Interview mit dem Alternativen Kultur- und Bildungszentrum e.V. (AKuBiZ)

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
Gefördertes Projekt

Der Comic „Nicht Neues aus Sachsnitz!“

 

Kurz erklärt: Was macht der AKuBIZ e.V.?

Unseren Verein AKuBiz gibt es nun seit 15 Jahren in Pirna. Neben antirassistischer Kulturarbeit ist die lokale Geschichtsarbeit zu einem der Schwerpunkte geworden. Neben geschichtlichen Informationsflyern und Broschüren, haben wir auch eigene Ausstellungen und nun unseren neues Comicprojekt.

Der Comic „Nicht Neues aus Sachsnitz!“ ist das Folgeprojekt Eures ersten Comics „Jetzt re(i)chts ins Sachsnitz!“ – was war Eure Motivation für einen Nachfolger und worum geht es im zweiten Teil?

Der erste Comic entstand 2006 als Reaktion auf zunehmende Übergriffe mit rechter Motivation. Wir wollten Jugendliche für das Thema sensibilisieren und aufzeigen, welche Wege nach so einem Angriff möglich sind. Er sollte aber auch motivieren sich zu vernetzen und rechten Einstellungen entgegenzutreten. Die Idee zum aktuellen Comic entstand mit den Angriffen im Umfeld der vielen Anti-Asyl-Proteste. Sie sind auch das Ergebnis einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die in weiten Teilen gewalttätige Übergriffe auf (vermeintliche) Asylsuchende toleriert. Dies mussten wir besonders in Heidenau oder Freital feststellen.

Was wird im Comic verarbeitet?

Die Geschichte von Tarek entstand vor mehr als 10 Jahren und hatte als Hintergrund reelle Erlebnisse der Opferberatungsstellen. Auch heute ist die Geschichte des zweiten Comics leider bittere Realität. Im Zentrum steht die Gründung einer Bürgerinitiative, die gegen Asylsuchende hetzt. Neben der Oma und dem Verkäufer, die Führungsriege der lokalen Naziszene mittendrin. Das frühere Jugendzentrum wurde geschlossen und im Leben der Jugendlichen ist einiges passiert. Aber wir wollen nicht zu viel verraten. Auch wenn der Name der Kleinstadt Sachsnitz natürlich bewusst auf sächsische Zustände anspielt, wissen wir, dass sich diese Situation in anderen Bundesländern ähnlich darstellt.

Wer hat eigentlich den Comic gezeichnet?

Gezeichnet wurde der Comic von unserem Freund Torte (http://tortarts.de). Der Görlitzer Künstler hat sich auch in der Vergangenheit immer wieder mit dem Thema befasst und war auch für die Opferberatungsstellen aktiv. Ohne ihn würde es den Comic (zumindest nicht in der Qualität) geben. Deshalb bedanken wir uns auch noch einmal bei ihm. Neben ihm waren es vor allem Crowdfunding-Plattform startnext, der Hans-Böckler-Solifonds und die Amadeu-Antonio-Stiftung, mit deren Unterstützung der Comic am Ende fertiggestellt werden konnte. Nun kann er in einer Auflage von 20.000 Stück kostenfrei verteilt werden.

Wo kann der Comic eingesetzt werden? Ist er speziell für den Einsatz in der Schule oder für die offene Jugendarbeit gemacht worden?

Der Comic kann überall dort eingesetzt werden, wo Menschen Interesse haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir wissen beispielsweise vom Einsatz unseres Comics einer ultra Gruppe im Fußball-Stadion und haben bereits positive Rückmeldungen aus der Comic-Szene erhalten. Am Ende des Comics bieten wir mit einigen Fragen die Möglichkeit in Diskussionen einzusteigen. Dies ist sicher für Schulen eine gute Variante. Im Mittelteil gibt es diesmal einen Faktenteil zu Flucht und Migration, im hinteren Teil kurze Infoblöcke zu Themen wie „Völkische Ideologie“ oder „Meinungsfreiheit“.

Wie würdet Ihr die aktuelle gesellschaftliche Situation in Pirna und Sachsen beschreiben und welche Auswirkungen hat das auf Eure Arbeit?
Die Situation im Landkreis und in Sachsen generell ist auf einem konstant schlechtem Niveau. Es gibt da auch wenig schönzureden. Natürlich gibt es Initiativen und Vereine, die sich seit vielen Jahren antirassistisch betätigen. Dennoch erleben wir immer wieder die Behinderung unserer Arbeit durch Politiker_innen. Die Parteizugehörigkeit ist dabei relativ unwichtig. Engstirnigkeit und Abwertungsgedanken ziehen sich leider durch alle Parteien. Es fehlt leider zunehmend an klaren Positionen gegen die Ideologie der Ungleichwertigkeit. Außerdem fehlt es in vielen Gemeinden und Städten an Treffpunkten (Veranstaltungsräumen) für antirassistische Arbeit. Kurzum, es gibt noch viel zu tun. Nach 15 Jahren Vereinsarbeit sind wir allerdings noch nicht müde geworden und werden auch weiterhin aktiv bleiben!

 

Beziehbar bei der K² - Kulturkiste
Kirchgasse 2
01796 Pirna

Nichts Neues aus Sachsnitz!
Herausgeber: AKuBiZ e.V.
Künstlerische Umsetzung: Torte (www.tortarts.de)

 

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