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Die Konferenz „connect“ brachte in Berlin Willkommensinitiativen und Selbstorganisationen zusammen

Pressemitteilung der Amadeu Antonio Stiftung Berlin, 26. September 2016

Die Konferenz „connect“ brachte in Berlin Willkommensinitiativen und Selbstorganisationen zusammen

Berlin, 26.09.2016. Am vergangenen Samstag veranstaltete die Amadeu Antonio Stiftung in Berlin eine Konferenz zur aktuellen Integrationsdebatte. Ziel war es, im Austausch zwischen deutschen Willkommensinitiativen und Selbstorganisationen von MigrantInnen bestehende Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Über einhundert Teilnehmende aus den ostdeutschen Bundesländern kamen zusammen, unter ihnen zahlreiche Geflüchtete.

Es wird Zeit, weniger über Werte zu debattieren und mehr über Rechte,

erklärte Professor Dr. Barbara Schäuble von der Alice Salomon Hochschule. Viele Teilnehmende waren sich einig, dass es Möglichkeiten politischer Teilhabe für MigrantInnen geben sollte. So wurde die Forderung laut, das kommunale Wahlrecht für alle Menschen mit Bleiberecht einzuführen. Daneben sollten Menschen mit Migrationsgeschichte auch in Verwaltungen eingestellt werden – als ExpertInnen, die Sprachkompetenzen oder Kenntnisse über Migrationsprozesse mitbringen.

Deutschland braucht eine interkulturelle Öffnung,

erklärte Rita Wiese vom Dachverband der Migrantenorganisationen in Mecklenburg-Vorpommern Migranet MV.

Auf der Konferenz wurde sowohl über Probleme, wie Rassismus und die prekäre Lage von geflüchteten Frauen und Mädchen, als auch Chancen gesprochen. So zeige Selbstorganisation, dass Geflüchtete aktiv für ihre Belange eintreten können. Wie eine solche Selbsthilfe und Integration konkret funktionieren kann, bewiesen teilnehmende Organisationen von Geflüchteten: Women in Exile e.V., Jugendliche ohne Grenzen, international women´s space berlin und Refugees Emancipation e.V. – ein Verein, der seit 14 Jahren in zahlreichen Flüchtlingsunterkünften in Brandenburg Internetcafés betreibt, die von den BewohnerInnen eigenverantwortlich verwaltet werden. Gemeinsam mit deutschen Ehrenamtlichen geben sie in den Cafés Fortbildungen für andere Geflüchtete. So findet ganz praktisch interkulturelle Begegnung statt.

Geflüchtete haben nicht nur eine Stimme, sondern viele und sie haben etwas zu sagen und beizutragen. Es lohnt zuzuhören, in einen Austausch zu treten und auf diese Weise zusammen Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln,

fasst Konferenzkoordinatorin Laura Piotrowski die Erfahrung des Tages zusammen. Auf zivilgesellschaftlicher Ebene konnte „connect“ dazu beitragen, Kontakte zu knüpfen, Netzwerke zu bilden und gemeinschaftliche Projekte ins Auge zu fassen. Im Folgejahr ist eine Anschlusskonferenz geplant.

Zum Hintergrund: Die Amadeu Antonio Stiftung zielt seit 2014 mit ihren Projekten „Willkommenskultur gestalten“ und „Aktion Schutzschild“ darauf ab Menschen in der Flüchtlingsarbeit zu qualifizieren und migrantische Selbstorganisationen zu stärken. Die Konferenz „connect“ wurde von beiden Projekte koordiniert und profitierte so von der gemeinsamen Expertise und den bestehenden Netzwerken. Daneben fördert die Amadeu Antonio Stiftung zahlreiche lokale Initiativen, die Begegnungen, Austausch und gemeinsame Aktionen mit Geflüchteten ermöglichen.