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Deplatforming wirkt: Studie untersucht Auswirkungen von Sperrungen in sozialen Medien auf rechtsextreme Strukturen – Sperrungen schaden rechtsextremen Accounts erheblich

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Jena, 10.12.2020. “Hate not found?! Das Deplatforming der extremen Rechten und seine Folgen“ ist die erste systematische Studie zur Frage, wie sich Sperrungen von Profilen in den sozialen Medien auf die extreme Rechte im deutschsprachigen Raum auswirken. Die Ergebnisse werden am Freitag, 11. Dezember auf einer digitalen Tagung vorgestellt und live mit Expert*innen diskutiert.

Forscher*innen des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) aus Jena analysierten systematisch Muster in Kommunikations- und Verhaltensweisen, wenn Plattformbetreiber ihre Gemeinschaftsstandards gegen rechtsextreme Hassakteure durchsetzen. „Unser Fokus lag auf der Klärung der Fragen, welche Einschränkungen Hassakteure durch Löschungen hinnehmen müssen, welche innovativen Umgänge sie entwickeln, um kommunikativ handlungsfähig zu bleiben, und wie sie ihre Mobilisierung in sozialen Medien neu ausrichten“, stellt Maik Fielitz, Co-Autor der Studie, heraus.

Einschreiten der Betreiber schadet Rechtsextremen erheblich

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich Rechtsextreme von kommerziellen Plattformen abhängig gemacht haben und ihnen das Einschreiten der Betreiber erheblich schadet. Von 55 einflussreichen untersuchten Hassakteuren hatten 29 bereits digitale Plattformen verloren. Co-Autorin Karolin Schwarz erläutert: „Das Deplatforming zentraler rechtsextremer Akteure schränkt deren Mobilisierungskraft deutlich ein und nimmt ihnen eine zentrale Ressource, auf die ihre Inszenierungen abzielen: Aufmerksamkeit. In dieser Hinsicht lässt sich eindeutig sagen: Deplatforming wirkt.“

Die Studie stellt weiterhin fest, dass die Sperrungen Hassakteure nicht mehr überraschend oder unvorbereitet treffen. Es bildeten sich innovative Strategien des Umgangs heraus, die Handlungsfähigkeit signalisieren. Dazu identifiziert die Studie sechs Muster, um eine Sperrung zu vermeiden, zu umgehen oder auszugleichen: semantische Mimikry-Taktiken, (Audio-)Visualisierung der Propaganda, Schaffung von Fake-Accounts, Einsatz von Proxies, Ausweichen auf Alternativplattformen sowie Aufbau eigener digitaler Infrastrukturen.

Ausführlich werden die Befunde am Freitag berichtet und diskutiert. Interessierte können den Stream der digitalen Tagung „Hate not found?!“ am 11.12. ab 13 Uhr live verfolgen unter https://www.youtube.com/watch?v=TH-wFdJpISY

Die Studie wird gefördert von Facebook Deutschland. Informationen zum Programm und der ausführliche Forschungsbericht (ab 11.12., 10 Uhr) finden sich unter https://www.idz-jena.de/hatenotfound/.

 

Über das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft:
Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft legt den Fokus seiner Forschung auf die Schwerpunkte Rechtsradikalismus, Diversität und Transfer und weist dabei dem Einbezug gesellschaftlicher Akteure zentrale Bedeutung zu. Es ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung, das als Schlussfolgerung aus dem NSU-Komplex seit 2016 im Rahmen des Thüringer Landesprogrammes für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit gefördert wird. Seit Juni 2020 ist es ein Standort des deutschlandweiten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).

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