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Gute Nachrichten

Amadeu Antonio Preis 2019 für Olivia Hyunsin Kim

Mit dem Amadeu Antonio Preis wurden am Abend des 26. November in Eberswalde Künstler*innen ausgezeichnet, die wie es Jo Frank in seiner Festrede zusammenfasste, in besonderer Weise „wehrhafte Kunst“ schaffen: Kunst für Demokratie und Menschenrechte. Die feierliche Preisverleihung im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio ehrte Künstler*innen die sich mutig und kreativ für Diversität einsetzen und sich damit gegen Diskriminierung wenden. Aus 260 Einreichungen wählte eine Jury zuvor sechs Nominierte aus.

 

Der mit 3000 Euro dotierte Hauptreis ging an die Choreografin Olivia Hyunsin Kim und ihr Team ddanddarakim. In ihrer Performance „Miss Yellow and Me – I wanna be a musical“ setzt sich die Künstlerin kritisch mit den Stereotypen asiatischer Frauen auseinander und verwandelt dabei Fremdzuschreibungen in Empowerment. Die Juror*innen hoben bei ihrer Wahl vor allem die Form des virtuos humorvollen Dekonstruierens von Klischees hervor.  Zwei weitere, mit jeweils 1000 Euro dotierte Preise, würdigten die Hip-Hop-Crew BSMG und die Herausgeber*innen des Gedichtbandes „HAYMATLOS“. BSMG oder Black Superman Group, das sind die Rapper Megaloh und Musa, die mit dem Produzenten Ghanaian Stallion auf ihrem Album „Platz an der Sonne“ den Soundtrack zur afrikanischen Selbstermächtigung in Deutschland liefern. Der Gedichtband „Haymatlos“, der von den beiden Nominierten Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan herausgegeben wurde, ist das Produkt eines jungen Netzwerks, das den angestaubten Heimatbegriff durch kritisch-politische postmigrantische Perspektiven erweitert.

Der Jury war deutlich anzumerken, wie schwer ihr dieses Jahr die Auswahl der Preisträger*innen fiel: „Eigentlich hätten alle sechs Nominierten den Preis verdient.“ So bemerkte Jo Frank, dass alle sechs Werke mit ganz unterschiedlichen Mitteln Probleme aufzeigen und Diskurse schaffen. „Wehrhafte Kunst“ meint für den Leiter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks genau das: Räume für marginalisierte zu öffnen und zu verteidigen, sich zu empowern und selbst zu ermächtigen. Es gehe nicht um Kunst, in der Opfer von Diskriminierung fremd zugeschriebene Objekte sind, sondern darum, dass Künstler*innen mit Diskriminierungserfahrungen sich zur Autor*in ihrer eigenen Geschichte machen und damit zu handlungsfähigen Subjekten ihrer eigenen Erzählung, so Anetta Kahane in ihrer Rede.

Olivia Hyunsin Kim / ddanddarakim »MISS YELLOW AND ME – I WANNA BE A MUSICAL«

Olivia Hyunsin Kim und ihr Team ddanddarakim haben genug von stereotypen Rollen, die immer wieder das Narrativ der gehorsamen, stummen & hypersexualisierten asiatischen Frau bedienen. Das Musical MISS YELLOW AND ME verwandelt dieses Othering in Empowerment!

Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan »HAYMATLOS«

HAYMATLOS, herausgegeben von Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan, ist ein Gedichtband & noch viel mehr: Eine Intervention, ein Schutzraum aus Versen, der Sichtbarkeit schafft für Perspektiven von Menschen, die in Deutschland von Rassismus betroffen sind.

BSMG »Platz an der Sonne«

BSMG – das sind die Rapper Megaloh, Musa und Produzent Ghanaian Stallion. Mit Platz an der Sonne liefern sie den Soundtrack zur afrikanischen selbstermächtigung in Deutschland. „Schwarze Künstler sprechen über die Erfahrung mit dem Schwarz sein in Deutschland in Europe“. Die Black Superman Group ist damit mehr als eine Gruppe, sondern mit ihrer Musik Teil der Bewegung einer neuen, selbstbewussten, afropäischen Identität.

Natasha Kelly »Millis Erwachen«

In „Millis Erwachen“ spürt die Künstlerin Natasha Kelly den Kontinuitäten Schwarzer Deutscher Geschichte nach. Basierend auf Interviews Künstler*innen beschäftigt sie die Frage wie ihr Leben in einer weißen Mehrheitsgesellschaft deren Kunst geprägt hat.

Özlem Özgül Dündar »türken, feuer«

Als sich 2015 die Angriffe auf Flüchtlingsheime häufen, kommen für die Autorin Özlem Özgül Dündar Erinnerung an die 90er Jahre und Solingen wieder hoch. Verdrängte Erinnerungen, die sie in ihrem beeindrucken Stück „türken, feuer“ aufarbeitet.

Ebow »KANAK 4 LIFE«

Aus den Alltagserfahrungen von Rassismus und Sexismus etwas Empowerndes schaffen – das ist Rapperin Ebru Düzgün aka Ebow mehr als gelungen. Ihr Album KANAK 4 LIFE feiert migrantische Selbstbehauptung & gibt Kraft – von der Community, für die Community!

Maroula Blades »Fringe«

Maroula Blades Performance »Fringe« geht dahin wo es wehtut: Das Projekt befasst sich mit Rassismus & Identität. Mittels Multimedia Prosa-Lesungen leistet die Künstlerin einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Verständigung.

Außerdem vergab die Lars Day Stiftung im Rahmen des Festakts den mit 3.000 Euro dotierten „Lars Day Preis – Zukunft der Erinnerung“ für Kunstvermittlung und Bildung an die für funk produzierte Kampagne „softie“. Das Projekt ist ein digitaler Ort für die Perspektiven queerfeministischer Jugendlicher auf die NS-Zeit. So setzen sich die Protagonist*innen in einer sehr persönlichen Videoreihe mit der eigenen Familiengeschichte im Nationalsozialismus auseinander. Die Jury ehrte mit dem Preis die beispielgebende Leistung des Projekts, Themen der Gegenwart mit der Erinnerungskultur zusammenzudenken. „Die Demographie unserer Gesellschaft verändert sich. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, das stellt die Erinnerungskultur vor neue spannende Herausforderungen. ’softie‘ stellt sich dieser Aufgabe und ist ein echtes self-empowerment Projekt“, würdigte die Jugendkulturberaterin Ida Schildhauer das Engagement der Macher*innen in ihrer Laudatio.

Die Preiträger*innen des Lars day Preis von der funk Produktion softie.

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