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Bernd Köhler

, 55 Jahre (staatlich anerkannt)

In der Nacht zum 22. Juli 2008 wurde der 55-jährige Bernd Köhler in Templin (Brandenburg) von zwei Rechtsextremisten zu Tode geprügelt.

Beschimpfungen und brutale Gewalt gegen das Opfer

Die beiden rechtsextremen Täter Sven P. (18) und Christian W. (21) tranken zuerst mit dem zweifachen Vater, der auch „Stippi“ genannt wurde. Als Bernd Köhler gehen wollte, bedrohten und beschimpften ihn die beiden Neonazis als „Dreckssau“ und „Assi“. Das Opfer versuchte, sich vor den aggressiven Tätern in Sicherheit zu bringen, doch diese schlugen auf ihn ein und nötigten ihn, gemeinsam mit ihnen zu Köhlers Werkstatt zu gehen und ihnen ein Fahrrad zu schenken. Auf dem Weg dorthin wurde Bernd Köhler weiter beschimpft und gedemütigt. Als die drei bei der Werkstatt ankamen, sank Bernd Köhler erschöpft zu Boden. Die beiden Angreifer traten und schlugen brutal auf den wehrlos am Boden liegenden 55-jährigen ein. Bernd Köhler verstarb an den schweren Misshandlungen.

Menschenverachtende Gewalt aufgrund der sozialen Lage von Bernd Köhler

Die Täter töteten Bernd Köhler aus einer Verachtung aufgrund seiner sozialen und gesundheitlichen Situation. Laut dem Landgericht Neuruppin wählten sie ihn als Opfer aus, da sie ihn als „assozial“ eingestuft hätten. Bernd Köhler, der als friedliebend und freundlich beschrieben wurde, hatte in der DDR als Meliorationstechniker und später als Kraftfahrer in einem Getränkekombinat gearbeitet. Nachdem  seinen Führerschein verloren hatte, wurde er ohne Aussicht auf eine feste Stelle arbeitslos und litt an einer Alkoholabhängigkeit.

Richter thematisierte neonazistisches Menschenbild der Täter

Das Landgericht Neuruppin verurteilte Sven P. im Mai 2009 zu zehn Jahren Jugendhaft wegen Mordes, Christian W. erhielt wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen neun Jahre und drei Monate Haft. Der Vorsitzende Richter sagte bei der Urteilsverkündung: „Bei der Wahl des Opfers spielte dessen soziale Stellung als arbeitsloser Alkoholiker, sowie das neonazistische Menschenbild der Angeklagten eine große Rolle.“ Zudem stellte die Strafkammer fest, dass den beiden Angeklagten jedes Mitgefühl fehlte. Im Juli 2010 reduzierte das Landgericht die Haft für Sven P. auf neun Jahre, nachdem der Bundesgerichtshof das Strafmaß beanstandet hatte. Die Richter:innen waren der Ansicht, das Neuruppiner Gericht habe den Tatbeitrag von Christian W. zu gering gewertet. 2015 wurde der damals 25-jährige Sven P. frühzeitig aus der Haft entlassen. Waltraud Krüger, die Schwester des Opfers äußerte ihr Entsetzen darüber, dass einer der Mörder ihres Bruders nun frühzeitig wieder auf freiem Fuß sei, sich jedoch nicht bei den Angehörigen von Bernd Köhler entschuldigt habe.

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