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Rolf Baginski

, 55 Jahre

In einer Winternacht, am 28. November des Jahres 1991, wurde Mike Baginski beim Verlassen einer Diskothek im thüringischen Nordhausen durch eine Gruppe von drei Neonazis überfallen und brutal zusammengeschlagen. Als er bereits am Boden lag, traten die Rechtsextremen mehrfach mit Stahlkappenschuhen auf seinen Körper und primär seinen Kopf ein.

Rolf Baginski, Mike Baginskis Vater, eilte seinem am Boden liegenden Sohn zur Hilfe, auch auf ihn traten die drei Rechtsextremen ein. Später gestanden die Täter, die beiden Opfer immer und immer wieder in den Bauch und auf den Kopf getreten zu haben. Die drei Täter nahmen dem bereits bewusstlos getretenen Rolf Baginski die Jacke ab, seinem Sohn die Hose und die Schuhe.

Beide Opfer wurden lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus eingeliefert, sind ab diesem Zeitpunkt, aufgrund bleibender Schäden, auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Sozialdarwnistisches Motiv nicht gewürdigt

Im Oktober 1992 verurteilte das Landgericht Erfurt den Haupttäter, den damals 17-jährigen Rechtsextremen Michael See, mit dem selbst gewählten Spitznamen „Adolf“, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren in einer Jugendhaftanstalt – u.a. wegen schwerer Körperverletzung. Die ursprüngliche Ermittlungs- und Anklagegrundlage der Staatsanwaltschaft wurde nicht weiterverfolgt: Sie hätte auf versuchten Totschlag gehießen. Obwohl der Haupttäter zu Protokoll gab, die Opfer hätten „wie Assis ausgesehen“ und hätten „einen ungepflegten Eindruck“ gemacht, wurde das sozialdarwinistisch-rechtsextreme Tatmotiv bei der Urteilsfindung nicht berücksichtigt. Medienberichten zufolge schrieb der Täter aus der U-Haft einen Brief, in dem er die Opfer verächtlich als „Slaven“ bezeichnet.

Rolf Baginski starb am 04. September 1997 an den Folgen der Hirnschwellung, die ihm die Täter 1991 durch wiederholte Tritte auf den Kopf zugefügt haben – dies geht aus dem Bericht des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag hervor.

Mike Baginski ist bis heute auf Betreuung angewiesen

Mike Baginski arbeitet heute in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Er ist bis zum heutigen Tage traumatisiert und auf die Betreuung durch Dritte angewiesen, leidet an einer psychischen Behinderung. Ein Vertrauter aus seinem Umfeld teilt uns mit, dass er in sich zurückgezogen sei, jedoch gelegentlich durch die Wahrnehmung sportlicher Angebote „aus sich herauskommt“. Doch was von allen Betreuer*innen und vertrauten Personen betont wird, ist, dass Mike Baginski die Chance auf ein normales Leben in der Nacht der Tat genommen wurde, dass  er den Angriff, seine Folgen und dem Tod seines Vaters nie verarbeitet hat.  Auch Mike Baginskis Mutter und Rolf Baginskis Frau hat sich nie von diesem Ereignis erholt: Nicht von dem Tag, an dem Rechtsextremisten ihren Mann und ihren Sohn fast zu Tode geprügelt hätten und auch nicht von dem Tag, an dem ihr Mann an den Folgen der schwersten Verletzungen verstorben ist.

Einige Tage vor der Tat vom 28. November 1991 war einer der drei Täter an der Gründung der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) beteiligt. Michael See, nach seiner Heirat Michael von Dolsperg, wurde in der Haft vom Verfassungsschutz als V-Mann rekrutiert und ist weiterhin einer der aktivsten Neonazis in der Thüringer rechtsextremen Szene. Er war später u.a. an der Gründung von Organisationen wie der der „Kameradschaft Leinfelde“ und der „Aktion Volkswille“ beteiligt.

 

 

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