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Mit „offenem Ohr“ gegen Perspektivlosigkeit

 

Wie kann man Bürgerinnen und Bürgern, die mit Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung aus der Gesellschaft zu kämpfen haben, eine Perspektive geben? Wie kann man Sie dazu motivieren, selbst die Initiative ergreifen, um die Situation in ihrem Stadtteil zu ändern? Mit einem roten Bus und guten Ideen – das ist der Ansatz von VolxMobil, einem Projekt der evangelischen Jugend Schwerin, unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung.

Ein roter Bus – im Kofferraum eine kleine Bibliothek, Spiele, Bälle und eine Kletterausrüstung. Damit ist das Team des VolxMobils seit zwei Jahren im ländlichen Bereich Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs. Ihr Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger zu ermutigen eine Perspektive für sich und ihre Umgebung zu schaffen. Dabei sind sie in Gebieten unterwegs in denen es bisher wenig zivilgesellschaftliche Initiativen gibt, die Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene bieten.

Seid ihr von der NPD?

„Seid ihr von der NPD? Freiwillig und kostenlos macht hier nur die NPD was“, lauten meist die ersten Reaktionen der Anwohnerinnen und Anwohner auf das vierköpfige Team von VolxMobil. Im ländlichen Raum hat sich die NPD etabliert, teilweise bis zu 30 Prozent der Wählerstimmen bekam sie bei Kommunalwahlen. Vor allem im Bereich der Jugendarbeit entdeckte die rechtsextreme Partei in den letzten Jahren eine Möglichkeit neue Anhängerinnen und Anhänger zu gewinnen. Kinderfeste, die Übernahme von Kindertagesstätten oder das Eintreten gegen die Schließung von Grundschulen – die NPD engagiert sich dort, wo ihr Raum gelassen wird.

Ins Gespräch kommen

Die Strategie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von VolxMobil dagegen ist einfach: „Erst einmal geht es darum mit den Anwohnerinnen und Anwohnern ins Gespräch zu kommen“ so Thomas Ruppenthal, Projektleiter von VolxMobil. „Das läuft vor allem über Themen, die die Menschen persönlich betreffen, wir reden mit ihnen über Kochrezepte, Kindererziehung aber auch über politische Themen, die gerade aktuell sind und die Menschen bewegen.“ In Neustadt-Glewe eröffnete das Team jetzt ein Stadtteilbüro, um längerfristig mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammen zu arbeiten. Gemeinsam mit Familien, Jugendlichen aber auch älteren Menschen sanierten sie schon zwei Spielplätze des Stadtteils. Geplant ist jetzt eine Pfadfindergruppe, um den Kindern und Jugendlichen ein längerfristiges Freizeitangebot zu bieten.

Gefördert durch „Lola für Lulu“ der Amadeu Antonio Stiftung

„Wir wollen den Menschen, die vor allem mit Problemen wie Arbeitslosigkeit und fehlender Einbindung in die Gesellschaft konfrontiert sind, zeigen, dass es sich lohnt sich für seinen Stadtteil zu engagieren und dass man bei lokalen Politikerinnen und Politikern Gehör finden kann“, so Ruppenthal.

Seit September 2010 fördert das Stiftungsprojekt „Lola für Lulu“, ebenfalls aktiv im Landkreis Ludwigslust, das Vorhaben des VolxMobils. „Uns ist mit dieser Förderung wichtig, dass in der aufsuchenden Arbeit ein Fokus auf geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelegt wird.“ Eine neue Mitarbeiterin wird nun im VolxMobil-Team genau mit diesem Blick auf Mädchen und Frauen zugehen.

Von Laura Frey

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