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Ein Sommerfest im Zeichen der Demokratie

"Rock gegen Rechts" - unter dieses Motto haben Schülerinnen und Schüler des Jenaer Angergymnasiums ihr alljährliches Sommerfest gestellt.


Aufgrund zunehmender rechtsextremer Aktivitäten in Thüringen hat der Schülerrat des Jenaer Angergymnasiums das alljährliche Sommerfest unter das Motto „Rock gegen Rechts“ gestellt – mit großem Erfolg. Die Amadeu Antonio Stiftung fördert das Vorhaben im Rahmen der Kampagne „Kein Ort für Neonazis“. Ein Interview mit Schülersprecher Stefan Ebert.

 

Amadeu Antonio Stiftung: Am 19. Juni findet im Angergymnasium wieder das Sommerfest „Rock gegen Rechts“ statt. Aus welchem Grund hat der Schülerrat 2008 beschlossen, das Fest unter dieses Motto zu stellen?

Stefan Ebert: Der eigentliche Beweggrund war, dass die Zahl von rechtsextremistischen Aktivitäten in Jena in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Bekanntestes Beispiel dafür ist das „Fest der Völker“, zu dem Neonazis aus ganz Europa anreisen. Wir wollten als Schülerschaft und auch als Schule ein Zeichen gegen Neofaschismus, Rassismus und Ausgrenzung setzen. Wenn wir auf die Geschichte und leider auch auf die Gegenwart schauen, finden wir genug Beispiele dafür, wohin Fremdenfeindlichkeit und Unterdrückung führen. Mit dem Konzept „Rock gegen Rechts“ versuchen wir zumindest einen kleinen Beitrag zur Aufklärung gegen Rechtsextremismus zu leisten.

Gibt es in Ihrem Gymnasium Probleme mit rechtsextremem und rassistischem Gedankengut unter den Schülern und Schülerinnen?

Unsere Schule ist glücklicherweise eine sehr offene und vorurteilsfreie Schule. Probleme mit Rechtsextremismus oder damit verwandtem Gedankengut gibt es bei uns eigentlich nicht.

Ein wichtiger Bestandteil Ihres Sommerfestes ist die Musik. Leider spielt Musik bei der „Rekrutierung“ neuer Mitglieder für die rechte Szene eine Schlüsselrolle. Ist die Gefahr, die von rechtsextremer Musik ausgeht, ein Thema an Ihrer Schule? Sprechen die Lehrer mit Ihnen und Ihren Mitschülern darüber?

Natürlich wird das Problem Rechtsextremismus in Fächern wie Ethik, Sozialkunde oder Geschichte thematisiert, doch leider reicht in der Regel einfach nicht die Zeit, um ein so vielschichtiges Problem in angemessenem Maße zu behandeln. Das Thema der rechtsextremen Musik im Speziellen war allerdings so nie Thema in meiner Schulzeit.

Eines der Ziele des Festes ist es ja, das Interesse der Jugendlichen an Politik zu wecken. Wie wird denn eigentlich das Thema Demokratie an Ihrer Schule vermittelt?

Ich würde sagen, dass an unserer Schule auf jeden Fall die Möglichkeit besteht, Demokratie zu leben. Unser Schülerrat zum Beispiel ist aus einer Idee und ein paar Aktivisten, zu denen auch ich gehörte, entstanden. Heute, vier Jahre später, ist der Schülerrat eine fest etablierte Größe an unserer Schule, die an wichtigen Entscheidungen beteiligt ist. Natürlich ist es manchmal anstrengend und manchmal muss man auch Rückschläge hinnehmen oder Kompromisse eingehen, aber das ist ja gerade Demokratie. Vermittelt wird das Thema Demokratie aber natürlich auch relativ theoretisch im Sozialkundeunterricht. Obwohl wir an unserer Schule sehr gute Möglichkeiten haben, Demokratie zu leben, muss ich allerdings auch sagen, dass es viele Schüler gibt, die einfach nicht daran interessiert sind, ihre Möglichkeiten zu nutzen.

Wie war die Resonanz der Schüler und Lehrer auf „Rock gegen Rechts 2008“, und was erhoffen Sie sich für dieses Jahr?

Wir haben durchweg positives Feedback bekommen, sowohl von Schülern, Lehrern als auch von allen anderen Beteiligten. Ich habe beispielsweise mit vielen Leuten gesprochen, die die Kombination von lockerer Festival-Atmosphäre und der tiefgründigen Aufklärungsarbeit der anwesenden Organisationen gut und ansprechend fanden. Für das kommende „Rock gegen Rechts“ haben wir uns natürlich vorgenommen, den Standard mindestens zu halten. Das eigentliche Ziel ist aber, noch mehr Menschen zu erreichen und für Arbeit im antifaschistischen Bereich zu begeistern.

Planen Sie über das Sommerfest hinaus noch weitere Projekte zum Thema Rechtsextremismus und Rassismus?

Mittelfristig planen wir, die vierte Jenaer „Schule Ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu werden.

 

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