front mit, die Parolen der vermeintlichen Bürgerinitiativen sind identisch mit NPD-Slogans. Auch deshalb hat der Berliner Verfassungsschutz die Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf ins Visier genommen und spricht von engen Verbindungen zur NPD. Die Rolle der NPD in der Flüchtlingsdiskussion zeigt, dass Rechtsextreme die sozialen Netzwerke hochprofessionell nutzen, um ihre Propaganda zu verbreiten.

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, erklärt:

Die NPD hat das Potential der Asyldebatte entdeckt, um die Sorgen der Bürger für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Dass hinter den meisten Bürgerinitiativen organisierte Rechtsextreme stecken, ist für den normalen Nutzer kaum zu erkennen.

Diese und andere Taktiken stehen im Fokus der neuen Broschüre „Viraler Hass. Rechtsextreme Wortergreifungsstrategien im Web 2.0“. Über ganz bestimmte Themen versuchen Neonazis Anschluss zu nicht-rechten Nutzerinnen und Nutzern zu finden. Das kann in einer vermeintlich harmlosen Internet-Diskussion über Tierschutz ebenso passieren wie über eine Online-Kampagne zum Thema Kindesmissbrauch. Mithilfe gezielter Strategien der Wortergreifung streuen sie ihre menschenverachtende Propaganda professionell in die Debatte ein.

Die Strategien zur Ansprache sind dabei ganz unterschiedlich: Mal lassen sie Diskussionen eskalieren, wie im Fall der Bürgerinitiativen. Dann wieder gerieren sie sich als Kümmerer, was etwa bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer diesen Jahres zu beobachten war.

Anetta Kahane erklärt dazu:

Wer diese Strategien nicht kennt, wird schnell Opfer der subtilen Hetze. Umso wichtiger ist es, die rechtsextremen Taktiken erkennen und erwidern zu können. Klar ist: Nur mit dem gemeinsamen Engagement nicht-rechter Nutzer kann das Internet ein demokratischer Ort ohne Hass und Menschenverachtung sein – dabei soll diese Broschüre helfen.

Die Broschüre wurde durch das Bundesministerium der Justiz gefördert.

Die Broschüre steht zum Download bereit unter http://netz-gegen-nazis.de/files/ViralerHass-Final.pdf

Außerdem ist sie in Printform erhältlich bei der Amadeu Antonio Stiftung. Bestellung per Mail an: netz@amadeu-antonio-stiftung.de

Aus dem Inhalt

  • Per Mausklick zur Menschenverachtung: Wie Neonazis soziale Netzwerke nutzen
  • Öl ins Feuer gießen: Wie Rechtsextreme Diskussionen anheizen und eskalieren
  • Ideologie mit Tarnmantel: Über die Verschleierung rechtsextremer Inhalte
  • Zerstören, verdrehen, verwirren: Ein kleiner Ausflug in rechte Rhetorik
  • „Das ist wissenschaftlich bewiesen!“: Falsche Statistiken und fragwürdige Quellen
  • Ist ja nur Spaß …? Humor als rechtsextreme Strategie
  • Rechte Erkennungszeichen: Codes und Symbole richtig deuten

Für Nachfragen:
Alice Lanzke alice.lanzke@amadeu-antonio-stiftung.de

Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.