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Rassismus in Sachsen – mehr als organisierte Neonazis

Ein Abschiebegefängnis, Foto: Marek Peters


Am 23. März stellt das Antidiskriminierungsbüro Sachsen seine Broschüre „Rassismus in Sachsen“ vor. Rassismus hat unterschiedliche Facetten und Erscheinungsformen – auch jenseits organisierter Neonazisstrukturen. Die Amadeu Antonio Stiftung fördert die Broschüre.

„Rassismus ist ein weiter gehendes Problem“, sagt Sotiria Midelia vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB). „Staatliches und zivilgesellschaftliches Augenmerk richtet sich vor allem auf die Bedrohung von Neonazis“. Diese Bedrohung zu problematisieren sei natürlich wichtig. „Doch Alltagsrassismus in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt oder in Behörden ist zu selten Thema oder wird gar tabuisiert“, so Midelia weiter.

Zentrale Anlaufstelle bei Diskriminierung

Das ADB ist zentrale Anlaufstelle für von Diskriminierung Betroffene in Sachsen. Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von rassistischen oder ethnischen Zuschreibungen, des Geschlechts, der sexuellen Identität, einer Behinderung, des Lebensalters und der Religion bzw. Weltanschauung stehen dabei im Fokus des ADB. Damit ist es bundesweit die einzige Anlaufstelle, die sich mit allen diesen Diskriminierungstatbeständen beschäftigt. Das ADB bietet dazu beispielsweise Seminare zum Antidiskriminierungsrecht bis hin zu Workshops über Strategien gegen Mobbing an. Wichtig ist in der konkreten Arbeit vor allem, Betroffenen zeitnah und direkt durch Einzelfallhilfe mit professioneller Beratung, emotionaler Unterstützung und Stärkung des Selbsthilfepotentials beizustehen. Neben dieser Arbeit organisiert das ADB Informationsveranstaltungen und Tagungen in Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Antidiskriminierungsinitiativen. Außerdem veröffentlicht es thematisches Aufklärungs- und Informationsmaterial.

„Nicht scheuen, Missstände zu benennen“

In diesen letzten Bereich fällt die Broschüre zu „Rassismus in Sachsen“. Darin werden unterschiedliche Felder, in denen Rassismus auftaucht, beleuchtet: von politischer Teilhabe über Asyl und Aufenthalt bis hin zu Gesundheitsversorgung und Sport. Erfahrungen vieler Initiativen und Projekte, wie zum Beispiel der Opferberatungsstelle der RAA Leipzig oder der Gruppe „Abschiebehaft“ im Flüchtlingsrat, sind in der Broschüre zusammengetragen. „In Sachsen fallen Schlagworte wie ‚Demokratie’, ‚Toleranz’ und ‚Weltoffenheit’“, so Midelia. Das sei auch gut und wichtig. „Nur darf man sich nicht scheuen, die Missstände zu benennen, die der Entfaltung dieser Leitwerte entgegenstehen“, erklärt Midelia. Das ADB benennt die Situation von Alltagsrassismus und –diskriminierung, fundiert sie durch die Argumentation von antirassistischen Initiativen und macht sie vor allem bekannt. Damit wird die Aufmerksamkeit für alltägliche Diskriminierung gestärkt und Impulse zur Verbesserung der Situation gesetzt. Diese fundierte Broschüre ist eine gute Grundlage für die Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen und für die Entwicklung von strukturellen Veränderungen in Sachsen. Deshalb fördert sie die Amadeu Antonio Stiftung. Am 23. März um 10 Uhr lädt das ADB zum Pressegespräch zu „Alltagsrassismus in Sachsen“ nach Leipzig in die Kochstraße 14 ein.

Von Nora Winter

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