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Living Equality. Gleichwertigkeit leben.

Interventionen gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (2009)

 

Seit über zehn Jahren arbeitet die Amadeu Antonio Stiftung gegen rechtsextreme Gewalt – mit einigen großen und vielen kleinen Erfolgen. Zahlreichen geförderten Initiativen und Projekten ist es gelungen, auf die Gefahr der neonazistischen Durchdringung der Alltagskultur hinzuweisen. Sie haben ihre Kommune sowie die Bürgerinnen und Bürger aufgeweckt und zum Handeln bewegt. Doch ebenso lange stellt sich für uns die Frage, wie wir mit unserer Arbeit eine Prävention gegen Rechtsextremismus erreichen, die nicht allein auf rechtsextreme Gewalt zielt, sondern gleichzeitig Vorurteile und Ressentiments in der Mehrheitsbevölkerung bekämpft und dabei Ideologien der Ungleichwertigkeit wie Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Sexismus, Homophobie, Etabliertenvorrechte oder Feindlichkeit gegenüber Behinderten und Obdachlosen berücksichtigt. Erste Antworten und Projektbeispiele gibt die gerade erschienene Broschüre „Living Euality – Interventionen gegen gruppenbezogene Menschfeindlichkeit“.

Immer wieder haben wir festgestellt, dass wir eigentlich wenig über eine erfolgreiche Prävention und die dazu notwendige Kultur der Veränderung wissen. Bei den Diskussionen darüber, wie die Stiftung weiter an diesem Bereich arbeiten kann, haben wir uns an der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ des Bielefelder Instituts für interdiszipilinäre Konflikt- und Gewaltforschung orientiert. Das Team um Prof. Wilhelm Heitmeyer diskutiert in der Studie eine Frage, die von vielen Menschen verdrängt und eher selten diskutiert wird: Wie feindselig ist die deutsche Gesellschaft gegenüber ethnischen und sozialen Minderheiten eingestellt? Diese feindselige Haltung bezeichnet das Forschungsteam als „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (GMF). Wissenschaftliche Arbeiten erreichen in der Regel nur ein Fachpublikum. Deswegen hat die Amadeu Antonio Stiftung versucht, die Erkenntnisse aus der Langzeitstudie für die Praxis von Projekten und Initiativen nutzbar machen.

Dazu hat die Stiftung mit vielen langjährigen Partnern wie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Regionalen Arbeitsstellen für Demokratie, Jugendarbeit und Schulen, mehreren Landeskoordinationen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem Zentrum Demokratische Kultur, dem Landesverband der Sinti und Roma in Baden-Württemberg und fünfzehn weiteren Partnern den Programm- und Projektverbund „Living Equality – Gleichwertigkeit leben“ gegründet. Wissenschaftlich begleitet wurde er von Prof. Andreas Zick vom Bielefelder Institut für Konflikt- und Gewaltforschung und seiner Kollegin Dr. Beate Küpper, derzeit an der Universität Dresden. Finanzielle und inhaltliche Unterstützung für das Programm erhält die Stiftung durch die Ford Foundation und die Freudenberg Stiftung.

Im Projektverbund haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, mit eigenen Projekten gezielt ein oder mehrere Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu bearbeiten und dafür neue Methoden zu entwickeln. Die Ergebnisse aus den einzelnen Projekten wurden in regelmäßigen Abständen auf einer kollegialen Basis und wissenschaftlich begleitet diskutiert, um aus ihnen heraus einen Rahmen für Interventionen gegen Ungleichwertigkeitsideologien zu entwickeln. Im Zentrum des Interventionsansatzes steht die Orientierung auf Gleichwertigkeit, Partizipation, Integration, Anerkennung und Selbstwirksamkeit. Der Ansatz zielt auf universelle Normen wie die Menschenrechte und bezieht die jeweilige historische und kulturelle Spezifik der Ausformungen einzelner Elemente der GMF ein.

Die deutsch-englische Broschüre stellt auf 64 Seiten neben einführenden Artikeln zum Thema und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung ausgewählte sieben Projekte aus dem kommunalen Raum, Auseinandersetzung mit Geschichte, Schule und Stadtteil, Sport und Herstellung von Handlungskompetenz vor. Insgesamt wurden 22 Projekte im Rahmen von Living Equality gefördert.

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Thema: Allgemein