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Anstieg antisemitischer Gewalttaten um fast 70% – Start der Aktionswochen gegen Antisemitismus

Pressemitteilung der Amadeu Antonio Stiftung
Inland/Antisemitismus

Bundesweit größte Kampagne gegen Antisemitismus gestartet
– Anetta Kahane „Antisemitismus wird wieder salonfähig“
Anstieg antisemitischer Gewalttaten um fast 70%

Die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, warnt davor die Gefahr von Antisemitismus zu unterschätzen.

In diesen Tagen begehen wir den 75. Jahrestag der Novemberpogrome. Es ist sehr notwendig sich zu erinnern was geschehen ist. Aber dabei dürfen wir es nicht belassen. An solchen Gedenktagen ist auch ein Blick in die Gegenwart wichtig. Wir erleben derzeit einen starken Anstieg beim Antisemitismus und niemanden scheint das richtig zu stören.

Laut Bundesministerium des Innern sind im Jahr 2012 antisemitische Gewalttaten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um fast 70% gestiegen. Im ersten Halbjahr 2013 ist diese Zahl erneut um über 20% gestiegen. Somit gab es in den ersten sechs Monaten diesen Jahres schon genauso viele antisemitische Gewalttaten wie im ganzen Jahr 2011.

Trotz des relativ niedrigen Ausgangsniveaus an Gewalttaten in 2011 macht mir die Entwicklung große Sorgen,

so Kahane.

Ursächlich für den Anstieg antisemitischer Gewalttaten sind nach Meinung von Kahane auch die teils antisemitisch geführten Debatten der letzten Monate:

Antisemitismus wird wieder salonfähig. Daher muss klar gesagt werden: Wer sich antisemitisch äußert, der nimmt zumindest billigend in Kauf, dass Menschen sich legitimiert fühlen Juden körperlich anzugreifen,

so Kahane.

In diesem Zuge begrüßte sie die Verurteilung von israelbezogenem Antisemitismus durch Bundeskanzlerin Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft.

Den klaren Worten müssen Taten folgen, die Bekämpfung von Antisemitismus und Rechtsextremismus muss eine Priorität der zukünftigen Bundesregierung sein,

sagte Kahane in Berlin anlässlich des Starts der bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus.

Aktionswochen: 170 Organisationen, Schulen, Jugendzentren und jüdische Gemeinden aus 90 Städten in allen Bundesländern mit 380 Veranstaltungen

Rund um den 9. November veranstaltet die Amadeu Antonio Stiftung bereits zum 11. Mal die bundesweiten „Aktionswochen gegen Antisemitismus“. Sie will damit das Gedenken an die Novemberpogrome, die sich dieser Tage zum 75. Mal jähren, mit der Thematisierung von aktuellem Antisemitismus verbinden. Dieses Jahr beteiligen sich über 170 Organisationen, Schulen, Jugendzentren und jüdische Gemeinden aus 90 Städten in allen Bundesländern mit 380 Veranstaltungen an den Aktionswochen. Damit sind sie die bundesweit größte Kampagne gegen Antisemitismus.

Die vielen Kooperationspartner setzen die Aktionswochen lokal um. So finden in Bremen die „Bremer Aktionswochen gegen Antisemitismus“ statt. Dass die in den letzten Wochen in die Kritik geratenen Ultragruppen mitunter sich auch selbstkritisch mit Fanverhalten auseinandersetzen, beweist in diesem Rahmen die Ultragruppe Caillera SV Werder. Am 16. November informiert und diskutiert sie im Bremer Weserstadion über Antisemitismus im Fußball.

Der gesamte Veranstaltungskalender – nach Bundesländern geordnet – und alle Information zu den Aktionswochen gegen Antisemitismus finden sich unter: www.aktionswochen-gegen-antisemitismus.de

Die Aktionswochen gegen Antisemitismus werden im Rahmen des Bundesprogramms „Initiative Demokratie Stärken“ gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Für Rückfragen: Jan Riebe Tel.: 030/240 886 17 E-Mail: jan.riebe@amadeu-antonio-stiftung.de

Quellen für Zahlenangaben zu antisemitischen Gewalttaten : 2011: http://www.petrapau.de/17_bundestag/dok/down/2011_zf_antisemitischen_straftaten.pdf 2012: http://www.petrapau.de/17_bundestag/dok/down/2012_zf_antisemitische_straftaten.pdf 2013: http://www.petrapau.de/17_bundestag/dok/down/2013_zf_antisemitische_straftaten.pdf