von Annika Stange im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung
Für diesen Newsletter haben wir das Tool „Myth-O-Meter“ getestet, das dabei unterstützt, manipulative Mechanismen besser zu erkennen und eine klare Haltung gegenüber Verschwörungserzählungen zu entwickeln. Das Online-Tool wurde von Modus zad entwickelt und durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.
Das Myth-O-Meter orientiert sich am bekannten Format des Wahl-O-Mats. Statt jedoch mögliche Übereinstimmungen mit politischen Parteien aufzuzeigen, macht das Tool auf potenziell anschlussfähige Verschwörungsmythen aufmerksam und ermöglicht so eine kritische Auseinandersetzung mit deren Inhalten und Mechanismen.
Der erste Teil des Myth-O-Meters besteht aus 20 Aussagen, bei denen jeweils der Grad der eigenen Zustimmung angegeben werden soll. Im Mittelpunkt stehen dabei menschliche Grundbedürfnisse, die insbesondere im Zusammenhang mit Manipulation und Verschwörungsnarrativen eine wichtige Rolle spielen – etwa das Bedürfnis nach klaren Antworten, Orientierung oder Kontrolle.
Die anschließende Auswertung gliedert sich in zwei Bereiche. Zunächst werden jene Bedürfnisse näher betrachtet, über die potenziell Einfluss auf Nutzende ausgeübt werden könnte.Zu jedem Bedürfnis liefert das Tool eine wertschätzende Einordnung der eigenen Ergebnisse, zeigt mögliche Chancen und Risiken auf und gibt Hinweise für einen reflektierten Umgang damit.
Im zweiten Teil richtet sich der Blick auf konkrete Verschwörungsmythen. Diese sind in verschiedene Themenfelder unterteilt, darunter Politik, Sündenbock-Narrative, Überwachung und Kontrolle, Gesundheit und Medizin sowie Klima. Zu jedem Themenblock bietet das Myth-O-Meter zunächst eine allgemeine Einordnung der jeweiligen Erzählungen. Anschließend werden typische manipulative Mechanismen erläutert, die hinter diesen Narrativen wirken können. Ergänzend gibt es praktische Hinweise zum Umgang damit sowie weiterführende Quellen zur Vertiefung.
Bereits der erste Teil des Tools bietet eine interessante Möglichkeit, sich mit den eigenen Bedürfnissen und möglichen Ansprechpunkten für manipulative Kommunikation auseinanderzusetzen. Die Beantwortung der Fragen setzt dabei durchaus ein gewisses Maß an ehrlicher Selbstreflexion voraus.
Der Auswertungsteil besteht überwiegend aus Textfeldern und ist daher nur eingeschränkt interaktiv. Die Inhalte sind jedoch übersichtlich gegliedert und durch ausklappbare Elemente gut strukturiert, sodass auch größere Textmengen gut lesbar bleiben. Positiv hervorzuheben ist zudem die direkte Ansprache der Lesenden, durch die ein persönlicher Bezug zu den Inhalten entsteht.
Insgesamt ist das Myth-O-Meter ein spannendes Tool, um die psychologische Anziehungskraft von Verschwörungsmythen, ihre manipulativen Strategien und mögliche gesellschaftliche Auswirkungen besser zu verstehen. Gleichzeitig regt es dazu an, den eigenen Umgang mit Unsicherheiten, Bedürfnissen und Informationsangeboten kritisch zu reflektieren.
Damit eignet sich das Myth-O-Meter gut für den Einsatz in der (außer-)schulischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass das Tool recht komplex ist: Es verbindet auf einer theoretischen Ebene eine inhaltliche Einordnung von einzelnen Verschwörungsmythen, sowie deren allgemeine Wirkmechanismen, mit der persönlichen Ebene in Form von möglichen sozialpsychologischen Bedürfnissen und Anknüpfungspunkten der Nutzenden. Für Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Verschwörungsdenken beschäftigen, ist es daher möglicherweise weniger als Einstieg geeignet.
Für alle, die neugierig geworden sind: Hier geht es zum Myth-O-Meter. Ein Selbsttest lohnt sich in jedem Fall!


