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#BerlinzeigtCURAge

An der Seite von Betroffenen rechter Gewalt

Kampagnenplakat an einer Berliner S-Bahn-Haltestelle

Ein koreanisches Paar wird nachts in der U-Bahn rassistisch beleidigt und angegriffen. Journalist*innen werden aus einer Demonstration gegen die Coronamaßnahmen heraus attackiert. Eine trans* Person wird aus einem fahrenden Auto mit Gegenständen beworfen. Einem 13-jährigen Mädchen wird auf dem Weg nach Hause gewaltsam das Kopftuch heruntergerissen. Vor einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete werden rassistische Parolen gerufen und mit einer Schusswaffe in die Luft geschossen. Zwei Schüler*innen werden von ihren Mitschüler*innen aus antiziganistischer Motivation beleidigt und geschlagen. Eine als jüdisch wahrgenommene Person wird in Online-Kommentaren mit Bedrohungen adressiert.

All diese Vorfälle ereigneten sich im Jahr 2020 in Berlin. Und es sind nicht die einzigen. Obwohl Berlin zurecht den Ruf einer weltoffenen Stadt genießt, sind auch hier die Zahlen menschenverachtender Angriffe auf einem konstant hohen Niveau. ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, zählt für das Jahr 2020 bisher 259 Gewalttaten mit rechtem Hintergrund in der Hauptstadt.

Mit der Kampagne „BerlinzeigtCURAge“, die bereits zum dritten Mal stattfindet, will der Opferfonds CURA auf die kontinuierliche rechte Gewalt in Berlin reagieren und die Stadtgesellschaft ermutigen, sich in die Lebensrealitäten Betroffener hineinzuversetzen. Insgesamt 16 Kampagnenmotiven zeigen auf, welche Einschränkungen und Ängste Betroffene rechter Gewalt erfahren und erleiden. Die Motive wurden auf Plakate und Postkarten gedruckt und mit der Unterstützung mehrerer Außenwerbefirmen in ganz Berlin verteilt. Die Kampagne findet jedoch nicht nur offline statt, sondern auch online: Aus den Motiven wurden kurze Videoclips produziert, die mit Hintergrundinformationen auf den Social-Media-Kanälen der Amadeu Antonio Stiftung und des Opferfonds CURA ausgespielt werden.

Die Slogans zeigen auf, wie unterschiedlich Berliner*innen die Stadt erleben, zum Beispiel die U-Bahn: Für die Einen der entspannteste Weg durch die Stadt, mit Davidstern-Halskette jeden Tag ein Risiko. Der Weg zur Arbeit: Für die Einen unaufgeregte Routine, die Anderen sind auf alles gefasst. Der Nachtclub: Für die Einen die große Bühne. Die Anderen haben Angst, erkannt zu werden. Die einzelnen Kampagnenmotive greifen konkrete Tatmotive rechter Gewalt, wie Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus, auf.

Rechte Gewalt hat viele Dimensionen, aber entfaltet immer eine fatale Wirkung: Betroffene fühlen sich in öffentlichen Räumen nicht mehr sicher. Denn die Angriffe kommen häufig unvermittelt und sollen eine Botschaft an ganze gesellschaftliche Gruppen senden: Ihr seid hier nicht erwünscht! Das Gefühl, bedroht zu werden, schränkt viele Berliner*innen tagtäglich ein.

„Zum Ende des ‚Corona-Jahres‘ 2020 möchten wir die Aufmerksamkeit besonders auf anti-asiatischen Rassismus und digitale Gewalt lenken“, erklärt Sarah Haupenthal, Leiterin des Opferfonds CURA. „Auch wenn anti-asiatischer Rassismus kein neues Phänomen ist, haben asiatisch gelesene Menschen in diesem Jahr gehäuft Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe erfahren.” Die angespannte gesellschaftliche Situation in der COVID-19-Pandemie hat die Verbreitung von Verschwörungserzählungen begünstigt und zu einer Suche nach Sündenböcken geführt. Stigmatisierte Gruppen haben die besonders zu spüren bekommen – neben Jüd*innen eben vor allem asiatisch gelesene Menschen.

Das zweite Schwerpunktthema der diesjährigen Kampagne ist Hassgewalt im Internet, da im Zuge der Infektionsschutzmaßnahmen und sozialer Distanzierung digitale Räume an Bedeutung gewinnen und der soziale Austausch zunehmend Online stattfindet. „Wenn soziale Medien zum Angstraum werden, hat das besonders in Zeiten von physischer Isolation massive Auswirkungen für das Leben der Betroffenen und potentiell Betroffenen von menschenverachtenden Anfeindungen im Netz“, so Haupenthal.

Die siebenwöchige Kampagne läuft bereits seit Mitte Dezember. Im Januar wird der Schwerpunkt dann auf die Berliner Außenbezirke gelegt. Gemeinsam mit lokalen Initiativen wollen wir aufzeigen: Rechte Gewalt ist in ganz Berlin ein Problem, auch wenn die Randbezirke hierbei häufig nicht mitgedacht werden.

„Vielen Menschen in unserer Stadt ist die Alltäglichkeit rechter Gewalt deshalb nicht bewusst und sie können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn einen die Angst vor menschenverachtenden Übergriffen tagtäglich begleitet“, erklärt Anetta Kahane. „Eine couragierte Stadtgesellschaft zu sein bedeutet aber, sich auch in marginalisierte Gruppen und ihre Belange hineinzuversetzen und dem Hass gegen sie mit Solidarität und Anteilnahme zu begegnen“.

Um konkrete Unterstützung zu leisten, rufen wir mit der Kampagne auch zu Spenden für den Opferfonds CURA auf. In Zusammenarbeit mit Opferberatungsstellen und Betroffeneninitiativen leistet CURA Unterstützung, die an die konkreten Bedarfe der Betroffenen angepasst ist und unabhängig von der häufig mangelhaften Anerkennung der Taten durch Ermittlungsbehörden erfolgt. Denn diese wird der Realität Betroffener oft nicht gerecht. Betroffene rechter, rassistischer, antisemitischer, antiziganistischer, homo- und transfeindlicher und sozialdarwinistischer Gewalt können beim Opferfonds CURA schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfe beantragen.

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