Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Neuerscheinung

Weiblich, bewegt, extrem rechts: von „besorgten Müttern“ und Pandemieleugner:innen

Sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der medialen und wissenschaftlichen Behandlung von Rechtsextremismus, spielen Frauen als extrem rechte Akteur:innen nach wie vor kaum eine Rolle. Dass auch Frauen nicht nur menschenverachtende und demokratiefeindliche Ideologien vertreten, sondern auch vor rechtsterroristischen Gewalttaten nicht zurückschrecken, ist aber spätestens seit dem NSU-Prozess und der anschließenden Verurteilung von Beate Zschäpe deutlich geworden. Dennoch wird ihnen noch immer nicht dieselbe Aufmerksamkeit zuteil, wie männlichen extrem rechten Akteuren.

Durch die doppelte Unsichtbarkeit von Frauen im Rechtsextremismus, also ihrer Wahrnehmung als generell weniger gewalttätig, politisch uninteressiert und die daraus folgende Möglichkeit unentdeckter zu agieren, werden sie von außen häufig nicht als ernstzunehmende Akteure des Rechtsaußenspektrums wahrgenommen oder ignoriert. Frauen kommen in extrem rechten Gruppierungen oder Bewegungen aber gerade bestimmte Rollen zu, die als speziell weiblich verstanden werden. Gerade auf der Aktionsebene ist eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zu erkennen.  „Geschlecht“ wird also folglich zur Umsetzung extrem rechter Ziele instrumentalisiert und etablierte Bilder von Weiblichkeit strategisch genutzt, um die eigene rechtsextreme Weltanschauung zu transportieren.

Ausdifferenzierung (geschlechter-)politischer Positionen der extremen Rechten

Gerade im Rahmen der sogenannten „Corona-Demos“, die ein breites Spektrum rechtskonservativer bis extrem rechter Gruppierungen zusammen auf die Straße brachten, gingen vermehrt Frauen auf die Straße – auch in NRW. Die Broschüre „Weiblich, bewegt, extrem rechts. Frauen, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen“ identifiziert die im Rechtsextremismus etablierten, starren Geschlechterrollen, die Frauen dort zuteilwerden: So stellen sich einige als „besorgte Mütter“ dar, die ihre vermeintlich feministischen Anliegen rassistisch instrumentalisieren. Wieder andere präsentieren sich als harmlose spirituell-esoterische Demonstrierende, aber verbreiten antisemitische Verschwörungsideologien. Gerade jüngere Akteur:innen zeigen sich auch hip und modern in den sozialen Medien, während sie gleichzeitig reaktionäre Familienvorstellungen propagieren und Lebensrealitäten, die von der Heteronormativität abweichen, skandalisieren und ablehnen. Die Broschüre zeigt außerdem, dass die verschiedenen Akteure in der extrem rechten Szenen Nordrhein-Westfalens dabei aus verschiedensten Phänomenbereichen kommen: Von den im letzten Jahr aufgekommenen Protesten von Pandemieleugner:innen, den neurechten Identitären, bis hin zu bekannten Holocaust-Leugnerinnen benannt.

Warum NRW?

Als bevölkerungsreichstes Bundesland, vereint Nordrhein-Westfalen sowohl urbane Ballungsräume wie das Ruhrgebiet und die Kölner Metropolregion, als auch den ländlichen Raum, der gut zwei Drittel der Landesfläche umfasst. Die Broschüre bietet somit die Möglichkeit einen umfassenden Einblick in die verschiedenen reaktionären und extrem rechten Bewegungen. Dabei wird erneut deutlich, dass entsprechende demokratiegefährdende Einstellungen ein gesamtdeutsches Problem darstellen und Rechtsextremismus kein spezifisch ostdeutsches Phänomen ist.

Es zeigt sich also, dass die gegenwärtige Ausweitung und Ausdifferenzierung extrem rechter Bewegungen auch mit einer Ausdifferenzierung von Akteur:innen und deren (geschlechter-)politischen Positionen einhergeht. So wird neben den verschiedenen Identifikationsangeboten für Frauen in entsprechenden Gruppierungen, auch die Motivation geklärt, die Frauen dazu veranlasst sich reaktionären oder extrem rechten Bewegungen anzuschließen. Die Nicht-Wahrnehmung von Frauen im Rechtsextremismus verhindert, ihn in seiner Gänze und gesellschaftlich breiten Verankerung zu erkennen. Nur, wenn auch schon bei Mädchen Sympathien für rechtes Gedankengut frühzeitig erkannt werden, kann auch hier erfolgreich präventiv interveniert werden.

Dieser immer noch stark unterbeleuchteten Seite der Rechtsextremismuswahrnehmung nimmt sich die neue Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung an. „Weiblich, bewegt, extrem rechts“ bietet einen aktuellen Überblick über Frauen im Rechtspopulismus und Rechtsextremismus.

 

Weiterlesen

15 Grad Research Chronik
Gefördertes Projekt

Rechtsextremen auf der Spur

Ein sonst idyllischer Landkreis im östlichsten Zipfel Deutschlands: Das sächsische Görlitz ist seit den 1990ern eine rechtsextreme Hochburg. Aber es gibt auch Widerstand durch zivilgesellschaftliches Engagement. Das Projekt 15 Grad Research dokumentiert rechtsextreme Aktivitäten von damals bis heute und wird von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert.

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.