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Sommersonnenwende ohne Nazis

Sonnenwende, briaxis, cc, via Flickr

Das Fest zur Sommersonnenwende ist ein Ereignis, welches aufgrund seines heidnisch- germanischen Ursprungs gerne von Neonazis instrumentalisiert wird. Im strukturschwachen Dreiländereck Niedersachsen-Thüringen-Hessen möchte aktiv e.V. dem entgegentreten und veranstaltet ein von der Amadeu Antonio Stiftung gefördertes Rock-gegen-Rechts-Konzert.

In ein paar Tagen ist Sommersonnenwende. Schön! Es ist lange hell, Menschen sitzen bis spät in die Nacht draußen, die Stimmung ist auf dem Höchstpunkt. Doch wenn Neonazis die einzigen sind, die auf dem Dorf oder in der Kleinstadt an einem solchen Tag ein Fest anbieten, ist das weniger schön. Im Dreiländereck Niedersachsen-Thüringen-Hessen in der schönen Landschaft zwischen Harz und Thüringer Wald gewinnen Rechtsradikale immer mehr an Öffentlichkeit. Der einflussreiche thüringer NPDler Thorsten Heise ist 2009 in den Eichsfelder Kreistag eingezogen und betreibt ein rechtes Zentrum mit Verlag und Schulungsräumen. Am 17. Juli steht die Vereinsteigerung einer alten Mühle an, bei der die NPD ebenfalls mitbieten will.

Mit Musik gegen Rechts

„In der Region werden viele neonazistische Veranstaltungen durchgeführt“, erzählt Helmut Windolph von aktiv e.V. Manche würden als Familienfeste, andere als Kameradschaftstreffen ausgerichtet. Die Sonnenwende sei ein Datum, das besonders missbraucht werde um „Germanentum“ zu zelebrieren und neue Anhänger zu gewinnen. „Die Menschen, gerade die Jugendlichen, müssen über rechte Strukturen aufgeklärt werden“, sagt Windolph. Da jedoch über eine reine Infoveranstaltung nicht viel Publikum zu gewinnen wäre, kombiniert der Verein politische Bildung und musikalische Unterhaltung. So sind zwischen Konzerten aus den Bereichen Indie-Rock, Punk und Liedermacher kurze Diskussionsphasen mit dem Rechtsextremismusexperten Rüdiger Bender geplant.

Zivilgesellschaftliche Strukturen unterstützen

Das Konzert am Samstag dem 19. Juni in Heiligenstadt, welches von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird, ist der Auftakt zum weiteren Engagement des neu gegründeten Vereins. Aktiv e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen zu fördern und zu bilden, damit sie Rechtsextremismus erkennen und ihm entgegentreten – und ist hiermit der erste in der Region. Einige demokratische Parteien wie Grüne und SPD haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, das Bündnis soll aber noch breiter werden. Für die Zukunft sind Lesungen, Workshops und größere Open-Air-Konzerte geplant. Jugendliche sind dabei nicht nur Zielgruppe der Veranstaltungen, sie arbeiten auch aktiv mit. Demnächst organisieren junge Vereinsmitglieder ein Techno-Konzert und einen Bandkontest für bisher unbekannte Bands aus der Region. Der Verein möchte so zu einem festen Bestandteil der Zivilgesellschaft werden und als Verknüpfungspunkt für alle dienen, die sich gegen rechts engagieren.

Von Lisa Doppler

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