Weiter zum Inhalt

Şahin Çalışır

, 20 Jahre

Der aus der Türkei stammende Şahin Çalışır stirbt am frühen Morgen des 27. Dezember 1992 auf der Autobahn 52 bei Meerbusch (Nordrhein-Westfalen). Klaus E., ein polizeibekannter rechter Hooligan aus Solingen, hatte ihn zuvor mit seinem Wagen verfolgt und gerammt. Der 20-jährige Çalışır und zwei türkische Begleiter flüchten aus Angst auf die Straße. Şahin Çalışır wird von einem Auto erfasst. Das Schöffengericht Neuss kann kein rassistisches Motiv für die Verfolgungsjagd erkennen. Es verurteilt den 23-jährigen Klaus E. im Oktober 1993 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu 15 Monaten Haft. Aus dem Gefängnis schreibt Klaus E. über den Toten: „Das mit dem Herumlaufen hat sich für ihn erledigt.“ Der Beifahrer von E. war als Ordner für die rechtsextreme „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ tätig.

Am 27. Dezember 2020, dem 28. Todestag von Şahin Çalışır, fand zum ersten Mal eine öffentliche Gedenkveranstaltung vor dem Amtsgericht in Neuss statt. Orhan Çalışır bezeichnet in seiner Rede das Amtsgericht Neuss als ‚zweiten Tatort‘, da in dem Gerichtsverfahren das politische Motiv der Tat nicht erkannt und behandelt wurde. So fanden Briefe des Angeklagten aus der Haft mit Aussagen zur Einordnung der Tat als rechtsextreme und rassistische keinen Eingang in das Verfahren. Zudem kritisiert Orhan Çalışır, dass die Täter in dem Gerichtsverfahren durch die Haltung des Staatsanwalts einen „sehr gewichtigen Verteidiger“ hatten.

In Erinnerung an den Ermordeten wurde das Gedenken sowie ein Gespräch mit Orhan Çalışır, dem Cousin von Şahin Çalışır, als Kurzfilm im Januar 2021 veröffentlicht.

 

 

 

 

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.