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Romaday: Ein Tag der Widerstandsfähigkeit von Sinti*zze und Rom*nja

Romaday Parade in Berlin 2023. Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Der Internationale Tag der Roma erinnert an die Anfänge der Bürgerrechtsbewegung mit dem ersten Welt-Roma-Kongress, der am 8. April 1971 in London stattfand. Der Kongress suchte Antworten auf jahrhundertelange Diskriminierung und Verfolgung, man einigte sich auf die Eigenbezeichnung “Roma”, um diskriminierende Fremdbezeichnungen zu ersetzen. Es war die Geburtsstunde eines neuen Selbstbewusstseins: Mit der Flagge der Roma und der Hymne der Roma „Djelem, djelem“ hat sich die weltweite Bürgerrechtsbewegung zwei wichtige Symbole gegeben, die bis heute die vielfältigen Hintergründe der Sinti*zze und Rom*nja darstellen.

Sinti*zze und Rom*nja sind eine seit mehreren hundert Jahren in Europa lebende Bevölkerungsgruppe und die größte Minderheit Europas. Ihre Geschichte ist auch eine jahrhundertelange Erfahrung von Ausgrenzung, Abwertung und Diskriminierung – und genauso langer Kämpfe um Gleichberechtigung und Anerkennung.

Trotzdem wird Antiziganismus gesellschaftlich kaum thematisiert. Schlimmer noch: Antiziganismus ist gesellschaftlich weithin akzeptiert.

Angesichts des weltweiten Erstarkens der rechtsextremen, unverhohlenen Abschiebefantasien, Asylrechtsverschärfungen und rassistischen Debatten ist der Romaday auch ein Kampftag:

„Wir gehörten schon immer zum Widerstand und werden auch jetzt nicht tatenlos zusehen, wie unsere Heimatländer von Rechten vereinnahmt werden! Wir sind hier und wir bleiben hier!“

Antiziganismus: alltäglich erlebt, gesellschaftlich geduldet ?

Antiziganistische Stereotype gehen Jahrhunderte zurück und wirken bis heute. Sie wurden auch im NS als Grundlage für die tausendfache Deportation und Ermordung von Sinti*zze und Rom*nja genutzt.

Die Kontinuitäten der Diskriminierung halten bis heute an. Besonders wirkmächtig werden sie in Behörden, beispielsweise in Form von künstlichen bürokratischen Hürden oder längeren Bearbeitungszeiten. Auch im Kontakt mit Sicherheitsbehörden sind sie betroffen von Racial Profiling, während Medien nach wie vor oft antiziganistische Stereotype reproduzieren. Auch wenn sich diese diskriminierenden Stereotype durch vermehrte Repräsentation langsam wandeln, ist es noch ein weiter Weg zur Überwindung des Rassismus gegen Sinti*zze und Rom*nja.

Screenshot aus dem Jahresbericht 2022 der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA

Rassismus & Diskriminierung in Zahlen

2022 nahm die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA ihre Arbeit auf und macht seitdem Diskriminierung und Hass sichtbar, der bislang durchs Raster fiel – auch weil Betroffene ungern zu Behörden gehen, wo sie selbst Diskriminierung erleben.

Die Bilanz nach dem ersten Jahr fällt eindeutig aus: 621 antiziganistische Vorfälle wurden dokumentiert, mutmaßlich nur ein Bruchteil dessen, was Betroffene deutschlandweit erleben.

 

Aber: Es bewegt sich etwas!

Am 9. März 2022 ernannte die deutsche Bundesregierung mit Mehmet Daimagüler erstmals einen Beauftragten gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Sintize sowie Roma und Romnja in Deutschland. Zum Amtsantritt sagte er: „Die Herausforderungen sind nur gemeinsam mit den Communities der Sinti und Roma zu bewältigen“.

Und diese Communities sind so zahlreich und sichtbar wie nie zuvor. Gut so, denn noch immer sind die grundlegendsten Probleme Verallgemeinerung, Othering und ein über-statt-miteinander-Sprechen.

Der Romaday ist ein guter Anlass für den ersten Schritt: etwas zu lernen über Sinti*zze, Rom*nja und ihren Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung.

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„Erinnern heißt verändern“

Über ein Modellprojekt der Amadeu Antonio Stiftung erhalten seit Mitte 2023 elf Initiativen von Betroffene und Angehörige von rechten, rassistischen und antisemitischen Anschlägen sowie das gesamte Netzwerk Unterstützung für eine selbstbestimmte Erinnerungskultur. Gefördert wird das Projekt „Selbstbestimmt vernetzen, erinnern und bilden“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus.

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