Der 26-jährige Boris Morawek wurde am Abend des 11. Juli 1996 in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei 19- und 22-jährigen Neonazis mit Springerstiefeln und Faustschlägen massiv attackiert, sodass er an den Folgen des Angriffs starb.
Über das Leben von Boris Morawek ist im Grunde nichts bekannt.
Die Tat
Am Abend des 11. Juli 1996 fährt Boris Morawek mit dem Fahrrad zu seiner Stammkneipe am Thälmann-Platz. Am Eingang wird er von zwei stadtbekannten Neonazis abgefangen. Die Männer unterhalten sich, bis der Haupttäter Boris Morawek plötzlich mit einem Bierkrug auf den Kopf schlägt. Dann schlagen und treten die beiden Neonazis auf ihr Opfer ein. Boris Morawek versucht, in die Kneipe zu flüchten, doch der Wirt verwehrt ihm den Zutritt. Einem Passanten, der versucht, in den Gewaltexzess einzugreifen, entgegen die Neonazis, dass Morawek ein Kind missbraucht hätte, während sie ihr Opfer immer weiter malträtieren. Beweise für diesen Vorwurf gibt es nicht. Kurze Zeit später kommen zwei von Zeug*innen alarmierte Polizist*innen zum Geschehen dazu. Doch auch ihre Anwesenheit hindert die beiden Angreifer nicht, von ihrem hilflosen Opfer abzulassen. Obwohl die Neonazis auch ihnen erzählen, dass der Morawek ein „Kinderschänder“ sei, der keine Rechte mehr habe und den sie nun „alle machen“ wollen, schreiten die Polizeibeamt*innen nicht ein.
Erst als wenig später die hinzugerufene Bereitschaftspolizei eintrifft, werden die beiden Täter festgenommen. Boris Morawek liegt bereits regungslos am Boden. Zwei Tage später stirbt er an schweren Kopfverletzungen.
Entpolitisierung der Tat vor Gericht
Als Motivation für ihre Tat gaben die Neonazis vor Gericht an, dass Boris Morawek ein Verhältnis zu der Mutter des Haupttäters gehabt hätte. Morawek lebte bis zu seinem Tod im selben Wohnhaus wie die Frau. Der Neonazi habe ihn daraufhin zur Rede stellen wollen. Im Gerichtsverfahren wurde eine politische Tatmotivation von Beginn an ausgeschlossen. Kinderschutz und der Kampf gegen Kindesmissbrauch zählen damals wie heute zu zentralen Themen, die Rechtsextreme für ihre Ideologie instrumentalisieren.
Das Gericht verurteilte die beiden Täter, trotz ihres rechtsextremen Hintergrunds und der Äußerungen während des Gewaltexzesses, lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Totschlag zu acht Jahren und sechs Monaten bzw. fünf Jahren Freiheitsstrafe. Im Gefängnis erfuhr der Haupttäter für seine Tat breiten Zuspruch. Die Gefängnisleitung ermöglichte sogar, dass er noch während der Haftzeit die Neonazi-Band „Staatssturm“ gründen konnte, mit der er rechtsextreme Songs aufnahm und diese im Internet veröffentlichte. Als er aufgrund seiner Band von der rechtsextremen Zeitschrift „Feuer & Sturm“ nach seinen Wünschen gefragt wird, gibt er „Todesstrafe für Kinderschänder und Drogendealer“ an – eine in der rechtsextremen Szene weit verbreitete Forderung, die der Täter offenbar selbst in die Tat umsetzen wollte.
Keine staatliche Anerkennung, kein Gedenken
Bis heute ist Boris Morawek nicht offiziell als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt. Im Jahr 2014 überprüfte das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern den Fall erneut, allerdings ohne eine nachträgliche Anerkennung. Es gibt kein Gedenken an ihn, nicht einmal ein Foto des Opfers.
