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Gedenken

Vor 40 Jahren und beinahe vergessen: Rassistischer Anschlag in Nürnberg

Foto: © PM Cheung

Am 24. Juni 1982 erschießt ein Neonazi in der Nürnberger Innenstadt drei Menschen und verletzt drei weitere schwer. Das Motiv: Rassismus. Ein Fall, der 40 Jahre zurückliegt, viele Parallelen zu jüngeren Terroranschlägen aufweist und dennoch kaum im kollektiven Gedächtnis verankert ist. 

Ein 26-Jähriger Rechtsextremer, der Waffen hortet, mit rechtsterroristischen Gruppen sympathisiert und bereits polizeilich bekannt ist, tötet vor 40 Jahren drei Menschen. Zwei seiner Opfer, die Afroamerikaner William Schenck und Rufus Surles, erschießt er in der Nürnberger Diskothek “Twenty Five”, die vor allem von Afroamerikaner*innen besucht wird. Sein drittes Opfer, den Ägypter Mohammed Ehap, ermordet der Täter kurz darauf in der Nürnberger Innenstadt. Als Polizist*innen ihn stellen und in Deckung gehen wollen, ruft der Neonazi ihnen zu: ”Ich schieße nur auf Türken.” Kurz darauf richtet er die Waffe auf sich selbst und erschießt sich.

Der Fall liegt bereits 40 Jahre zurück – und doch erinnert er sehr an rechtsterroristische Anschläge der jüngeren Vergangenheit wie Halle, Hanau oder das OEZ-Attentat in München. Der Täter von Nürnberg: Ein Rechtsextremer, der mit der “Wehrsportgruppe Hoffmann” sympathisierte, mehrere Waffen besaß und schon vor dem Anschlag polizeilich bekannt war. Bereits im Jahr vor der Tat war bei einer polizeilichen Hausdurchsuchung ein Waffenarsenal des 26-Jährigen entdeckt worden. Dabei wurden zwei Waffen beschlagnahmt, für deren Besitz keine Genehmigung vorlag. Das daraufhin eingeleitete Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde mit der Auflage, 200 DM an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen, eingestellt.

Die Bewertung des rechtsterroristischen Anschlags von Nürnberg durch Politik und Sicherheitsbehörden offenbart lässt tief blicken: So sprach das damalige Münchner Innenministerium von einem “terroristischen Einzelgänger”, während der Leiter der Kripo-Sonderkommission dem Täter attestierte, er sei “wie alle diese Leute nicht normal”. Die Entpolitisierung rechtsterroristischer Taten und die Mär des Einzeltäters gehören auch 40 Jahre später noch nicht der Vergangenheit an.

Der Fall verdeutlicht die Kontinuitäten des Rechtsterrorismus und zeigt, dass der Fokus auf die 1990er Jahre und die jüngsten rechtsextremen Anschläge zu kurz greift.

Der Verein „Das Schweigen durchbrechen“ erinnert heute mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer und ruft dazu auf, “die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Rassismus in Nürnberg auf die Straße zu tragen – der Stadt, in der auch der NSU seine mörderischen Taten begann und die wie kaum eine andere für die ungebrochene Kontinuität des Rassismus in Deutschland steht.”

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