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#saytheirnames

Am Abend des 19. Februar 2020 verübte der Rechtsterrorist Tobias Rathjen einen rassistisch motivierten Anschlag in Hanau, bei dem zehn Menschen ermordet wurden: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes K., Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Gabriele Rathjen, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Der Anschlag von Hanau hat bundesweit Entsetzen, Trauer und Solidarität hervorgerufen. Etwa 6.000 Menschen folgten dem Aufruf „Solidarität statt Spaltung“ und demonstrierten am Samstag nach der Tat in Hanau gegen Rassismus und Menschenverachtung. In vielen weiteren deutschen Städten kam es zu Kundgebungen und Demonstrationen.

Die Opfer wurden nicht zufällig ausgewählt, sondern wegen ihrer realen oder vermeintlichen Migrationsgeschichte. Hinter den Namen stehen individuelle Schicksale, Geschichten und Biografien. Unter dem Motto #saytheirnames wird eine Erinnerung an die grausame Tat gefordert, die die Opfer als Menschen sichtbar macht, statt den Täter in den Vordergrund zu rücken.

Gökhan Gültekin stammte aus einer kurdischen Familie und war 37 Jahre, als er ermordet wurde. In Hanau wurde er ein „bunter Hund“ genannt. Sein Vater sagte, er sei „der Besonnene und Fleißige in der Familie gewesen“. Gökhan Gültekin arbeitete in einem Café-Kiosk in Kesselstadt. Er stand kurz vor einer Verlobung.

Der 30-jährige Sedat Gürbüz war der Besitzer der Shisha-Bar Midnight, dem ersten Tatort des Anschlags. Ein guter Freund nennt ihn einen „geliebten Bruder. Er hat immer gelacht, konnte keiner Fliege etwas zuleide tun“.

Said Nessar Hashemi, 22 Jahre alt, war gelernter Maschinen- und Anlagenführer. Er wollte im kommenden Jahr eine Weiterbildung zum Techniker abschließen. Seine Schwester sagte über ihn: „Hanau war seine Heimat. Er hat hier Familie und Freunde. Er war immer glücklich gewesen und war immer für Menschen da, die seine Hilfe benötigt haben.“

Die 35-jährige Romni Mercedes K. war Mutter zweier Kinder und wird als Frau mit starker Persönlichkeit beschrieben. „Sie war sehr offen und sympathisch. Man hat sich in ihrer Nähe sofort wohlgefühlt“, sagte ihre Freundin Jade M. Mercedes K. arbeitet am Abend des 19. Februar in der Arena Bar.

Hamza Kurtović war mit gerade einmal 20 Jahren das jüngste Opfer des Anschlags. Seine Familie stammt aus dem bosnischen Prijeder. Er hatte kurz vor der Tat seine Berufsausbildung abgeschlossen und war gerade ins Berufsleben eingestiegen.

Vili Viorel Păun starb im Alter von 23 Jahren. Als 16-jähriger kam er von Rumänien nach Deutschland, da seine Mutter krank war und sich dort behandeln lassen wollte. Er arbeitete für eine Kurierfirma.

Der 34-jährige Fatih Saraçoğlu lebte noch nicht lange in Hanau. Er zog aus Regensburg dorthin, um sich selbstständig zu machen. Ein Freund der Familie sagte: „Das sind ganz freundliche, zurückhaltende Menschen. Fatih hatte hier noch viele Freunde“.

Ferhat Unvar hatte kurdische Wurzeln und war 22 Jahre alt. Seine Familie beschreibt ihn als Menschen mit vielen Träumen und Ideen. Er hatte gerade seine Lehre als Heizungs- und Gasinstallateur abgeschlossen und war dabei, eine eigene Firma zu gründen. Er wollte „dafür sorgen, dass es uns allen zu Hause gut geht und warm ist“, sagte sein Cousin Aydin Yilmaz. Er sei ein lebenslustiger Mensch gewesen, der immer gelacht habe. In der Arena Bar hat er sich häufig mit Freund*innen getroffen – so auch am Mittwochabend.

Der 33-jährige Kaloyan Velkov lebte erst seit zwei Jahren in Deutschland. Er war Wirt der Bar La Vorte neben der Shishabar Midnight und wollte seine Familie in Bulgarien durch seine Arbeit finanziell unterstützen. Kaloyan Velkov hinterlässt einen siebenjährigen Sohn.

Gabriele Rathjen war die Mutter des Täters Tobias Rathjen und Hausfrau. Sie starb im Alter von 72 Jahren. Ob der Täter auch sie aufgrund eines rechtsextremen Motivs ermordete, lässt sich gegenwärtig nicht sicher sagen. Sie wurde jedoch im unmittelbaren Zusammenhang des rechtsextremen Anschlags ermordet und wird deshalb als Todesopfer rechter Gewalt geführt.

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