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Gefördertes Projekt

Rechtsextremen auf der Spur

Ein sonst idyllischer Landkreis im östlichsten Zipfel Deutschlands: Das sächsische Görlitz ist seit den 90ern eine rechtsextreme Hochburg. Hier ist nicht nur die AfD stärkste Kraft. Es haben sich auch zahlreiche Reichsbürger und unterschiedliche neonazistische Strukturen verfestigt. Gerade im ländlichen Raum im Landkreis Görlitz ist seit drei Jahrzehnten eine rechtsextreme Szene konstant aktiv. Aber es gibt auch Widerstand. Neben einigen Beratungsstellen setzt sich nun auch das Projekt 15 Grad Research für mehr Demokratie und Toleranz und gegen Rechtsextremismus ein, das von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird.

„Es gab schon immer Menschen in der Region, die sich mit den rechtsextremen Strukturen bewusst auseinandergesetzt und Widerstand geleistet haben“, erklärt Thomas von 15 Grad Research. Während die Beratungsstellen im Landkreis sich besonders mit Straftaten beschäftigen, war es dem Team von 15 Grad Research wichtig, ein umfassendes Bild der rechtsextremen Szene im Landkreis Görlitz zu zeichnen. „Auf unserer Website machen wir eine Bestandsaufnahme menschenfeindlicher Aktivitäten seit 1990. Dazu gehören rassistische, antisemitische und rechtsextreme Gewalttaten, aber auch Immobilienkäufe, Demos, Konzerte und Treffen der rechtsextremen Szene.“

Dass diese Bestandsaufnahme ziemlich viel Arbeit bedeuten würde, wussten die Ehrenamtlichen des Projekts bereits zu Beginn ihrer Arbeit. Trotzdem hatten sie die Ausmaße des Problems unterschätzt. „Der Landkreis Görlitz ist eine sehr große Region, in der sich die Nazis über die letzten dreißig Jahre festgesetzt haben – in unserer Chronik kann man sehen, dass es hier nun schon Stützpunkte über Generationen gibt“, erzählt Thomas. „Das alles auf dem Schirm zu haben ist verdammt viel Arbeit“. Die Chronik zusammen zu stellen war ein langer Prozess. Mehr als sechs Monate lang wurden alte Zeitungen und Webarchive durchforstet, öffentliche Polizeiberichte durchsucht und Menschen aus der Region befragt. So sind alle rechtsextreme Aktivitäten, die in irgendeiner Art und Weise an die Öffentlichkeit gedrungen sind, nun in der Chronik auf der Website von 15 Grad Research auffindbar.

Das Projekt hat neben der Chronik, die eine nüchterne Bestandsaufnahme rechtsextremer Aktivitäten darstellt, zwei weitere Schwerpunkte. Unter der Rubrik „Hintergrund“ werden rechtsextreme Aktivitäten im Landkreis in Form von Artikeln und Texten genauer unter die Lupe genommen und Querverbindungen aufgezeigt. „Durch Hintergrundberichte versuchen wir, gesellschaftliche Zusammenhänge von rechtsextremen Strukturen mit AfD und anderen Parteien und Organisationen sichtbar zu machen. Und wir wollen darauf hinweisen, welche regionalen Personen in der Szene eine Rolle spielen, in der Öffentlichkeit stehen und wichtige Multiplikatoren sind.“

15 Grad Research möchte nicht nur mit dem Finger auf Rechtsextreme zeigen, sondern auch auf positive Aktivitäten in der Region hinweisen. „In der Rubrik der Gastbeiträge ist es uns wichtig, Menschen, die sich in der Region engagieren, ein Podium zu bieten, wodurch sie auf ihre Projekte oder Initiativen aufmerksam machen können“, erzählt Thomas. Momentan laufen Gespräche mit einer Initiative, die sich für eine Stolpersteinverlegung in der Region einsetzt und auf der Website präsent sein möchte.

Zu politischen Akteur:innen möchte 15 Grad Research selbst aber nicht werden. Vielmehr wollen sie den Grundstein dafür legen, dass andere Leute aufgrund ihrer Arbeit und der Datenlage demokratische Politik machen können. „Ich glaube, dass für die Region eine Chance besteht mit dieser Website. Im Hinblick auf die Bundestagswahl, die AfD und die etablierten rechten Strukturen ist es notwendig, konkrete Handlungsweisen zu erarbeiten. Wir wollen ein Zeichen nach außen senden, dass es sich trotzdem lohnt hier her zu kommen und sich zu engagieren. Es gibt viele tolle Projekte in der Region, aber auch sehr viel zu tun.“

Das Projekt 15 Grad Research wird von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert.

Mehr Infos gibt’s auf der Website: https://15grad-research.net/ und Twitter @15Research1

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