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Der rassistische Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße muss endlich staatlich anerkannt werden

In der Nacht auf den 18. Januar 1996 brannte die Unterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Dabei starben sieben Kinder und drei Erwachsene, 38 weitere Menschen wurden verletzt. Obwohl es klare Hinweise auf vier tatverdächtige Männer aus der Neonaziszene gibt, wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt. Bis heute wurde ein rassistisches Motiv nicht einmal in Betracht gezogen. Um das zu ändern startet die Initiative Hafenstraße ´96 anlässlich des 25. Jahrestags des Brandanschlags eine Petition. Sie fordern einen Untersuchungsausschuss im Landtag und die Neuaufnahme der Ermittlungen.

Während das Haus noch in Flammen steht, werden bereits drei Männer aus der Neonazi-Szene von einer Polizeistreife kontrolliert und später festgenommen. Bei der Vernehmung werden Haarversengungen entdeckt, die durch einen Kontakt mit Feuer entstanden sein müssen. Ihr spezifisches Täterwissen und auch mehrere Zeugenaussagen weisen auf ihre Täterschaft hin. Bald darauf gestehen zwei der Verdächtigen sogar die Taten, trotzdem werden die Ermittlungen nicht erneut aufgenommen. Ein rassistisches, rechtsextremes Tatmotiv wird nicht verfolgt. Schuld an dem Brand soll stattdessen ein technischer Defekt sein. Bis heute gibt es trotz der Beweislage keine Verurteilung. Stattdessen wurde noch am Tag der Tat ein Bewohner verdächtigt, das Haus angezündet zu haben, in dem er und seine Familie seit Jahren leben. Der Mann wird im Laufe der Ermittlungen in einer perfiden Täter-Opfer-Umkehr gleich zweimal angeklagt und muss mehrmals in Untersuchungshaft.

Petition zur Aufarbeitung des rassistischen Tatmotivs
Die Initiative Hafenstraße ´96 in Lübeck setzt sich für eine Aufklärung der Taten und eine Erinnerungskultur in der Stadt ein. Mit einer Erinnerungswoche – 25 Jahre Hafenstraße -, erinnert die Initiative an die Jährung der rassistischen Morde. Neben Gedenkveranstaltungen und einer Demonstration, startet die Initiative eine Online-Petition für einen Untersuchungsausschuss im Schleswig-Holsteinischen Landtag zur Aufklärung des Brandanschlages. In dieser fordert sie die Ermittlungen erneut aufzunehmen. Mithilfe des Untersuchungsausschusses müssen Ermittlungsfehler endlich geklärt und ein rassistisches Tatmotiv in die Aufarbeitung des Falls einbezogen werden.

Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt die Petition als Erstunterzeichnerin. Seit Jahren recherchiert und dokumentiert sie Fälle von Todesopfern rechter Gewalt in Deutschland, mindestens 213 sind es seit der Wiedervereinigung. Eine erschreckend große Diskrepanz zu den 109 Fällen, die die Bundesregierung offiziell anerkennt. Auch die zehn Todesfälle aus Lübeck stehen aufgrund der eingestellten Ermittlungen nicht in der staatlichen Auflistung von rechter Gewalt. Die Initiative erhofft sich durch ihre Petition endlich die Aufarbeitung der bisherigen Versäumnisse.Zur Petition: https://weact.campact.de/petitions/hafenstrassenmordunvergessen-10-facher-rassistischer-mord-tat-und-ermittlungen-endlich-aufklaren-1

Wir gedenken der Opfer des Brandanschlags:
Monica Maiamba Bunga
Nsuzana Bunga
Christine Makodila
Christelle Makodila Nsimba
Sylvio Bruno Comlan Amoussou
Rabia El Omari
Françoise Makodila Landu
Jean-Daniel Makodila Kosi
Legrand Makodila Mbongo
Miya Makodila

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Screenshot von Wendemigra.de

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