Sächsischer Förderpreis für Demokratie
Die Ausschreibung für den Sächsischen Förderpreis 2026 hat begonnen
Auch im Jubiläumsjahr 2026 werden wieder Projekte, Initiativen und Kommunen gesucht, die sich für den Erhalt unserer Demokratie, Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus einsetzen gesucht.
Neben dem Projektpreis werden der Peter-Henkenborg-Preis für die Didaktik der politischen Bildung sowie der Titel „Kommune der Demokratie“ auf der festlichen Preisverleihung am 5. November in Dresden verliehen.
Alle Informationen zu den Preisen und den Bewerbungsunterlagen finden Sie unter den jeweiligen Preiskategorien.
Wir wünschen allen Bewerber*innen viel Erfolg!
Sächsischer Förderpreis für Demokratie
„Manchmal glaube ich wirklich, ich bin in einer bösen Zeitschleife gefangen. Seit mehr als 20 Jahren werden nicht die Rechtsextremen für den Imageschaden verantwortlich gemacht, sondern diejenigen, die dagegen etwas unternehmen. Und ganz ehrlich: Ich wünschte, wir hätten bloß ein Imageproblem“, sagt die Autorin Anne Rabe auf der Preisverleihung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie 2024.
Dass die sächsische Zivilgesellschaft eben kein Imageschaden ist, sondern ihr Mut maßgebend für eine lebendige Demokratie, darauf versucht der Sächsische Förderpreis für Demokratie seit 2007 aufmerksam zu machen. Mit dem Preis werden Initiativen oder Projekte und Kommunen ausgezeichnet, die sich für eine demokratische Kultur und gegen menschen- und demokratiefeindliches Handeln engagieren. Auf der jährlichen Preisverleihung wird die aktive demokratische Landschaft Sachsens gefeiert, und durch die stellvertretende Ehrung der Preisträger*innen die sächsische Zivilgesellschaft sichtbarer gemacht.
Preisverleihung 2025
Am 6. November 2025 wurde der Sächsische Förderpreis für Demokratie im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden feierlich verliehen. In drei Kategorien wurden insgesamt acht Preisträger*innen für ihr herausragendes Engagement ausgezeichnet. Grußworte von Joachim Klement, Timo Reinfrank und Staatssekretärin Dagmar Neukirch sowie die Festrede von Dr. Matthias Quent verliehen dem Abend inhaltliche Tiefe. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Friedrich Greiling, während Tanja Krone mit einer lebendigen, pointierten Moderation durch das Programm führte. Erstmals wurde die Preisverleihung zudem durch ein Graphic Recording in Leichter Sprache von Simone Fass begleitet, das Inhalte visuell zugänglich machte und neue Zugänge eröffnete.

Herzlichen Glückwunsch! - Hauptpreisträger 25 Solidarisches Pirna © Isabell Richter

Die Festrede hielt Prof. Dr. Matthias Quent © Isabell Richter

Friedrich Greiling führte musikalisch durch den Abend © Isabell Richter

Staatssekretärin Dagmar Neukirch © Isabell Richter

Den Peter-Henkenborg-Preis 2025 erhält der Interventionsbüro e.V. aus Leipzig © Isabell Richter

Oberbürgermeisterin Constance Arndt nimmt den Kommunenpreis für Zwickau entgegen. © Isabell Richter

© Isabell Richter

Simone Fass stellt die Preisträger*innen graphisch und in leichter Sprache vor © Isabell Richter
„Die Zivilgesellschaft, Sie, liebes Publikum, hat allen Grund, selbstbewusst und stolz zu sein. Und parteiübergreifend hat demokratische Politik, haben Staat und Verwaltung ein existenzielles – auch eigennütziges – Interesse, dieses Vertrauen nicht zu riskieren, sondern die Zivilgesellschaft in ihrer Unabhängigkeit zu stärken – unabhängig von allen inhaltlichen Differenzen, die zu einer politischen Streitkultur dazu gehören.“
- aus der Festrede von Prof. Dr. Matthias Quent -
Die Preisträger*innen 2025
Hauptpreis
- Solidarisches Pirna - motiviert Menschen verschiedenster Herkunft, Verantwortung in der Stadtgesellschaft zu übernehmen und konstruktiv zusammenzuarbeiten
Kommunenpreis
- Stadt Zwickau - Fördert den Austausch zwischen Behörden und Zivilgesellschaft, unterstützt Projekte unkompliziert – besonders bei Sicherheitskonzepten – und entwickelt gemeinsam Strategien gegen Rechtsextremismus
Peter-Henkenborg-Preis
- Interventionsbüro e.V. - Schafft mit dem GRAND BEAUTY einen ungewöhnlichen Ort für politische Bildung und transkulturelle Verständigung
Anerkennungspreise
- different people e.V. Chemnitz - stärken queere Menschen durch Beratung, Bildung und Gemeinschaft, bauen Diskriminierung ab und fördern Akzeptanz sowie gesellschaftliches Engagement
- Athletic Sonnenberg e.V. - verbindet Kampfsport mit sozialem Lernen, fördert Respekt und Empathie und setzt sich gegen rechtsradikale Vereinnahmung ein
- Buntes Meißen - Bündnis Zivilcourage e.V. - unterstützt seit Jahren Geflüchtete, fördert Begegnungen und stärkt ihre aktive Teilhabe an der Gesellschaft.
- Sohland lebt! e.V. - integriert Kinder und Jugendliche in kommunalpolitische Entscheidungsprozesse, das ist gelebte Demokratie von „AnFangAn“
- Jüdische Allianz Mitteldeutschland - feiert jüdisches Leben, setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus und stärkt die selbstbewusste Präsenz der Gemeinschaft
News
Sachsen: Trotz Krisen überall – Demokratie schafft Zuversicht
Es war ein Tag, den viele nicht so schnell vergessen werden: Morgens wird klar, dass Donald Trump zum zweiten Mal US-Präsident wird, abends dann die Nachricht, dass die Ampel-Koalition bricht. In Dresden wurde währenddessen der Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen. In Zeiten, die bedrohlich sind wie selten.
Auftanken für 2024: Sächsicher Förderpreis für Demokratie verliehen
Trotz des bedrohlichen politischen Klima Sachsens, einem sich stärkendem Rechtsextremismus und Rekordzahlen, die die AfD in ihren Wahlprognosen schreibt, gibt…
Laudatio von Sergey Lagodinsky auf die Preisträger*innen des Sächsischen Demokratiepreises
Die diesjährige Laudatio zur Würdigung der Preisträger*innen des Sächsischen Förderpreis für Demokratie hielt der Europa-Abgeordnete Dr. iur Sergey Lagodinsky. Wir dokumentieren die Rede.
Die Ausrichtenden
Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierfür unterstützt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und Kommunale Netzwerke. Wichtigste Aufgabe der Stiftung ist es, die Projekte über eine finanzielle Unterstützung hinaus zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen.
Die Dirk Oelbermann Stiftung verdankt sich dem sozialen Engagement des Bremer Rechtsanwalts Dirk Oelbermann. 2016/17 wandelte dieser die über 100 Wohnungen umfassende Anlage „Kuchenstück“ in Regis-Breitingen, die bis dato in seinem Besitz war, in Eigentum der Stiftung um. Regis-Breitingen gehört zu den Orten im Südraum Leipzig, die vom jahrzehntelangen Abbau der Braunkohle geprägt sind. Nach dessen Ende braucht die Region viel soziales Engagement von Vereinen, Projektgruppen und Stiftungen, um neue Attraktivität zu gewinnen. Die Dirk Oelbermann Stiftung, die für ihre Stiftungszwecke den freien Teil der Mieteinnahmen aus der Wohnanlage „Kuchenstück“ einsetzt, möchte dabei mitwirken. Als Stiftungszweck ist die Förderung kultureller Projekte, die Jugend- und Altenhilfe, die politische und berufliche Bildung mit Schwerpunkt im „Südraum Leipzig“ und in besonderen Fällen die Unterstützung in Not geratener Einzelpersonen bestimmt. Insbesondere wird die Stiftung Kulturinitiativen mit regional ansässigen Partnern unterstützen. Im Juni 2017 hat die Dirk Oelbermann Stiftung zum ersten Mal vorliegende Anträge beraten und Mittel zur Realisierung kultureller Projekte bewilligt. Dabei hat sich die Stiftung auch für eine Mitwirkung beim Sächsischen Förderpreis für Demokratie entschieden.
Die Freudenberg Stiftung ist 1984 von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Freudenberg gegründet worden und operativ tätig. Sie engagiert sich in langfristiger Zusammenarbeit mit NGOs und staatlichen Partner*innen für soziale Inklusion und demokratische Kultur in der Einwanderungsgesellschaft. Ihre Aktivitäten im Themenfeld soziale Inklusion zielen auf die Verbesserung des Zugangs zu Bildung und Ausbildung in belasteten Sozialräumen und für ausgrenzungsgefährdete Gruppen. Gemeinsam mit ihren Partner*innen setzt die Freudenberg Stiftung zugleich auf die Sensibilisierung für Demokratiegefährdungen, auf die Stärkung des Vertrauens in demokratische Institutionen sowie auf den Erwerb demokratischer Handlungskompetenzen, damit Heranwachsende ermutigt und herausgefordert werden, sich verantwortungsvoll und wirksam für ein demokratisches Gemeinwesen zu engagieren. Aktuell arbeitet die Stiftung insbesondere an Ansätzen, um neuen demokratiefeindlichen gesellschaftlichen Entwicklungen auf lokaler Ebene entgegenzuwirken sowie an Strategien zur Vermittlung digitaler Demokratiekompetenz.
Die nach dem Strafverteidiger und Publizisten Dr. Sebastian Cobler benannte Stiftung sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, die im Grundgesetz sowie in der Europäischen Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerten Bürgerrechte zu verteidigen und durchzusetzen. Eine der wichtigsten damit verbundenen Aufgaben ist die Verpflichtung, das Recht aller Bürgerinnen und Bürger, selbst über die Verwendung der eigenen Daten zu entscheiden, gegen alle Bestrebungen einer tendenziell grenzenlosen Verarbeitung ihrer Daten zu verteidigen. Seit ihrer Gründung 2005 setzt die Stiftung sich für politisch, rassisch, religiös Verfolgte, Flüchtlinge und Behinderte ein. Die Stiftung fördert Initiativen und Projekte, die sich im Sinne einer demokratischen Zivilgesellschaft für Toleranz, Bildung, interkulturelle Verständigung und Gewaltprävention engagieren. Die Stiftung arbeitet überregional und möchte mit der Unterstützung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie die Entwicklung einer demokratischen Kultur in Sachsen fördern und die Bürgerinnen und Bürger zu mehr Zivilcourage ermutigen.
Die Holger Koppe-Stiftung wurde 2013 von dem Frankfurter Unternehmer Dr. Holger Koppe mit den Stiftungsschwerpunkten Musik und Erinnerung gegründet. Aufgrund der langjährigen beruflichen Verbundenheit des Stifters mit Leipzig hat er die Entscheidung getroffen, die Stiftungsmittel schwerpunktmäßig für Projekte in Frankfurt und Leipzig sowie der jeweiligen Umgebung einzusetzen. Beim Thema Musik geht es der Stiftung vor allem darum, Kinder und junge Menschen an ernsthafte Musik heranzuführen und nicht um die Förderung einzelner Musiker. Mit dem Thema Erinnerung und hier vor allem die Erinnerung an die Verbrechen, die im Dritten Reich begangen wurden, soll ein Beitrag zur Erhaltung von Demokratie und Freiheit in Deutschland geleistet werden. Die Stiftung ha sich daher entschieden, den Sächsischen Förderpreis für Demokratie ab 2025 zu unterstützen.
Die Jury

ARNO KÖSTER: "Ich habe großen Respekt vor der Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen, die oft mit bescheidenen finanziellen Mitteln auskommen müssen oder von Neonazis bedroht und angegriffen werden. Sie sind wichtige Mahner und Widerständler in einem Land, in dem die meisten Menschen sich wegducken oder die Probleme kleinreden wollen."

SEBASTIAN KRUMBIEGEL: "Der Kampf gegen Nazis ist wichtiger denn je. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie ist ein wichtiges Standbein dabei, denn er bestärkt und ermuntert die vielen engagierten Leute, die sich jeden Tag aufs Neue dafür einsetzen, dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit in unserem Leben nichts zu suchen haben."

DR. EVA STURM: "Am 3. April 1933 schrieb Victor Klemperer in sein Tagebuch: „Brutalität, Ungerechtigkeit, Heuchelei, Massensuggestion bis zur Besoffenheit, alles das floriert hier.“ Mit hier meinte er Dresden. Mit Weitsicht hatte der Romanist die ersten Anzeichen der gesellschaftlichen Verrohung erkannt und angeprangert. Wie es ihm, dem klugen Beobachter des Nationalsozialismus, erging, ist bekannt. Knapp entkam er 1945 der Deportation. Nur 54 Jahre nach Klemperers Tod breitete sich in Dresden und Sachsen wieder ein Klima der Ausgrenzung, der Fremdenfeindlichkeit und der Gewaltbereitschaft aus. Jeden Montag wurden Parolen geschrien, Zwietracht gesät, Menschen verunsichert und die Wut auf Politik und Medien geschürt. Dennoch gibt es gerade in Sachsen ein starkes zivilgesellschaftliches Gegengewicht zu Populismus und Fremdenhass. Menschen zeigen Gesicht, sie engagieren sich für Weltoffenheit und Menschenwürde, sie tanzen und musizieren gemeinsam, sie helfen Menschen, die in Deutschland ankommen, mit Kleidung, Möbeln und Hausrat, begleiten sie auf Ämter, suchen Wohnungen und übernehmen Vormundschaften. Dass diese Menschen mit einem Preis geehrt werden, unterstütze ich persönlich und im Namen der Cellex Stiftung. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie zeigt vor allem eins: dass es neben „Brutalität, Ungerechtigkeit, Heuchelei und Massensuggestion“ noch etwas anderes gibt – Menschlichkeit und Courage."

ALINA TOROPOVA: "Als Person, die jeden Tag mit Medienschaffenden zu tun hat, die in deren Herkunftsländern wegen ihrer Arbeit bedroht sind, bin ich überzeugt, dass Presse-und Redefreiheit einer der wichtigsten tragenden Pfeiler eines funktionierenden demokratischen Systems ist. Die „Feindbild-Studie“, die tätliche Angriffe gegen Journalist*innen in Deutschland verifiziert und analysiert, zeigt, dass Sachsen eine viel höhere Angriffsrate auf Journalist*innen aufweist als die anderen Bundesländer in 2022. Diese Tendenzen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Ich finde es wichtig, Initiativen zu unterstützen, die Meinungsvielfalt fördern und aktiv für demokratische Rechte und Bedürfnisse ihrer Mitbürger*innen kämpfen." (Bild: Andreas Lamm, ECPMF)

RUPERT VON PLOTTNITZ: "Wer bislang geglaubt hat, rechter Populismus und Extremismus seien vornehmlich ein Problem im Osten der Bundesrepublik, wurde mit dem Ergebnis der jüngsten Landtagswahlen in den sogenannten „alten“ Bundesländern Bayern und Hessen erschreckend deutlich eines Schlechteren belehrt. Dass in den USA und vielen Mitgliedsstaaten der EU vergleichbare Entwicklungen zu beobachten sind, kann gerade in Deutschland, von wo die politische Pest des Nationalsozialismus seinen Ausgang nahm, niemanden beruhigen. Immer häufiger übernehmen Repräsentanten*innen angeblich bürgerlicher Parteien die Parolen des rechten Extremismus, wenn es um die Themen von Flucht und Migration geht. Umso wichtiger ist eine Zivilgesellschaft, die laut und deutlich Nein sagt, wenn auf der politischen Vorderbühne Brandmauern beschworen werden, die auf der Hinterbühne in Wort und Tat bedenkenlos abgerissen werden. Für diese Zivilgesellschaft stehen die Initiativen, die sich für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie bewerben. Sie werden für den Schutz der Demokratie mehr denn je gebraucht."

PROF. DR. SUSANN GESSNER: "Mut und Engagement sind voraussetzungsvoll. In politischen Bildungsprozessen geht es darum, Menschen im freien Denken zu fördern. Carlo Strenger (2016) schreibt dazu: „Wenn wir der platonischen Höhle entkommen wollen, müssen wir uns auf einen niemals endenden Prozess gefasst machen und immer bereit sein, Überzeugungen neu zu überdenken und möglicherweise aufzugeben, egal, wie teuer sie uns sein mögen.“ Als politische Bildnerin interessiert mich, welche Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Menschen sich einlassen und einmischen."

DR. KAI-FRIEDERIKE OELBERMANN: "In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, sich offen gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren. Wir von der Dirk Oelbermann Stiftung haben großen Respekt all denjenigen gegenüber, die offen für all die Rechte und Chancen aller Menschen einstehen (und auch dafür kämpfen), die eigentlich so selbstverständlich sind. Wir wollen alle unterstützen und ermutigen, die sich in noch so kleinen Vereinen und Organisationen für eine weltoffene Gesellschaft einsetzen."

SEBASTIAN WIERZIOCH: „Niemand – auch nicht die Polizei – kann ein Gemeinwesen besser vor Rechtsextremisten und Menschenverachtern schützen als aktive, selbstbewusste Bürger*innen. Erst gelebten Rechtsextremismus vor Ort zu ignorieren und demokratische Akteure zu behindern, beschmutzt das Nest, und zwar nachhaltig.“

PROF. DR. OLIVER DECKER: "Die Gefahr für die Demokratie geht nicht allein vom Rechtsextremismus aus – die Themen der Rechten sind auch immer Themen der gesellschaftlichen Mitte. Verschwörungsmythen, Esoterik, Antisemitismus oder der Wunsch nach Autorität sind in allen Bevölkerungsschichten anzutreffen. Sie fungieren deshalb als Brücken, über die sich autoritäre und antidemokratische Bewegungen bilden und Mehrheiten für eine menschenverachtende Politik finden können. Die letzten Jahrzehnte der Polarisierung und Radikalisierung haben gezeigt, wie dringend es ist, diesen Einstellungen und Diskursen die Stimme der Vernunft entgegenzusetzen. Es bedarf aber mehr als nur einer Stimme, es braucht eine breite Solidarisierung und Abgrenzung gegenüber neofaschistischen und ethnozentrischen Bestrebungen."

PROF. DR. ANJA BESAND: "In der politischen Bildung geht es nach allgemeinem Verständnis darum, junge Menschen auf ihre Rolle als Bürger*innen in einer Demokratie vorzubereiten. Es geht darum sie dabei zu unterstützen, einen eigenen Standpunkt zu finden und gemeinsam mit anderen eine Antwort auf die Frage zu entwickeln, wie wir zusammen leben wollen. Im Umkehrschluss heißt das – nach meiner Auffassung – allerdings auch, dass es in der politischen Bildung gar nicht darum gehen kann, einen klar konturierten und durch andere bereits richtig und vollständig verstandenen Gegenstand (nämlich die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft, das Recht etc.) zu präsentieren, der nur noch angemessen, das heißt allgemein verständlich oder zielgruppenspezifisch adäquat, vermittelt werden muss. Oder noch zugespitzter formuliert: In der politischen Bildung geht es gar nicht um die Vermittlung von Politik, sondern um das individuelle und selbstbestimmte Politisch-Werden und Politisch-Sein."

HOLGER KOPPE: "Nach Stationen als Journalist und einem Jurastudium mit einer Dissertation über planungsrechtliche Fragen war ich in der Ministerialverwaltung des Landes Hessen tätig, später als Mitarbeiter einer Bundestagsfraktion in Bonn. 1990 erfolgte der Wechsel in die Privatwirtschaft und die Gründung eines Projektentwicklungsunternehmens zusammen mit dem Frankfurter Unternehmer Claus Wisser. In diesem Unternehmen bin ich bis heute noch tätig. Als Kind der Nachkriegsgeneration, dessen Eltern geflüchtet waren, und in Frankfurt aufgewachsen markierte der hier stattfindende Auschwitz-Prozess den Beginn einer intensiven Beschäftigung mit den Verbrechen der Deutschen im Dritten Reich und dem Weg von der demokratischen Weimarer Republik in den Gewalt- und Unrechtsstaat der NS-Diktatur. 80 Jahre nach dem Kriegsende und dem Untergang des NS-Regimes sind Demokratie und Freiheit in Deutschland und Europa wieder durch Rechtsextremisten gefährdet und ich möchte mit der Holger-Koppe-Stiftung über die Förderung geeigneter Projekte einen Beitrag dazu leisten, damit der Satz von Primo Levi „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“ niemals in Erfüllung geht." FOTO © Lemnitzer

STEFAN VOGT: „Demokratie lebt davon, dass Menschen Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen – im Kleinen wie im Großen. Wo Städte, Gemeinden und Initiativen verlässlich Räume für Beteiligung schaffen, entstehen die besten Chancen, dass Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt nicht nur Werte bleiben, sondern gelebte Praxis im Alltag werden. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie macht diese Orte und Initiativen sichtbar und zeigt: Engagement für die Demokratie ist kein einsamer Weg, sondern Teil einer starken gemeinsamen Bewegung.“
- Stefan Vogt, Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung
- Arno Köster, Autor, Moderator und Journalist
- Sebastian Krumbiegel, Sänger und Pianist ("Die Prinzen")
- Prof. Dr. Susann Gessner, Leiterin des Fachgebiets Didaktik der politischen Bildung an der Philipps Universität Marburg
- Rupert von Plottnitz, Vorsitzender der Sebastian Cobler Stiftung
- Prof. Dr. Oliver Decker, Gründungsdirektor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung an der Universität Leipzig
- Prof. Dr. Anja Besand, Professur für Didaktik der Politischen Bildung an der TU Dresden
- Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung
- Dr. Eva Sturm, Geschäftsführerin der Cellex Stiftung
- Bastian Wierzioch, Journalist, MDR
- Kai-Friederike Oelbermann, Vorstandsvorsitzende der Dirk Oelbermann Stiftung
- Alina Toropova, Koordinatorin des Journalist-in-Residence Programms des European Center for Press and Media Freedom
- Holger Koppe, Stifter und Vorstand der Holger Koppe-Stiftung





