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Statement zum Antisemitismus-Beauftragten

Antisemitismus lässt sich nicht abschieben!
Amadeu Antonio Stiftung fordert konsequente Auseinandersetzung mit Ursachen von Antisemitismus

Die Amadeu Antonio Stiftung begrüßt den heute durch den Bundestag beschlossenen Antrag auf Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten. Die Vorsitzende der Stiftung, Anetta Kahane, erklärt dazu:

„Der Antisemitismusbeauftragte sollte eine Inspiration für die gesamte Politik der Bundesregierung sein. Die Zivilgesellschaft wird die Entwicklung hier kritisch beobachten und begleiten. Antisemitismus in all seinen heutigen Formen wahrzunehmen, ist die Voraussetzung dafür, ihn richtig zu interpretieren und angemessen zu handeln. Bisher galt die Idee, dass vor allem die Aufklärung über den Holocaust Antisemitismus bekämpfe – ein folgenschwerer Irrtum, der die Ursachen von Antisemitismus völlig vernachlässigte.

Auch jetzt wird die Diskussion um Antisemitismus dazu missbraucht, das Problem auf Migranten abzuwälzen – statt sich weitverbreiteten Israelhass, Querfrontbewegungen und Verschwörungstheorien in Deutschland anzuschauen. Antisemitismus kann man nicht abschieben. Wer diesen als Vorwand nutzen will, um Geflüchtete ausweisen, sollte klar benennen, wohin er die deutschen Antisemiten ausbürgern möchte.

Doch Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft ist eine neue, zusätzliche Herausforderung. Insbesondere Antisemitismus in muslimisch geprägten Milieus trägt zum Anwachsen des Gefühls bei, dass wieder alles über Juden gesagt werden kann. Der Fehler der Vergangenheit, Juden beim Thema Antisemitismus nicht einzubeziehen, weil sie betroffen sind, darf nicht wiederholt werden. Um Antisemitismus zu verhandeln, ist die jüdische Perspektive zentral.“

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