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»Systematisches Desinteresse«

Anlässlich der morgen stattfindenden NEBA-Konferenz „Antisemitismus heute – Erfassen, Erforschen, Bekämpfen“ veröffentlicht die Amadeu Antonio Stiftung ein kritisches Positionspapier zu der Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« des Zentrums für Antisemitismusforschung.

Die Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« des Zentrums für Antisemitismusforschung interpretiert sehr einseitig die eigene Empirie und relativiert heutigen Antisemitismus. Dass nicht-jüdische Wissenschaftler_innen Jüdinnen und Juden unterstellen, Antisemitismus zu dramatisieren, ist nicht neu. Derartige Debatten gab es bereits in der frühen Bundesrepublik. Das aktuelle Papier erinnert somit beispielsweise auch an die Auseinandersetzung um Daniel Goldhagens Buch »Hitlers willige Vollstrecker«.

Autor: Daniel Poensgen

Ein angetrunkener und leicht verletzter Mann betritt im April 2014 einen Berliner Kiosk. Er ruft »Union, Union, Union!« und fragt aggressiv den Kiosk-Verkäufer, den der Beobachter dieser Szene als Vietnamesen vorstellt, ob er eine Krankenschwester in der Familie habe. Einen ebenfalls Anwesenden fährt er an: »Willst Du mir helfen oder bist Du ein Jude?« Als der Angesprochene sich gegen diesen Ausfall verwehrt, bekommt er zur Antwort: »Scheiß Israel«.

Diese Begebenheit steht am Beginn der Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin« des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA). Im Rahmen dieser Studie wurden Interviews mit 29 Akteuren, die in Berlin auf unterschiedliche Weise mit dem Themenfeld Antisemitismus befasst sind, ausgewertet sowie publizierte Dokumente dieser Akteure analysiert. Was sind nun die Fragestellungen des ZfA-Papiers?

Für die Autoren, Michael Kohlstruck und Peter Ullrich, wirft beispielsweise die eingangs beschriebene Situation eine Reihe von Problemen auf: »Was verbindet dieser Mann [gemeint ist der Union-Fan, D.P.] mit Jüdinnen und Juden? Woher kommt seine aggressive Ablehnung? Ist sie Ausdruck eines antisemitischen Weltbildes oder Teil eines allgemeineren Rassismus, eine Provokationsstrategie oder der vermeintlich erfolgsversprechende Versuch eines situativen Bündnisses ‚unter Männern‘? Welche Gefahr geht von der Person aus? Folgt aus der feindseligen Einstellung womöglich die Neigung zu tätlichen An- oder Übegriffen? (…) Wir können die Fragen für diese konkrete Person nicht beantworten.« (S.16)
Was hier noch in einer langen Aneinanderreihung offener Fragen aufgeworfen wird, werden die Autoren im Rahmen ihrer Studie bald anhand anderer Situationen einer letztlich vereindeutigenden Analyse unterziehen. Manifeste antisemitische Inhalte werden einer vermeintlich wissenschaftlich-objektiven, tatsächlich jedoch spekulativen Interpretation unterzogen, die in der Regel vor allem eines nahelegt: Antisemitische Motivationen liegen nicht vor.

Im Folgenden wird zunächst auf die Rezeption der Studie eingegangen. Daran anschliessend werden das methodische Vorgehen der Autoren beleuchtet und beispielhaft einige vertretene Thesen, Argumentationen und Ergebnisse vorgestellt. Im Zuge dessen formulieren wir Kritiken am Vorgehen der Autoren. Diese beziehen sich zentral darauf, dass eigene Vorannahmen an das empirische Material herangetragen werden und als »die richtigen Antworten« stehen bleiben. Auf diese Weise vermitteln die Autoren den Eindruck, Antisemitismus sei als gesellschaftliches Problem weniger relevant als andere Ideologien der Ungleichwertigkeit.

»Systematisches Desinteresse an der Fragestellung« – Zur Rezeption der Studie

Die Vorstellung von »Antisemitismus als Problem und Symbol« im Januar 2015 stieß auf ein großes Medien-Echo. Die Zahl antisemitischer Angriffe und Beleidigungen sei laut Studie deutlich höher als aus öffentlichen Statistiken hervorginge, konstatierten beispielsweise die taz und die Süddeutsche Zeitung. »Jeder hat seine eigenen Zahlen« kritisierte die Berliner Zeitung in Einklang mit den Ergebnissen der Studie von Michael Kohlstruck und Peter Ullrich, »Was gilt in Deutschland als Antisemitismus?« fasste der Tagesspiegel das Anliegen der Autoren zusammen. Doch nach diesen ersten, durchaus positiven Reaktionen wurde bald auch Kritik laut: Das American Jewish Committee (AJC) veröffentlichte einen ausführlichen Text mit dem Titel »Antisemitismus im Deutungskampf«, in dem es unter anderem heißt: »Statt eine detaillierte Analyse antisemitischer Vorfälle und entsprechender Handlungsstrategien vorzunehmen, verschiebt die Studie ihren Schwerpunkt auf eine grundlegende Kritik an der Bekämpfung des Antisemitismus und verkennt dabei die Gefahren des Antisemitismus für die Demokratie und die Sicherheit jüdischen Lebens.«

Die Antwort der Autoren vom ZfA ließ nicht lange auf sich warten. In einer »Stellungnahme zur Kritik des AJC« vom 12. Februar bescheinigen sie gemeinsam mit dem Projektleiter Werner Bergmann und der Leiterin des ZfA, Stefanie Schüler-Springorum, dem AJC ein »systematisches Desinteresse für die Fragestellung der Untersuchung«. Zu sehen sei dies beispielhaft an der Kritik, Vorfälle des Sommers 2014 nicht berücksichtigt zu haben. Diese würden jedoch schlicht aus dem Untersuchungszeitraum von 2010 bis 2013 herausfallen. Man habe außerdem den Anspruch gehabt, so die Wissenschaftler_innen weiter, mit einer »Beobachtung der Beobachter« zu zeigen, wie aktuell in Berlin über Antisemitismus diskutiert werde. »Insgesamt liegt der Kritik des AJC ein ungenügendes Verständnis der Unterschiedlichkeit der Aufgaben und Funktionsweisen von politischen Akteuren und wissenschaftlicher Forschung zugrunde.«

Indem das ZfA schulmeisterlich den Kritiker_innen die Note »ungenügend« verpasst, vergibt es leider auch die Chance, die eigene Arbeit kritisch zu reflektieren – eine Forderung, die man in besagter Studie noch als allgemeine Empfehlung ausgesprochen hatte. Dabei hat das Institut die ungenaue Lesart der Studie selbst mitzuverantworten. So schreibt die Leiterin, Stefanie Schüler-Springorum, in Hinblick auf den Untersuchungszeitraum und -raum noch in ihrem Vorwort: »[D]ie Ereignisse des Berliner Sommers [2014, D.P.] bestätigen die Ergebnisse dieser Studie bis ins Detail«, es werde klar, »dass die Ergebnisse von Michael Kohlstruck und Peter Ullrich in ihrer grundsätzlichen Bedeutung weit über Berlin hinausreichen« (S. 10). Die Autoren selbst verwenden in der Studie an unterschiedlichen Stellen Beispiele außerhalb ihres Untersuchungszeitraums, wenn sie davon ausgehen, dass diese ihre Argumentation stützen (vgl. z.B. S. 16; S. 23; S. 84).

Beispielhaft wird hier bereits deutlich: Die Studie selbst nimmt ihr eigentliches Anliegen, eine »Beobachtung der Beobachter« in Berlin zu sein, nicht ernst. In den Worten von Kohlstruck und Ullrich ließe sich fast schon von einem »systematischen Desinteresse« an der eigenen Empirie und Methode sprechen. Dem Ansinnen der Autoren, sich selbst als wissenschaftlich-neutrale Fachleute über eine vermeintlich rein politisch motivierte Kritik zu stellen, muss somit nach einer eingehenden Lektüre der Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« widersprochen werden.

»Der pessimistische Typ neigt mehr zu einer dramatisierenden Sicht« – Jüdinnen und Juden als betroffene Expert_innen?

Der TuS Makkabi Berlin e.V. ist ein Sportverein wie viele andere auch. Als solcher veröffentlicht er jedes Jahr einen Jahresbericht – »Makkabi InAction«. Hier erfahren Mitglieder und andere Interessierte, was sich im vergangenen Jahr im Vereinsleben zugetragen hat: So wird die Fußball-Herbstmeisterschaft der Senioren wohlwollend kommentiert, der Erfolg der »Mini-Makkabinhos« vorgestellt und die U14-Meisterschaft im Schach gefeiert. Gleichzeitig unterscheidet sich Makkabi Berlin jedoch auch von den meisten anderen Sportvereinen: Es handelt sich um einen Ortsverein von Makkabi e.V., dem jüdischen Turn- und Sportverband in Deutschland.

Im Jahresbericht von 2012 findet sich neben den üblichen Erfolgsmeldungen auch ein Artikel, der sich unter dem Titel »Antisemitismus im Berliner Fußball« zunächst mit antisemitischen Vorkommnissen rund um das Spiel gegen den BSV Hürtürkel vom 21. Spieltag beschäftigt: »Was sich während der Partie auf und neben dem Spielfeld verbal abspielte, mussten wir leider machtlos und fassungslos miterleben. So wurden unsere Spieler und Offiziellen, sowie unsere Trainer permanent sowohl von Zuschauern, als auch seitens der Bank der Gastgeber beschimpft und beleidigt. Und was sich unsere Männer auch von manch ihrer Gegenspieler auf dem Spielfeld haben anhören müssen, spottet jeder Beschreibung. Dies setzte sich sogar nach Spielende auf dem Weg zur Kabine weiter fort.« Der Text schildert dann die Sportgerichtsverfahren, die der Verein im Anschluss einleitete, um schließlich auf den antisemitischen Überfall auf den Rabbiner Daniel Alter einzugehen, der im August 2013 zusammengeschlagen worden war: »Eine feige Tat brutalsten Ausmaßes. Als Zeichen der Loyalität und des Glaubensbekenntnisses lief die Herrenmannschaft in Begleitung einiger Jugendspieler des TuS Makkabi am darauffolgenden Spieltag mit einer Kippa auf das Spielfeld, ehe sich die Kinder mit einem angereisten Rabbiner unterhalten konnten.«

Auch die Autoren der Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« haben den Jahresbericht des TuS Makkabi gelesen. »Makkabi InAction« wird in der Studie zitiert und dabei wie folgt kommentiert: »Charakteristisch für die jüdische Perspektive ist, dass einzelne Vorkommnisse von herausragender symbolischer Bedeutung im Zentrum der eigenen Bedrohungswahrnehmung stehen. Dies gilt insbesondere für den Überfall auf Rabbi Daniel Alter oder – im Fall des TUS [sic] Makkabi (in Publikationen und mündlichen Darstellungen) – für das erwähnte Skandalspiel gegen Hürtürkel im Jahr 2012. Diesen Ereignissen wird ein emblematischer Charakter zuerkannt und sie werden als typisch präsentiert. Nicht immer erfolgt eine detaillierte Beschreibung tatsächlich vergleichbarer weiterer Ereignisse. Daraus lässt sich möglicherweise schlussfolgern, dass es sich bei den emblematischen Vorfällen weniger um typische handelt, als vielmehr um besonders zugespitzte Vorkommnisse, in denen sich eine Grundwahrnehmung von (potenzieller) Bedrohung mit einem extremen und ängstigenden Realisierungsszenario und verschiedenen kleineren Vorkommnissen verbindet.« (S.43f.)

Was in der Beschreibung des Späti-Vorfalls nur angedeutet wird, wird hier durchgeführt: Eine mögliche Schlussfolgerung wird expliziert, andere nicht. Diese Interpretation ergibt sich nicht unmittelbar aus dem empirischen Material, sondern ist vielmehr eine mögliche Schlussfolgerung unter vielen. Die kritische Feststellung, es folge nicht immer eine Beschreibung vergleichbarer Ereignisse, bezieht sich auf den oben beschriebenen Artikel im Jahresbericht eines Sportvereines. In ihm werden konkrete Erfahrungen und Aktivitäten von Vereinsmitgliedern beschrieben, Schilderungen der Selbstbehauptung aus einer Betroffenen-Perspektive. Er hat keinesfalls den Anspruch, eine wissenschaftliche oder gar umfassende Beschreibung von Antisemitismus im Berliner Fußball zu liefern. Die Forderung, die an das Dokument herangetragen wird, ähnliche Vorfälle darzustellen und die Ereignisse breiter zu kontextualisieren, geht am Gegenstand vorbei: Es handelt sich ja um einen konkreten Erfahrungsbericht. Kontext und Inhalt des Textes werden ignoriert, um so für eine »pessimistische Postion«, die mit großen Überschneidungen zu einer »jüdischen Sicht« beschrieben wird, schlussfolgern zu können, insbesondere Jüdinnen und Juden hätten eine Neigung zur Dramatisierung (vgl. S. 47), ihre Perspektive sei »von stark generalisierendem Charakter« (S. 46).

Der unempathische Umgang mit Personen, die von Antisemitismus betroffen sind, zeigt sich hier exemplarisch, es ließen sich jedoch verschiedene weitere Beispiele anführen. Stark wertende Zuschreibungen der Autoren und die den Gegenstand verfehlende Kritik werden auch durch methodische Fehler ermöglicht. Anspruch der ZfA-Studie ist es, eine »Beobachtung der Beobachter/innen« (S.20) durch »leitfaden-gestützte qualitative Expert/inneninterviews« (S.28) nach Hopf und Meuser/Nagel durchzuführen. Hierzu werden drei Akteursgruppen interviewt und ihnen zuordenbare Dokumente ausgewertet: »Staatliche Akteure, jüdische Organisationen und Freie Träger bzw. NGOs mit Bildungsangeboten, die sich zwischen 2010 und 2013 in Berlin in besonderer Weise mit dem Thema Antisemitismusmus befasst haben« (S.12). Die Akteure werden also auf unterschiedlichen kategorialen Ebenen voneinander unterschieden: Weder bei den freien Trägern und NGOs noch bei den staatlichen Akteuren ist schließlich etwas über deren Konfession oder Gruppenzugehörigkeit gesagt, während die dritte Akteursgruppe ausschließlich hierüber als »jüdisch« definiert wird. Erklärt wird dies so: »Zu Typ 2 wurden jüdische Organisationen einschließlich jüdischer Schulen gerechnet, die potentiell von Antisemitismus Betroffene repräsentieren« (S.28). Aus dieser Bestimmung ergäbe sich nun logisch eine Kategorisierung, die auf unterschiedliche Momente von Erfahrung rekurriert: Akteure, die sich als unmittelbar Betroffene »in besonderer Weise mit dem Thema Antisemitismus befasst haben«, werden von solchen, die dies nicht aus dieser Perspektive tun, unterschieden und in Analyse und Darstellung der Studie voneinander getrennt. Doch dies geschieht nicht. Der gewichtige Unterschied im Verhältnis der Akteure zum Antisemitismus wird zwar als Typus eingeführt, jedoch reflektieren die Autoren die sich hieraus ergebenen Konsequenzen nicht. Aus Aktiven eines jüdischen Sportvereins werden Expert_innen für Antisemitismus, nicht, um ihren Aussagen besonderes Gewicht beizumessen und ihnen als Betroffenen besonderes Gehör zu verschaffen, sondern um in ihren Schilderungen einen (vermeintlich) unzureichenden Begriff von Antisemitismus oder fehlende Kontextualisierungen feststellen zu können. Schließlich stellen Kohlstruck und Ullrich einer als »jüdischen« und »pessimistischen« vorgestellten Sichtweise einen Typ von »abwägenden, vorsichtigeren oder komplexeren Einschätzungen« i.d.R. nicht-jüdischer Expert_innen entgegen (vgl. S. 47).

Dass dieses Vorgehen der ZfA-Studie methodisch nicht korrekt ist, lässt sich auch an der gewählten Methode der Datenerhebung ablesen. Beruht die Studie auf dem Expert_innen-Interview nach Meuser/Nagel, legen diese in den in der Studie zitierten Texten ausführlich dar, dass Betroffene gar nicht als »Expert_in-nen« im Sinne ihrer Methode zu verstehen seien. Sie sind somit auch mit einem anderen Interviewtypus, nämlich dem biografisch-narrativen, zu befragen: »Dem Verfahren des Experteninterviews liegt mithin ein enger Expertenbegriff zugrunde, der sich deutlich von jenem inflationären Begriffsgebrauch unterscheidet, der – mit der Figur des ‚Experten für das eigene Leben‘ – virtuell jede Person zum Experten macht und damit keine Unterscheidung mehr ermöglicht zwischen einem biografischen und einem Experten-interview. Das Experteninterview zielt auf den Wissensvorsprung, der aus der privilegierten Position des Experten in einem Funktionskontext resultiert.«

An dieser Trennung festzuhalten ist keine wissenschaftliche Fingerübung, sondern äußerst relevant: Jüdinnen und Juden, die sich nicht durch eine professionelle Tätigkeit wie der Arbeit für eine NGO oder im wissenschaftlichen Betrieb mit Antisemitismus ausei-nandersetzen, erwerben ihr Wissen über Antisemitismus nicht aus einer praktischen Tätigkeit oder theoretischen Beschäftigung heraus, sondern aufgrund der konkreten oder vermittelten Erfahrung von gegen sie als Jüdinnen und Juden gerichteten Ressentiments. Der Unterschied ist gravierend: Irrt ein Experte oder eine Expertin im jeweiligen Wissen über Antisemitismus, müssen er oder sie ein Bildungskonzept, eine Statistik oder einen wissenschaftlichen Text überarbeiten. Irren von Antisemitismus betroffene Jüdinnen und Juden in ihrer Einschätzung zum Vorhandensein und Ausmaß von Antisemitismus, kann das weitrei-chende Folgen für ihre physische und psychische Unversehrtheit haben.

Diesen Unterschied übersieht die ZfA-Studie trotz der Vielzahl expliziter Hinweise in der von ihr verwendeten Literatur zum Expert_innen-Interview. Das systematische Desinteresse an der eigenen Empirie und Methode zeigt sich aber auch am Umgang mit je-nen Interviewpartner_innen, die zurecht als (jüdische oder nicht-jüdische) Expert_innen befragt wurden.

»Es ist aber anzunehmen« – der Umgang mit den Interviews

Nach der Auswahl der Akteure und der Durchführung der Expert_innen-Interviews stellt sich für die Studie auch die Frage nach der Art und Weise, wie die Gespräche ausgewertet wurden. Kohlstruck und Ullrich betonen: »Die allermeisten Kategorien wurden im inhaltsanalytischen Auswertungsprozess aus dem Material selbst generiert (open coding); andere ergaben sich direkt aus den Fragestellungen des Projek-tes« (S. 29). Beim Lesen der Studie drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass zumindest die Darstellung der Muster, die man aus den Interviews herausgearbeitet hat, eher den Vorannahmen der Autoren als dem Inhalt der ausgewerteten Interviews und Dokumente geschuldet ist. Diese Vorannahmen werden von Beginn an »in Rechnung gestellt« (S.12), sie bilden den »Analyserahmen« (S. 79) der Untersuchung: Aus einer »Beobachtung der Beobachter« (S.20) wird deren Interpretation und Kritik unter bestimmten Prämissen. Dass diese Interpretation ihrem Gegenstand nicht gerecht wird und vielmehr eigene Positionen mit Hilfe der Expert_innen-Interviews illustriert werden sollen, zeigt sich an in der Darstellung fehlenden Belegen, dem Verzicht auf Quantifizierungen, der starken Wertung und sofortigen Interpretation von der eigenen Position widersprechenden Textstellen und dem fragwürdigen Umgang mit einigen ausführlich zitierten Interviewsequenzen.

An verschiedenen Stellen verzichten die Autoren vollständig auf empirische Belege für ihre Thesen. Werden beispielsweise aus den Interviews sieben »speziellere Kontext- und Milieubezüge« (S.53) her-ausgearbeitet und ausführlich expliziert, werden diese mit lediglich drei Interview-Stellen belegt (Vgl. S. 54f.). Somit sind die beobachteten Topoi und die sofort an diese herangetragenen Deutungen durch die Leser_innen nicht nachprüfbar. An anderer Stelle werden pädagogische Projekte ohne konkrete Belege nach abstrakten Annahmen kritisiert, ohne dass die Projekte überhaupt untersucht wurden: das Design der Studie sieht eine solche Untersuchung auch gar nicht vor (vgl. S. 69f.). Dass deutsch-israelische Begegnungsprojekte jugendliche Teilnehmer_innen im Hinblick auf das Verhältnis deutscher Juden zu Israel »intelektuell leicht überfordern können« (S. 70), bleibt so reine Mutmaßung der Autoren.

Auf Quantifizierungen verzichten Kohlstruck und Ullrich in der Regel, wenn erfolgen diese unbestimmt durch Attributierungen wie »meist«, »häufig«, »fast immer«, »in einigen Interviews«, usw. Ist dies grundsätzlich legitim – es handelt sich ja um eine qualitative Studie – wird durch die Darstellung im Interviewmaterial nur vereinzelt auftretenden Positionen ein wesentlich größerer Stellenwert eingeräumt als weit verbreiteten Argumentationen. So findet sich unter den ausgewerteten Interviews nur eines, in dem der Standpunkt vertreten wird, Antisemitismus nehme »in Bezug auf die Gesamtlage« ab, »ein erheblicher Teil des Diskurses sieht jedoch vor allem negative Tendenzen« (S. 47). Werden letztere nur kurz zusammenfassend erwähnt, wird jene Ausnahme mit einer Sequenz ausführlich zitiert, die »vor einer Überschätzung der Virulenz antisemitischer Phänomene« warnt (ebd.). Durch die fehlenden Quantifizierungen können die Autoren zudem Schlussfolgerungen ziehen, die bei genauer Lektüre der Studie zumindest zu relativieren sind. So betonen die Autoren auch in Interviews über die Studie mehrfach, dass bei vielen Akteuren eine »grundsätzliche Unsicherheit in der be-grifflichen Bestimmung von Antisemitismus« (S. 48) herrsche. Gleichzeitig räumen Kohlstruck und Ullrich aber ein, dass das Fehlen einer expliziten Antisemitismusdefinition für Akteure der Praxis »nicht per se problematisch« (S.49) ist, wichtiger seien Referenz-konzepte (S.49f.). Anders als in der Besprechung und Zusammenfassung der Studie nahegelegt, geht aus ihr jedoch hervor, dass bei mehr als 19 von 29 Interviewpartner_innen ein wissenschaftliches Referenzkon-zept vorliegt (Vgl. S. 50f.), von einer »grundsätzlichen Unsicherheit« kann also höchstens bei einem kleinen Teil die Rede sein.

Starke Wertungen von aus Interviews zitierten Posi-tionen, mit denen die Autoren nicht übereinstimmen, gehen mit einer sofortigen Interpretation im Sinne der Autoren einher: So werden beispielsweise Unsicherheiten der Polizei in der Einschätzung, was sie als antisemitisch zu werten haben, unmittelbar kommentiert: »Zwei Beispiele werden im Interview als Grenzfälle genannt, bei denen man genau überlegen müsse, ob sie als antisemitisch zu klassifizieren seien: ein den Hitlergruß zeigender Palästinenser und der Ruf: ‚Juden raus aus Israel‘.« (S.33) Hierzu heißt es in einer anschließenden Anmerkung: »Dies wurde nicht näher begründet, es ist aber anzunehmen, dass der Bezug zum Nahostkonflikt auch die strategische Verwendung abwertender Redeweisen ohne antisemitische Gesinnung als Deutung nahelegt.« (ebd.; Vgl. auch S. 41)

Die Autoren plausibiliseren an dieser Stelle also die Annahme, dass die judenfeindlichen Aussagen im Kontext des Nahostkonfliktes geäußert werden, ohne dass es sich dabei um einen Ausdruck antisemitischer Einstellungen der Sprechenden handelt. Kritisch ist hierbei, dass die Autoren mit den gemeinten Personen nicht gesprochen haben. Sie können somit über deren Motivationen und Einstellungen gar keine Aussagen treffen. Das empirische Ereignis liegt ihnen lediglich vermittelt über die interviewten Polizist_innen vor, über deren Wahrnehmung sich auch Aussagen treffen ließen. Dies ist hier aber nicht der Fall. Die Autoren betonen vielmehr eine von vielen möglichen Lesarten, die ihre eigene These stützt: Antisemitische Motivationen spielen eine kleinere Rolle als weithin angenommen. Andere, sich eher auf den manifesten Inhalt der Äußerungen beziehende Deutungen, die dieser These widersprechen, werden nicht ausgeführt. In diesen Kommentierungen zeigt sich bereits ein Muster, auf das noch einzugehen sein wird.

Doch auch ausführlich zitierte Interviewsequenzen dienen vor allem dazu, eigene Thesen zu untermauern, auch wenn das empirische Material dies nicht oder nur bedingt hergibt. Dies sei an einem Beispiel ausgeführt, die Vorgehensweise zieht sich jedoch durch den gesamten Text: Eine zentrale Vorannahme der Autoren ist die vom »Exzeptionalismus«. Dieser Begriff, der in der Antisemitismusforschung jenseits der Arbeiten von Ullrich nicht diskutiert wird, meint eine ‚Besonderung‘ des Antisemitismus, beispielsweise im Verhältnis zu anderen Diskriminierungspraxen. Aus diesem Exzeptionalismus ergeben sich laut den Autoren Probleme wie eine selektive Wahrnehmung oder die »Mystifizierung« von Antisemitismus (S. 53). Dass dies bei den befragten Akteuren eine Rolle spiele, versuchen die Autoren mit einigen Interviewpassagen zu zeigen, von denen hier eine genannt werden soll: »…Wir sind uns schon dessen bewusst, dass Antisemitismus nochmal was ganz besonderes ist, zum Beispiel in Abgrenzung zu Rassismus.« (S.53) Hier endet das Zitat. An einer anderen Stelle der Studie findet sich jedoch ein längerer Auszug: »…zum Beispiel in Abgrenzung zu Rassismus. Aber wenn man jetzt von der Lebenswelt der Jugendlichen ausgeht, und an die wollen wir mit unserer pädagogischen Arbeit ja anknüpfen, dann glaube ich, ist es wichtig, sich dieser theoretischen Diskurse bewusst zu sein. Aber in der Auseinandersetzung mit den Jugendlichen sind sie, glaube ich, führen sie nicht so viel weiter. Weil die Jugendlichen nehmen dann in ihrer Umgebung eben auch Homophobie und Islamfeindschaft und Se-xismus und andere Ausgrenzungsformen wahr. Und dann aus einer pädagogischen Perspektive zu sagen, das interessiert uns nicht, weil wir reden hier jetzt nur über Antisemitismus, ist glaube ich ein pädagogischer Ansatz, den wir als sehr schwierig und auch nicht als zielführend sehen würden.« (S.63) Die an das Interview herangetragene These, durch einen »Exzeptionalismus« werden die Expert_innen »betriebsblind« (S.81), wie es in der Zusammenfassung heißt, trifft ihren Gegenstand nicht. Zumindest aus diesem Interview wird eine Stelle so herausgenommen, dass sie die Vorannahmen von Kohlstruck und Ullrich zu bestätigen scheint, in einem größeren Zusammenhang betrachtet kehrt sich dieser Eindruck jedoch in das Gegenteil um.

Durch fehlende Belege und Quantifizierungen, durch eine unmittelbare Wertung und Interpretation sowie durch einen fragwürdigen Umgang mit Interviewpassagen erwecken die Autoren den Eindruck, ihre im zweiten Kapitel explizierten Vorannahmen fänden sich im empirischen Material bestätigt. Bei näherer Betrachtung gilt dies für viele Vorannahmen nur eingeschränkt. Soll dieser »analytische Rahmen«, der dem Material »in Rechnung gestellt« wird, an dieser Stelle nicht inhaltlich kritisiert werden, sei jedoch da-rauf verwiesen, dass in der wissenschaftlichen Antisemitismusforschung die ihn ausmachenden Konzepte nur sehr vereinzelt vertreten werden. So verweisen die Autoren zu deren Untermauerung dann auch vor allem auf sich selbst: Die Arbeiten von Peter Ullrich werden in der Studie beispielsweise 26 mal zitiert.

Vom Diskurs über Antisemitismus »quasi erschlagen«

In der Studie »Antisemitismus als Problem und Sym-bol« werden unter den geäußerten Positionen der Akteure, die sich in Berlin mit Antisemitismus befassen, auch »komplexere Einschätzungen« (S.47) identifiziert: Als abwägende Positionen verstehen die Autoren solche, die »Antisemitismus einerseits als relevantes Problem thematisieren, es aber – anders als die pessimistischen Positionen – stärker in ein Gesamtbild einbetten und somit nicht im negativen Sinne relativieren, sondern in Relation setzen.« (Hervorhebungen im Original, S. 46) Zu dieser abwägenden Position wird als zweiter von vier Bestandteilen die Kontextualisierung gezählt. Als gelungenes Beispiel hierfür wird folgende Kontextualisierung des Umstands, dass jüdische Kinder aufgrund der Erfahrung von oder Furcht vor antisemitischen Übergriffen an eine jüdi-sche Schule wechseln, angeführt: »Aus Schulen wurde berichtet, dass es im Falle von Schulwechseln sehr un-terschiedliche Wahrnehmungen zwischen Eltern und beteiligten Schulen geben kann, ob Verhaltensauffälligkeiten des Kindes oder die Zugehörigkeit zum Judentum ausschlaggebend für Konflikte waren.« (ebd.) Der Kontext, in dem an dieser Stelle antisemitische Äußerungen betrachtet werden sollen, ist also das nicht näher bestimmte, aber auffällige Verhalten des jüdischen Kindes. Bemerkenswert ist die Wahl dieses Beispiels auch, weil auf eine Kommentierung oder kritische Kontextualisierung verzichtet wird: Schließlich haben Schulen ja möglicherweise ein Interesse daran, antisemitische Vorkommnisse eher kleinzureden als zu skandalisieren. Wenn jedoch Akteure, die gegen Antisemitismus engagiert sind, dessen nach wie vor hohe Relevanz betonen, schieben Kohlstruck und Ullrich unmittelbar hinterher, dass diese Einschätzung sich aus dem Diskurs über Antisemitismus und den Voraussetzungen der eigenen Arbeit ergeben (vgl. S.45).

Hier zeigt sich ein generelles Muster der ZfA-Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol«: Durch die Interpretation und Kommentierung von Interviewsequenzen und in den Interviews geschilderten Ereignissen wird der Eindruck nahegelegt, das Ausmaß von Antisemitismus »als Problem«, d.h. seine Manifestation in Äußerungen, Gewalt oder einem allgemeinen Bedrohungsszenario für Jüdinnen und Juden, sei zu relativieren. Der anti-antisemitische »Diskurs« jedoch, also beispielsweise die strikte Verurteilung antisemitischer Taten oder die Debatte darüber, was als antisemitisch zu gelten habe und was nicht, sei zutiefst problematisch. Deutlich wird die Relativierung z.B. bei der Erläuterung eines weiteren Bestandteils der »abwägenden Positionen«: Diese würden Antisemitismus mit anderen, »als verwandt wahrgenommenen Phänomenen« (S.46) vergleichen, die »eine größere Rolle für die eigene Arbeit spielten«. In einer Anmerkung wird diese Aussage generalisiert und behauptet, beispielsweise die Mitte-Studien würden jene Sichtweise stützen: Antisemitismus sei »weniger stark verbreitet als fast alle anderen Dimension des Ungleichwertigkeitssyndroms« (ebd.). So werde beispielsweise in einer Studie Antisemitismus für 8,5% der Bevölkerung konstatiert, Ausländerfeindlichkeit jedoch für 25,1%. Hier interpretieren die Autoren die zitierten Studien jedoch falsch: Da die verschiedenen Dimensionen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit mit unterschiedlichen, nämlich »härteren« und »weicheren« Aussagen geprüft werden, ist ein quantitativer Vergleich zwischen den Dimensionen gar nicht möglich. So schreiben beispielsweise die Autoren der Studie »Die Abwertung der Anderen«, die im Hinblick auf unsere Frage vergleichbar mit dem Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit arbeitet: »Besonders wichtig ist uns der Hinweis, dass sich das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie innerhalb eines Landes nicht miteinander vergleichen lässt. Die einzelnen Vorurteile wurden mit jeweils unterschiedlichen Indikatoren erfasst, deren Aussagen in Thematik, Wortwahl, Direkt-heit und Schärfe verschieden sind. Wir können somit feststellen, ob beispielsweise der Antisemitismus in Italien oder Portugal ein größeres Ausmaß annimmt, allerdings nichts darüber aussagen, ob in Italien mehr Antisemitismus als Islamfeindlichkeit vorherrscht, da beide Vorurteile unterschiedlich gemessen werden.«

Hier zeigt sich in alarmierender Deutlichkeit, dass durch die falsche Rezeption von wissenschaftlichen Studien Annahmen, die sich nicht aus dem Untersuchungsdesign der Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« ergeben, sondern der Empirie sogar widersprechen, plausibilisiert werden: Anders als die Autoren halten ja die meisten Interviewten Antisemitismus für weit verbreitet.

Auch wenn die Autoren Vorkommnisse, die von den in der Studie Befragten als antisemitisch diskutiert werden, kommentieren, ziehen sie oftmals keine antisemitischen Motivationen für die Taten in Betracht. Lieber erwägen sie, dass beispielsweise »Hakenkreuzschmierereien auf einem jüdischen Friedhof« »rein strategisch« (S.33) eingesetzt würden. Dabei muss auch hier wieder festgehalten werden, dass aus dem Design der Studie die Motivation der Täter_innen gar nicht geklärt werden kann: Schließlich werden diese nicht befragt. Die manifesten Inhalte der geschilderten Taten, um eine durchaus sinnvolle Unterscheidung von Ullrich aufzunehmen (S.23), also das Verprügeln eines Israelis (S.84), das Zeigen des Hitler-Grußes, der Ausruf »Juden raus aus Palästina« (s.o.), das antisemitische Mobbing von Schüler_innen (s.o.) treten bei Kohlstruck und Ullrich jedoch zurück zugunsten einer Spekulation über die an dieser Stelle nicht feststellbaren Motive der Täter_innen, die in der Regel zum selben Ergebnis kommt: Eine antisemitische Motivation liegt nicht vor.

Hieraus schließen die Autoren dann jedoch auf ein anderes Problem, dass sie wieder nicht am empirischen Material ihrer Studie festmachen, sondern mit Hilfe der Tagesspiegel-Berichterstattung über einen gewaltsamen Übergriff auf einen Israeli von 2014, also außerhalb des Untersuchungszeitraumes, illust-rieren: »Mit einer gewissen beweispflichtentlastenden Unbekümmertheit scheint das Urteil »Antisemitismus« vergeben werden zu können.« (S.84) Unberechtigte »Antisemitismusvorwürfe« werden als großes Problem vorgestellt: »Dies kann so weit gehen, dass Antisemitismusvorwürfe ohne Substanz in Anschlag gebracht und weit rezipiert werden – mit wiederum beträchtlichen Folgen für Betroffene.« (S.22) In einem Interview mit dem Deutschlandfunk wird Peter Ullrich noch deutlicher: »Ganz zentral für uns ist (…) dass nicht alles, was in diesem breiten Feld passiert, mit einem Begriff quasi erschlagen wird.« Diese drastische Wortwahl – in Anschlag bringen, erschlagen – verweist auf Topoi eines sekundären Antisemitismus, in dem im Zuge einer Täter-Opfer-Umkehr häufig von einer »Moralkeule Auschwitz« oder von der »Antisemitismuskeule« die Rede ist. Anders als von ihr selbst intendiert, zeigt die Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol« des Zentrums für Antisemitismusforschung also dennoch, wie problematisch auch 2015 in Deutschland der Diskurs über Antisemitismus geführt wird.

Fazit

Die Kontroverse, die sich Anfang 2015 um die Studie »Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin« von Michael Kohlstruck und Peter Ullrich entwickelte, lässt sich nicht, wie es eine Stellungnahme des Zentrums für Antisemitismusforschung nahe legt, durch unterschiedliche Funktionsweisen politischer und wissenschaftlicher Akteure erklären. Vielmehr hält die Studie auch einer eher wissenschaftlich angelegten Kritik nicht stand: Von Antisemitismus betroffene Jüdinnen und Juden werden, der eigenen Methode widersprechend, als Expert_innen befragt und kritisiert. Durch fehlende Belege und Quantifizierungen sowie einem fragwürdigen Umgang mit Interviewsequenzen, die teilweise aus ihrem Sinnzusammenhang gerissen werden, versuchen die Autoren, Vorannahmen zu untermauern, auch wenn das empirische Material – Interviews mit 29 Berliner Akteuren der Arbeit gegen Antisemitismus und deren veröffentlichte Dokumente – diese nicht bestätigt. Durch diese Herangehensweise und die zum Teil fehlerhafte Rezeption wissenschaftlicher Studien wird u.a. der Eindruck erweckt, Antisemitismus sei weniger verbreitet und gesellschaftlich weniger problematisch als andere Ideologien der Ungleichwertigkeit. Mit einer drastischen und problematischen Wortwahl wird hingegen der anti-antisemitische Diskurs kritisiert.

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