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Jeder ist bei uns willkommen!

© Palanca

Dem Andenken an Amadeu Antonio hat sich der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. in Eberswalde verschrieben. Doch nicht die Trauer steht im Vordergrund: Vielmehr setzt sich der Verein erfolgreich  und  kreativ  für  Akzeptanz,  Annäherung und Integration ein.

Von Maximilian Kirstein

Ein sonniger Tag in Eberswalde. Die Stimmung an der örtlichen Grundschule ist fröhlich und ausgelassen. In der Aula haben sich zahlreiche Schülerinnen  und  Schüler  versammelt,  um zwei Trommlern zu lauschen. Ein musikalischer Einstieg,  um  die  Aufmerksamkeit  der  Schulklasse auf sich zu ziehen. Warum der Afrikanische  Kulturverein  Palanca  e.V.  an  diesem Tag eigentlich gekommen ist, zeigt eine Ausstellung in der Aula über das Leben angolanischer Vertragsarbeiter in der ehemaligen DDR. Auch Amadeu Antonios Geschichte wird hier erzählt und damit eine Geschichte über Rassismus.

Eine  derart  kritische  Auseinandersetzung  mit  dem Thema Rassismus gab es in der brandenburgischen Stadt  nicht  immer. Mit  der  Ermordung  Amadeu Antonios durch eine Gruppe Neonazis im Jahr 1990 erreichten die Feindseligkeiten gegenüber schwarzen Menschen  in  Eberswalde  einen  traurigen  Höhepunkt. Um diesem Hassklima entgegen zu wirken, gründete Augusto Jone Munjunga, ein Freund Amadeu  Antonios,  im  Juni  1994  den  Verein  Palanca. Dieser wird von der Amadeu Antonio Stiftung seit 2011  gefördert.  »Wir  verstehen  uns  als  Vermittler afrikanischer  Kultur.  So  wollen  wir  nicht  nur  die Integration afrikanischer Menschen in Deutschland verbessern, sondern gleichzeitig die deutsche Bevölkerung informieren«, sagt der Vorsitzende über die Ziele von Palanca. Auf diese Weise bekämpft der Verein Rassismus ganz praktisch. Besonders mit Projekttagen an Kitas und Schulen in den Regionen Barnimund  Uckermark  begeistert  Palanca  mit  Trommel-, Tanz-  und  Koch-Workshops.  »Gerade  bei  jungen Menschen haben wir viel bewegt«, erklärt Munjunga stolz. »Sie sind für uns leichter zu erreichen als die älteren. Die Kinder können mit ihren Eltern reden und deren Vorurteile widerlegen.«

Neben dem kulturellen und integrativen Anspruch stehen die Erinnerung und das Gedenken an Amadeu Antonios gewaltsamen Tod im Fokus der Vereinsarbeit.  Die  jährlich  stattfindenden  Gedenkveranstaltungen  sind  stets  von  großer  Anteilnahme gekennzeichnet.  Gerade  im  Kontext  der  Flüchtlingssituation ist der 25. Todestag Amadeu Antonios eine Warnung, wie tödlich Rassismus enden kann. Dementsprechend setzt sich der Kulturverein zusammen mit den Barnimer Willkommensinitiativen für Flüchtlinge ein und bietet diesen im Vereinsgebäude einen Treffpunkt. Im Angebot steht in diesem Jahr neben Sprachkursen auf Deutsch und Englisch auch ein Termin für kostenlose psychologische Beratung sowie eine Rechtsberatung.

Mit  der  Veranstaltungsreihe  »SOS  Rassismus«  dokumentiert Palanca rassistische Übergriffe. Kreative und  integrative  Projekte  wie  »Menschen  begegnen Menschen.  Singen,  Spielen,  Kennenlernen«  oder »Die Kraft ist in uns« hingegen sind Veranstaltungen, die die Begegnung in den Mittelpunkt stellen. Nicht zuletzt deshalb versteht sich Palanca als Treffpunkt für Menschen, die für ein gemeinsames Zusammenleben eintreten,  wie  Mun junga  betont.  »Jeder  ist  bei  uns willkommen, egal ob schwarz oder weiß«.

 

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