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Gunter Marx

, 42 Jahre

Der Radfahrer Gunter Marx stirbt am 6. August 1994 nachts in Velten (Brandenburg). Vier Jugendliche, die sich in der rechten Szene bewegen, fordern von Gunter Marx Geld. Als er sagt, dass er kein Geld bei sich habe, schlägt ihn einer der Täter vom Fahrad. „Du Schwein hast kein Geld“, beschimpft ihn Maik L. Dann holt er viermal mit einem Radmutterschlüssel aus. Die Schläge zertrümmern Marx Schädeldecke. Der 42-jährige Fahrradfahrer stirbt nach wenigen Minuten. Danach überfällt die Gruppe noch zwei weitere Opfer. Die Polizei findet bei einer Hausdurchsuchung des wegen Körperverletzung an einem Portugiesen mit Haftbefehl gesuchten Maik L., der im Jahr zuvor eine Russin überfallen hatte, unter anderem einen Baseballschläger mit eingeritztem Hakenkreuz und der Aufschrift „Sieg Heil“. Im Mai 1995 wird Maik L. vom Landgericht Neuruppin wegen Mordes und Raub in drei Fällen zu zehn Jahren Jugendhaft verurteilt. Seine Mittäter erhalten wegen schweren Raubes mit Todesfolge Jugendstrafen von zweieinhalb, viereinhalb und sechs Jahren.

Der Mord an Gunter Marx zeigt beispielhaft ein eklatantes Defizit der PMK-rechts Statistik. Da es sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft und des Gerichts vordergründig um einen „Raubüberfall mit Todesfolge“ gehandelt habe, schließen sie eine politisch motivierte Tat aus. Für die Bundesregierung handelt es sich daher nicht um eine Tat des Phänomenbereiches PMK-rechts: Aus dem Erfassungssystem fallen oftmals all jene Tötungsdelikte, bei denen für die Behörden keine „spezifisch“ rechte Opferkategorie erkennbar ist. Dabei verkennen sie jedoch die Tatsache, dass als Raubüberfälle getarnte Delikte durchaus ein politisches Motiv zugrunde liegen kann. Der ideologische Kontext des Täters sollte nicht ignoriert werden, wird doch dadurch die Hemmschwelle zur exzessiven Gewalt an einem Menschen gesenkt.