Weiter zum Inhalt

Stiftung warnt anlässlich der Ergebnisse der „Mitte-Studie“ vor Verharmlosung menschenfeindlicher Einstellungen

Pressestatement der Amadeu Antonio Stiftung Inland/Rechtsextremismus

Stiftung warnt anlässlich der Ergebnisse der „Mitte-Studie“ vor Verharmlosung menschenfeindlicher Einstellungen 

Zur Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie „Fragile Mitte. Feindselige Zustände – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014“ des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld erklärt Anetta Kahane, Vorsitzende des Vorstands der Amadeu Antonio Stiftung:

Nach der Veröffentlichung zeigt sich, dass einzelne Einstellungen der Ungleichwertigkeit in die Breite gestreut haben und weite Kreise der Gesellschaft erreichen. Nicht allein Rechtsextremismus ist das Problem, sondern die starke Abwertung einzelner Gruppen durch die Mitte der Gesellschaft.

Die Studie belegt auf erschreckende Weise, wie verbreitet der Rassismus gegenüber Flüchtlingen in Deutschland ist. Über 44% der Befragten stimmen abwertenden Aussagen über asylsuchende Menschen zu. Dass solche rassistische Einstellungen auch in Gewalt umschlagen, belegt eine Zusammenstellung der Amadeu Antonio Stiftung. Die Chronik listet 33 tätliche Angriffe auf Geflüchtete seit Januar 2014 in Deutschland auf. Erst diese Woche hatte das Bundeskriminalamt mitgeteilt, dass es allein in den ersten drei Quartalen diesen Jahres 86 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben hat.

Neben Flüchtlingen sind es jedoch seit den jüngsten Ereignissen im Nahostkonflikt vor allem auch Jüdinnen und Juden, denen in Deutschland zunehmend Ressentiments entgegenschlagen. So spiegelt die Studie wider, was in Deutschland lebende Jüdinnen und Juden in diesem Sommer erfahren mussten: einen erschreckenden Anstieg antisemitischer Einstellungen, die in tätlichen Übergriffen und Bedrohungen gipfelten.

Menschenfeindliche Vorurteile können immer in Gewalt umschlagen. Das belegen auch die Ergebnisse der Wissenschaftler/innen. Bei allen Personen, die abwertenden Aussagen zustimmen, sinkt auch die Hemmschwelle Gewalt anzuwenden.

Dass jede/r zweite Befragte meint, man solle den Rechtsextremismus gar nicht beachten und er werde in den Medien hochgekocht, ist deshalb ein gefährliches Signal. Wir dürfen uns nicht auf den erzielten Erfolgen ausruhen. Sondern wir brauchen eine langfristige Präventionsarbeit, die der Abwertung von einzelnen Gruppen vorbeugt.

Zum Hintergrund: Heute haben Wissenschaftler/innen des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld die Studie „Fragile Mitte. Feindselige Zustände – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014“ vorgestellt. Seit 2001 untersucht das Institut rechtsextreme Einstellungen in Deutschland anhand repräsentativer Erhebungen.

Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.