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Rechte Gewalt auf Rekordniveau: Alle 12 Minuten eine rechte Straftat

Die heute vorgestellten Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2025 markieren eine weitere Eskalation: Mit 85.000 Straftaten wurde ein neuer Höchststand erreicht, die Zahl hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Trotz steigender Fallzahlen in anderen Phänomenbereichen entfällt weiterhin mehr als die Hälfte der Taten auf eine rechte Tatmotivation. Die Amadeu Antonio Stiftung warnt vor einem zunehmend enthemmten gesellschaftlichen Klima und einer weiteren Verschärfung rechter Gewalt.

Im Jahr 2025 erfassten die Behörden 42.544 rechtsextreme Straftaten, darunter 1.598 Gewaltdelikte, ein erneuter Anstieg, der sich insbesondere in der zunehmenden Gewalt rund um den Bundestagswahlkampf 2025 zeigt. Auch antisemitisch motivierte Taten erreichen mit 6.548 Straftaten 2025 einen neuen Höchststand. Ein Drittel aller Straftaten, die als Hasskriminalität gelten, beziehen sich damit auf 0,3 % der deutschen Bevölkerung: Jüdinnen*Juden.

Besonders alarmierend ist die massive Zunahme von Angriffen im Kontext von Wahlen – über 14.000 Delikte markieren auch hier ein Zehn-Jahres-Hoch. Wahlen, das Herzstück der Demokratie, werden zunehmend zum Ziel von Gewalt und Einschüchterung. Rechte Gewalt ist zum festen Bestandteil des Wahlkampfs geworden: Angriffe auf Wahlkreisbüros, Attacken auf Wahlkampfhelfer*innen und Gewalt gegen Engagierte zeigen, wie sehr demokratische Beteiligung selbst ins Visier gerät. „Der rechte Straßenterror ist Realität: Wir sehen jedes Jahr neue Rekordzahlen und trotzdem bleibt der politische Aufschrei aus“, sagt Lorenz Blumenthaler, Pressesprecher der Amadeu Antonio Stiftung. „Diese Gewalt wird hingenommen, als wäre sie normal. Das ist brandgefährlich.“

„Die Zahlen bestätigen, was Beratungsstellen seit Langem berichten: Die Gewalt nimmt zu, wird brutaler und die Täter jünger. Hass und Hetze aus rechtsextremen Netzwerken, Kampagnenmedien und der AfD schlagen in reale Gewalt um. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer politischen Radikalisierung“, so Blumenthaler.

Politik bleibt hinter der Realität zurück

Trotz immer neuer Höchststände bleibt eine entschlossene politische Reaktion aus. Statt den Rechtsextremismus als zentrale Gefahr zu behandeln, verfestigt sich ein Gewöhnungseffekt, auch bei antisemitischen Straftaten: „Wer diese Zahlen sieht und nicht handelt, hat das Ausmaß der Bedrohung nicht verstanden oder will es nicht verstehen“, sagt Blumenthaler. „Wir erleben ein politisches Wegschauen und eine organisierte politische Verantwortungsdiffusion. Allein der Anstieg antisemitischer Straftaten ist Ausdruck einer gefährlichen Normalisierung. Dass sich ein Drittel aller Hasskriminalität gegen eine so kleine Minderheit richtet, ist ein untragbarer Skandal. Für Jüdinnen*Juden ist Antisemitismus Alltag geworden und die Politik findet darauf bis heute keine wirksame Antwort.“

Gleichzeitig geraten zivilgesellschaftliche Strukturen unter Druck. Erfolgreiche Präventionsprojekte und Opferberatungsstellen kämpfen mit unsicherer Finanzierung trotz wachsender Bedrohungslage.

„Jedes Jahr wird bei der Vorstellung der Fallzahlen mantraartig betont, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für die innere Sicherheit Deutschlands darstellt. Doch die politischen Antworten bleiben aus. Und nicht nur das: Anstatt in die demokratische Infrastruktur zu investieren, wird genau an der Stelle gekürzt. Ein fatales Signal, wenn man bedenkt, dass sich auch im laufenden Jahr bei den Landtagswahlkämpfen rechte Gewalt weiter zuspitzen wird. Eine ressortübergreifende Strategie von Bund und Ländern ist lange überfällig“, fordert Blumenthaler.

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Interview

Hassgewalt, eine Berliner Realität – Betroffene berichten

Jeden Tag werden in Berlin Personen aus abwertungsideologischen Motiven wie Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus etc. angegriffen oder bedroht. Wer nach einem solchen Gewaltvorfall finanzielle Unterstützung braucht, kann beim Berliner Soforthilfefonds der Amadeu Antonio Stiftung einen Antrag stellen. Esra erzählt, welche Hassgewalt Esra erlebt hat und wie der Fonds half.

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