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Dagegen! …und dann?!

Ausschnitt aus dem Flyer zur Tagung

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen lädt mit finanzieller Förderung der Amadeu Antonio Stiftung zur Tagung „Dagegen! …und dann!“ ein. Eine Gelegenheit für Initiativen und Engagierte, über Probleme und Erfahrungen in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus ins Gespräch zu kommen, sich kennen zu lernen und zu vernetzen.

Rechte und rassistische Gewalttaten haben in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zwanzig Jahren zahlreiche Leben gefordert. Nach Recherchen des Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung, der bundesweit 183 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 zählt, fielen allein in Nordrhein-Westfalen 29 Menschen einer menschenverachtenden Ideologie zum Opfer. Offiziell anerkannt sind davon lediglich 11.

Der Brandanschlag von Solingen am 29. Mai 1993, durch den fünf Menschen starben, ist zu einem Symbol für die mörderischen Ausprägungen des Rassismus in Deutschland geworden. Das Ereignis bildete den vorläufigen Höhepunkt einer in der Bundesrepublik bis dahin beispiellosen Welle rechter Gewalt. Sie wurde begleitet von polemisch geführten Debatten in der „Mitte der Gesellschaft“ um steigende Flüchtlingszahlen und angeblichen „Asylmissbrauch“. Nur wenige Tage vor dem Brandanschlag von Solingen beschloss die überwiegende Mehrheit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag die weitgehenden Aushöhlung des Grundrechts auf Asyl.

Rechte Gewalt – verharmlost und verdrängt

Doch nicht nur in Solingen, auch an anderen Orten in Nordrhein-Westfalen kam es zu Brandanschlägen und rechten Übergriffen, bei denen Menschen eingeschüchtert, verletzt oder ermordet wurden. Im öffentlichen Bewusstsein, in den Medien sowie in den lokalen und regionalen Erinnerungskulturen kommen diese Ereignisse jedoch kaum vor. Sie wurden notorisch verharmlost, verschämt beschwiegen oder gezielt verdrängt. Bis heute finden die Erfahrungen, Wahrnehmungen und Perspektiven der Betroffenen kaum Beachtung. Vielmehr sind sie oftmals sogar weiteren Diffamierungen und Verdächtigungen ausgesetzt, in denen sich rassistische und ausgrenzende Haltungen spiegeln.

Die Frage, wie ein angemessenes Erinnern an rechte Gewalt und deren Opfer in NRW aussehen kann, beschäftigt auch Bündnisse und Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren – und daher nicht selten als „Nestbeschmutzer“ gelten. Gleichwohl sind es vor allem lokale Bündnisse und Initiativen, die vielfältige und kreative Formen des Gedenkens entwickelt haben.

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus: vernetzen und austauschen

In diesem Kontext tauchen jedoch immer wieder ähnliche Probleme auf:

● Welche Möglichkeiten gibt es, dem Beschweigen und Verdrängen von rechter Gewalt und Rassismus etwas entgegenzusetzen?
● Wie können Erinnerungsformen jenseits inhaltsleerer Ritualisierungen und vordergründiger Vereinnahmungsversuche gestaltet werden?
● Was muss geschehen, dass die Stimmen der Betroffenen von Rassismus und rechter Gewalt Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren?
● Welchen Beitrag können Gedenken und Erinnerung für die aktuellen Auseinandersetzungen mit Rassismus und rechter Gewalt leisten?

Die Workshoptagung der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen möchte allen Interessierten ein Forum bieten, Erfahrungen und gute Ideen auszutauschen, aber auch über Probleme und Perspektiven der Erinnerung an rechte Gewalt in NRW zu diskutieren.

Hierzu laden wir herzlich ein!
Genauere Informationen über das Programm und die Möglichkeiten, sich für die Tagung anzumelden, finden Sie im Tagungsflyer zum Download.

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