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Antifeministische Vorfälle 2025: Noch aggressiver und gewaltvoller

Die aktuellen Zahlen der Meldestelle Antifeminismus bestätigen, was wir seit Jahren beobachten: Antifeminismus nimmt zu – und er wird aggressiver, organisierter und gewaltvoller. Die dokumentierten Vorfälle sind dabei nur ein Ausschnitt einer Realität, die viele Betroffene täglich erleben. 

Von Selina Alin, Fachreferentin im Projekt Take a Stand Against Antifeminism der Amadeu Antonio Stiftung

Seit 2023 dokumentiert die Meldestelle Antifeminismus antifeministische Vorfälle und Erfahrungen mit antifeministisch motivierten Angriffen und Gewalttaten. Ziel ist es, Betroffenenerfahrungen und damit verknüpfte gesellschaftliche Entwicklungen systematisch sichtbar zu machen. Damit ergänzt die Meldestelle kriminologische Zahlen zu Gewalt und Kriminalität.

Bei ihrem Start im Jahr 2023 war die Meldestelle Antifeminismus noch ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung. Anfang 2025 wechselte das Projekt zum Träger Lola für Demokratie e.V. und ist seitdem in die Tätigkeit der dort angesiedelten Zentralen Anlaufstelle und Fachberatung bei organisierter Frauenfeindlichkeit und Antifeminismus (ZAFFA) eingebettet.

Antifeminismus bleibt fluide

Antifeminismus steht nie still. Er durchläuft Metamorphosen: Als organisierte politische Gegenbewegung richtet er sich gegen progressive Forderungen und versucht, gesellschaftliche Fortschritte planvoll rückabzuwickeln. Er tritt als Angriff auf das Engagement, die Sichtbarkeit und die Gleichstellungsvorhaben von Frauen und queeren Personen auf. Diese werden als Feindbilder markiert, in ihrer Identität abgewertet und in ihrem Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit bekämpft. Antifeministische Ausprägungen, Dynamiken, Narrative, Akteursgruppen und Feindbilder verändern sich dynamisch. Umso zentraler ist es, Antifeminismus kontinuierlich zu dokumentieren und betroffenenzentriert auszuwerten. Die Arbeit der Meldestelle hilft dabei, einen systematischen Überblick zu gewinnen, um Muster zu erkennen, aktuelle Dynamiken zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Sie schafft eine Grundlage, um politische, zivilgesellschaftliche und individuelle Gegenstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

Die Ergebnisse im Lagebild Antifeminismus 2025 [Link führt direkt zum PDF] verdeutlichen, was wir seit Jahren wissen und beobachten: Antifeminismus ist kein Randphänomen, sondern durchdringt alle Bereiche des Lebens. Dabei richtet sich Antifeminismus gegen feministische, gleichstellungspolitische und queere Sichtbarkeit, und gegen zivilgesellschaftliches Engagement. Besonders in Verbindung mit Rechtsextremismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien stellt Antifeminismus eine zentrale Bedrohung für eine vielfältige demokratische Gesellschaft und die Sicherheit vieler Menschen dar. Es ist daher elementar, Antifeminismus entschlossen entgegenzutreten, über aktuelle Erscheinungsformen aufzuklären und ihm auch durch politische Maßnahmen zu begegnen.

Anstieg der Meldungen setzt sich fort

Für das Jahr 2025 wurden 640 Vorfälle als antifeministisch eingestuft. Damit setzt sich der Trend steigender Meldungen fort: Von 2023 auf 2024 stieg die Zahl der Meldungen um 50 Prozent, von 2024 auf 2025 noch einmal um knapp 15 Prozent – von 558 auf 640 Vorfälle. Dabei wird in den erfassten Meldungen nach wie vor nur ein Teil eines vermutlich sehr viel größeren Dunkelfeldes abgebildet. Der erneute Anstieg verweist dennoch auf die hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas und auf eine zunehmende Sichtbarkeit antifeministischer Angriffe.

Ausschnitt aus dem Lagebild Antifeminismus 2025 des Lola für Demokratie e.V.

Antifeministische Angriffe werden aggressiver und gewaltvoller

Die 2025 bei der Meldestelle Antifeminismus erfassten Angriffsformen und -kontexte machen einen deutlichen Trend sichtbar: Antifeminismus äußert sich zunehmend in aggressiven Übergriffen und Gewalt und auch die Meldungen verbaler Übergriffe und Beleidigungen haben sich 2025 mit 204 Fällen im Vergleich zu 2024 verdoppelt.

Wie bereits 2024 wurden erneut 11 geplante und/oder umgesetzte antifeministische Anschläge erfasst. Dabei handelte es sich vor allem um Brandstiftungen sowie um Angriffe mit Waffen gegen queere zivilgesellschaftliche Organisationen und, gleichstellungspolitisch engagierte Personen. Auch CSDs waren im Jahr 2025 Ziel von Gewalt und Terrorandrohungen. Die Datenlage weist darauf hin, dass sich 2025 nicht nur die Zahl antifeministischer Angriffe erhöht hat, sondern auch die Gewaltbereitschaft hinter den Taten.

Ein Drittel der Meldungen betrifft den digitalen Raum

Ein Drittel aller Meldungen entfällt auf den digitalen Raum. Dieser ist ein zentraler Ort antifeministischer Gewalt, etwa in Form von Hate Speech, bildbasierter Gewalt, organisierter Hetze und der Verbreitung antifeministischer Inhalte. Gleichzeitig ist der digitale Raum relevant für antifeministische Vernetzung, Mobilisierung und Radikalisierung.

Mit dem Aufkommen KI-gestützter Anwendungen haben sich die Möglichkeiten digitaler Gewaltformen erheblich erweitert. Insbesondere bildbasierte Gewalt, etwa durch die Erstellung und Verbreitung nicht einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes, ermöglicht neue Formen der Herabwürdigung, Einschüchterung und öffentlichen Bloßstellung von Frauen. Die Bedeutung dieses Phänomens reicht dabei über die individuelle Ebene hinaus. Bildbasierte Gewalt ist Ausdruck eines antifeministischen Kontrollanspruchs, der sich gegen die Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Frauen sowie queeren Personen richtet. Inhalte können in kurzer Zeit massenhaft produziert, verbreitet und dauerhaft verfügbar gemacht werden, wodurch sich das Schadenspotenzial für Betroffene erheblich vergrößert. Politisch ergibt sich daraus die Notwendigkeit, bildbasierte Gewalt als eigenständige Form geschlechtsspezifischer und antifeministischer Gewalt ernst zu nehmen und durch verschiedene Maßnahmen zu bekämpfen.

Höchststand bei Angriffen auf zivilgesellschaftliche Institutionen und Einzelpersonen

Besonders alarmierend ist laut der Meldestelle Antifeminismus der Höchststand an Angriffen auf zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen: 2025 wurden 169 entsprechende Vorfälle gemeldet. Betroffen waren unter anderem Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Freizeitvereine, Bildungs- und Kulturprojekte, Frauenverbände, Gewaltschutzeinrichtungen sowie gleichstellungspolitische Verbände. Wer sich für Gleichstellung, feministische Anliegen oder queere Rechte einsetzt, gerät zunehmend ins Visier. Antifeministische Angriffe zielen nicht nur auf einzelne Menschen – sie richten sich gegen demokratische Zivilgesellschaft insgesamt. Sie sollen einschüchtern, delegitimieren und Engagement verdrängen.

Das Lagebild macht deutlich, wie stark Antifeminismus und geschlechtsspezifische Gewalt miteinander verflochten sind. Einerseits greifen antifeministische Akteur*innen Strukturen des Gewaltschutzes gezielt an und nutzen geschlechtsspezifische Gewalt und Drohung als Angriffsmittel. Andererseits ist Antifeminismus gesellschaftliche Grundlage geschlechtsspezifischer Gewalt und begünstigt durch die Verbreitung patriarchaler, misogyner und queerfeindlicher Inhalte ihre Entstehung.

Antifeminismus setzt zivilgesellschaftliches Engagement unter Druck

Die Meldungen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass antifeministische Angriffe für viele Engagierte längst keine Ausnahme mehr sind. Von Gleichstellungsarbeit über Bildungs- und Kulturarbeit bis hin zu Gewaltschutz, queerer Selbstorganisation und feministischer Öffentlichkeit, gehört die Bedrohung durch Anfeindungen, Einschüchterung und Gewalt inzwischen für viele zum Alltag. Wie stark Gleichstellungsarbeit strukturell unter Beschuss steht, zeigt auch unsere Handreichung zu antifeministischen Angriffen auf kommunale Frauen- und Gleichstellungsarbeit. Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Gleichstellung (BAG) wurden Befragungen, Interviews und Praxiserfahrungen genutzt, um Angriffsmuster genauer zu analysieren und Handlungsstrategien gegen Angriffe zu entwickeln.

Antifeministische Angriffe treffen demokratische Zivilgesellschaft insgesamt. Sie sollen Räume verengen und Menschen davon abhalten, sich öffentlich zu äußern oder sich politisch zu engagieren. Als Antwort braucht es verlässliche Unterstützungsstrukturen, langfristige Finanzierung, Schutzkonzepte und politische Rückendeckung für diejenigen, die besonders häufig zum Ziel antifeministischer Angriffe werden.

Das Lagebild der Meldestelle Antifeminismus macht deutlich: Wer Antifeminismus ernst nimmt, schützt demokratische Teilhabe, engagierte Zivilgesellschaft und die Sicherheit derjenigen, die sich für Gleichstellung, Selbstbestimmung und Menschenrechte einsetzen.

Über die Meldestelle Antifeminismus

Die Meldestelle Antifeminismus dokumentiert seit 2023 antifeministische Vorfälle und Betroffenenerfahrungen. Die Meldungen werden anonymisiert, durchlaufen Verifizierungsverfahren und werden im Anschluss entlang fachlicher Kriterien analysiert. Damit trägt die Meldestelle Antifeminismus dazu bei, das Dunkelfeld antifeministischer Vorfälle auszuleuchten, gesellschaftliche Entwicklungen einzuordnen und basierend auf den Erfahrungen von Betroffenen Grundlagen für wirksame Gegenstrategien und präventive Ansätze zu schaffen.

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