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Willkommen in PUNK A GONNY!

Auf nach Punk a Gonny ... © EXIL

Am 6. September feiert ein ganz besonderes Theaterstück in Eberswalde Premiere. PUNK A GONNY! ist ein Projekt mit Punkrockern und anderen Alltagsexperten, die anhand einer alten Geschichte von Brecht und mit Mitteln des zeitgenössischen Theaters ihre Lebensrealität beleuchten. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt das Projekt mit einer finanziellen Förderung.

Die Story:

Drei Gauner gründen eine Stadt, in der alles anders laufen soll. Damit wollen die drei den großen Reibach machen. Es läuft auch recht gut… es ist friedlich, es gibt gut zu essen und zu trinken, reiche Männer ziehen zu… die Goldgräber / Holzfäller aus Alaska kommen und bringen ihr Geld in die Stadt. Sie haben lange und schwer gearbeitet in einer anderen Zeit, in einer anderen Gegend.
Es läuft gut bis die Sehnsucht hervorbricht, die Sehnsucht nach Spannung, Aufregung, nach Abgründigem, nach mehr…. einer der reichen Zugezogenen tickt aus, ein Sturm , der Taifun, kommt und bringt alles durcheinander. Oder letztlich wieder in Ordnung, in die gute alte Ordnung, in der das Fressen, das Ficken, das Saufen und Spielen den gesamten Lebensinhalt bestimmen. Es kommt zu einer Eskapade, einem Rausch, in der einer der Männer zur Höchstform der Euphorie aufläuft und alle einlädt, wobei er sich übernimmt. Aber: ohne Geld bist du ein Nichts in unserer Welt. Und so wird letztlich der rebellierende anarchische Held, der alle aus der großen Langeweile erweckt hat, zum Tode verurteilt, weil er seine Schnapsrechnung nicht mehr bezahlen kann…

Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?

Diese Geschichte dient als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle. Punkrockern aus Eberswalde treten als Experten der Rebellion auf die Bühne des öffentlichen Raums.
Die wirtschaftliche Entwicklung hat die ehemaligen Industriearbeiter in Eberswalde abgehängt. Die erwachsenen Kinder dieser Arbeiter pflegen den Habitus ihrer Eltern, ohne jemals so wie diese gearbeitet zu haben. Ausdruck ihrer Herkunft ist ihre subkulturelle Zugehörigkeit, die voll ist von Anlehnungen an das Proletariat.
Andererseits gibt es eine sich neu entwickelnde Bürgerschaft und die alten Kleinbürger, die sich in der Provinz einkuscheln: sie wollen, dass alles so bleibt wie es ist – mit geschönter Fassade. Jimmy, der Held aus Mahagonny, würde in die manchmal entstehende Idylle hineinrufen: „Hier gefällt es mir nicht! Denn hier ist nichts los!“ Genau dies rufen die Punkrocker in Eberswalde.

Seit 1996 belebt die Eberswalder Punkrockszene zwei erhaltene Baracken eines ehemaligen KZ Außenlagers. Die Leute verstanden es diesen Ort, der nun als EXIL bekannt ist, nicht nur als neue „Wagenburg“ zu erobern, sondern nahmen dessen Geschichte in die Nutzung und dessen Präsentation nach Außen auf. Neben einem reichen Kulturangebot mit Konzerten, Partys und Theater werden antirassistische Workshops angeboten. Das EXIL ist auch ein Ort der Erinnerung mit einer Ausstellung. Und man lädt regelmäßig neue Künstler ein, hier neue Akzente zu setzen.

Ziel des Projektes ist die Öffnung der eigenen Gruppe der Punkrocker für andere gesellschaftliche Gruppen der Stadt und eine künstlerische Reflexion über die eigene Identität und Wünsche an das Leben. Toleranz und Respekt füreinander sind dabei die zugrunde liegenden Werte. Erfahrungsgemäß erhalten sich sowohl die Proben als auch die Aufführungen solcher Projekte über lange Zeit in der Erinnerung der Menschen eines Stadtteils. Menschen knüpfen neue Kontakte. Zuschauer reden noch Jahre später über die Aufführungen und lernen ihre Nachbarn mit neuem Respekt kennen.

Das EXIL ist ein Klub in der brandenburgischen Kleinstadt Eberswalde zu unterstützen, der eine wichtige Alternative zur rechtslastigen Jugend- und Subkultur darstellt. Seit der Namensgeber der Stiftung, Amadeu Antonio Kiowa, hier 1990 als eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung starb, hat der Klub wesentlich zu einer demokratischen Alltagskultur beigetragen.

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Sie sind in Sachsen aufgewachsen, aber ihr Leben hat sie an andere Orte geführt. Es treibt sie um, dass rassistische…