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„Demokratie braucht dich!“

Udo Pastörs neben Liane Hesselbarth und Matthias Faust auf dem NPD-Parteitag 2009, Foto: sr


Bereits zum vierten Mal findet am 18. September das Lindenfest in Lübtheen statt. Unter dem Motto „Demokratie braucht dich!“ zeigt ein Zusammenschluss verschiedener Akteure mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung, dass Lübtheen „Kein Ort für Neonazis“ ist.

Sucht man nach Informationen nach Lübtheen, stößt man schnell auf die Person Udo Pastörs. Der NPD-Landtagsabgeordnete hatte sich hier nach der Wende niedergelassen und ein Uhren- und Schmuckgeschäft eröffnet. Zunächst munkelte man, dass der Uhrmacher vielleicht etwas mit Neonazis zu tun haben könnte, doch ansonsten trat Pastörs nicht aktiv in Erscheinung. Erst zur Landtagswahl 2006 begann Pastörs, politisch aktiv zu werden. Als der nette Herr von nebenan holte er 2006 für die NPD 16 Prozent der Stimmen, 2002 bekam die Partei nur 2 Prozent.

Rechtsextreme fassen Fuß

Alarmiert durch das Wahlergebnis wendete sich das zuvor gegründete überparteiliche Bündnis „Wir für Lübtheen“ zunehmend der Problematik zu. Mit Unterstützung der Bürgermeisterin Ute Lindenau konnte 2007 das erste Lindenfest stattfinden, um die Bürgerinnen und Bürger Lübtheens auf das Problem einer wachsenden Neonazi-Szene aufmerksam zu machen. Erst vor kurzem ging der Fall einer Lübtheener Kindergärtnerin durch die Medien, die aufgrund ihrer Gesinnung vorübergehend von ihrer Anstellung in Lüneburg freigestellt wurde. Ihr Mann leitet das Wahlkreisbüro von Udo Pastörs in Lübtheen. Nicht nur durch Wahlkampf versuchen Neonazis, in Lübtheen Fuß zu fassen, auch lokale Vereine und Initiativen müssen aufpassen, wer sich bei ihnen engagiert.

„Wir achten darauf, dass die rechte Szene in den Vereinen keinen Fuß fasst“, erklärt Thomas Pietz, Vorstand im Sportverein „Concordia“. Die Positionierung gegen menschenverachtende Äußerungen hat man daher auch in der Vereinssatzung verankert. Doch nicht nur in den Vereinen, auch nach außen hin wollen alle demokratischen Kräfte zeigen, dass Lübtheen kein Ort für Neonazis ist. Mit dem Lindenfest wolle man „den Bürgerinnen und Bürgern die Augen öffnen, welche Probleme die rechte Szene in Lübtheen macht und welche Lügen sie verbreiten.“, so Pietz.

Die ganze Gemeinde tut sich zusammen

Auch Ute Lindenau, Bürgermeisterin in Lübtheen, sieht das Lindenfest als idealen Ort, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Neben einem Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie soll das Fest auch „das Interesse bei den Bürgern wecken, etwas für die Gemeinde zu tun.“ Nicht nur bezogen auf das Engagement gegen Neonazis, lebe eine demokratische Gesellschaft von der Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger. Das Lindenfest ist daher in den vergangenen Jahren zu einer festen Institution für alle Vereine und Initiativen in Lübtheen geworden. Die Teilnehmer wollen sich nicht nur präsentieren, sondern auch zeigen, wie sich jeder und jede Einzelne einbringen kann. Dass inzwischen jeder Verein seinen Beitrag zum Fest leistet, sei daher selbstverständlich, denn „das Fest fördert den Zusammenhalt aller Bürgerinnen und Bürger“, so Lindenau.

Gemäß dem Motto „Demokratie braucht dich!“ werden neben den Vereinen und Institutionen auch Politikerinnen und Politiker vor Ort ansprechbar sein. Neben Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, die das Fest zusammen mit der Bürgermeisterin eröffnet, haben sich auch weitere Landtagsabgeordnete angekündigt, um mit den Besucherinnen und Besuchern beim Demokratiequiz in den Dialog zu kommen.

Ein buntes Programm – eine vielfältige Stadt

Neben verschiedenen Sportwettkämpfen und Vorstellungen von Kindergruppen zeigen in diesem Jahr auch eine afro-orientalische Show, sowie russische Folklore, wie vielfältig Lübtheen ist. Besonders angesichts der anstehenden Landtagswahl im nächsten Jahr, ist es wichtig, Bürgerinnen und Bürger in die Belange ihrer Gemeinde einzubeziehen und ein Bewusstsein für aktives Mitwirken zu schaffen. Auch das Lindenfest lebt vom Mitwirken aller demokratischen Kräfte in Lübtheen. Unterstützt wird es dabei von der Amadeu Antonio Stiftung im Rahmen der Kampagne „Kein Ort für Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern“.

Von Robert Lüdecke

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