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Gemeinsam gegen den verschleierten Antisemitismus

Jüdische ZuwanderInnen wollen das öffentliche Gedenken in Magdeburg aktiv mitgestalten. Foto: Ludwig-Philippson-Zentrum.

75 Jahre nach den nationalsozialistischen Novemberpogromen berichten die Medien über aktuelle Studien und über persönliche Erfahrungen der jüdischen Bevölkerung. Die erschreckende Bilanz: der Antisemitismus in Deutschland nimmt wieder stark zu.

Allein 2012 erhöhte sich die Zahl antisemitischer Straftaten um 70 %. Angriffe in der Öffentlichkeit, steigende Kriminalität mit judenfeindlichem Hintergrund sowie antisemitische Debatten in den Medien häufen sich nicht nur, sondern werden von der Mehrheitsgesellschaft stillschweigend mitgetragen. Antisemitische Vorurteile werden so wieder gesellschaftsfähig.

In der Politik wird das Problem jedoch kaum thematisiert. Stattdessen sind es kleine Initiativen aus der Zivilgesellschaft, die sich mit ihrer Arbeit gegen Ausgrenzung und Diskriminierung stellen. So wurde 2003 in Magdeburg, wo es einen hohen Anteil jüdischer ZuwanderInnen gibt, das soziokulturelle Zentrum „Ludwig Philippson“ e. V. gegründet. Besonders engagierte und gut ausgebildeter jüdischer SeniorInnen ergriefen die Initiative und rief die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Einwanderungshintergrund ins Leben. Das Ludwig-Philippson-Zentrum klärt über den Alltag und die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Magdeburg auf und schafft so Verständnis für ihre Religion, Kultur und Kunst.

Die Amadeu Antonio Stiftung fördert den Verein bei dem aktuellen Projekt „Neue jüdische Erinnerungskultur und das heutige Leben von älteren jüdischen ZuwanderInnen in Magdeburg“. Bei diesem Vorhaben sind vor allem ältere zugezogene Menschen, die Schwierigkeiten haben, Kontakte zu knüpfen und deshalb oft am Rande der Gesellschaft leben, angesprochen. Zwar gibt es bereits zahlreiche Integrationsangebote, doch diese sind ausschließlich auf junge Menschen zugeschnitten. Das Zentrum stellt hingegen einen Ort der Reflexion und des Austauschs für alle Generationen dar.

Der Initiative ist es dabei wichtig, das öffentliche Leben in Magdeburg mitzugestalten. Die organisierten Aktivitäten finden deshalb auch außerhalb des Zentrums statt und holen nicht nur die Betroffenen aus ihrer unfreiwilligen Isolation sondern bieten der Magdeburger Bevölkerung die Chance, in direkten Kontakt mit der jüdischen Gemeinschaft zu treten, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und gemeinsam Verständnis füreinander zu schaffen. „Inspiriert von literarischen Erzählungen, tauschen wir unsere Gedanken über die Vergangenheit aus,“ berichtet eine Anwesende der Gesprächskreise. Die neuen Kontakte bereichern den Alltag der Teilnehmenden: „Ich bin überglücklich, dass […] die nette Elena Zeit für mich hat und für meine Sorgen und auch an meinen Erinnerungen interessiert ist.“

Von Heike Ruhl

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