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Zwischen Unsicherheit und neuen Möglichkeiten: Jugendarbeit in Zeiten von Corona 

Von den Pfadfinder*innen noch vor Corona gestaltet: Mauer zum Thema rechte Gewalt. Copyright: Bildwerk Rostock

Was macht die Pandemiesituation mit dem Engagement gegen Rechtsextremismus? Wie reagieren rechtsextreme Strukturen auf den Virus? Diese Fragen standen vor Mitte März nicht gerade auf der Agenda des Projektes „Hirnkick gegen Rechtsextremismus“ des Bundes Deutscher PfadfinderInnen Mecklenburg-Vorpommern (BDP MV). Das hat sich jetzt geändert.

Aber was geschah davor? Als Mecklenburg-Vorpommern 2019 durch Razzien gegen das „Nordkreuz Netzwerk“ in die Schlagzeilen geriet, wurde das Projekt „Hirnkick gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Ziel des PfadfinderInnenbunds ist es, mit 15 Veranstaltungen die Verflechtungen von rechtsextremen Strukturen und Sicherheitsbehörden kritisch zu beleuchten und für Öffentlichkeit und Aufklärung in Mecklenburg-Vorpommern zu sorgen. Der BDP MV ist ein unabhängiger, offener und demokratischer Jugendverband, der sich für selbstbestimmte und selbstverwaltete Jungendarbeit einsetzt.

Im Februar startete in Rostock und Greifswald eine Veranstaltungsreihe zu den „Nordkreuz-Prozessen“. Gemeinsam mit NSU-Watch, die den Nordkreuz Prozess von Anfang an begleiteten, sollte eine kritische Nachbetrachtung des Prozesses stattfinden. Zudem fuhr eine Gruppe Jugendlicher nach Köln, um sich „Franco’s Herrmannsschlacht“ des Nö Theater anzuschauen, die von Franco A. handelt. Die Jugendlichen begannen, darüber nachzudenken, wie eine künstlerische Aufarbeitung des Nordkreuz-Netzwerks aussehen könnte. Einige Ideen, welche Veranstaltungen sie außerdem im Rahmen von „Hirnkick gegen Rechtsextremismus“ organisieren wollten, hatten sie bereits entwickelt. Doch diese Überlegungen fanden durch die Ausbreitung des Corona-Virus ein abruptes Ende. Nach der Auftaktveranstaltung ihrer geplanten Veranstaltungsreihe macht sich nun eine große Unsicherheit breit.

Kontaktbeschränkungen gerade im ländlichen Raum herausfordernd

Es seien kaum Planungen möglich, erklärt Marieke, Geschäftsleitung beim BDP für das Projekt „Hirnkick gegen Rechtsextremismus“. „Es erweckt sich der Eindruck, dass es keine anderen Themen mehr gibt und alles irgendwie mit der Pandemie zu tun hat“. Marieke erklärt, dass besonders die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen für Jungendgruppen ein großes Thema seien. Es werde breit diskutiert, ob Vorträge im Rahmen von „Hirnkick gegen Rechtsextremismus“ als Online Angebote geplant und einfach ins Netz übertragen werden können. „Wenn jede_r für sich alleine zu Hause Vorträge anschaut, geht jedoch vieles an Vernetzung verloren, die wir in Mecklenburg-Vorpommern brauchen“ betont Marieke. Insbesondere durch die fehlende Digitalisierung im ländlichen Raum werden Jugendliche ausgeschlossen und abgehängt, die keinen einfachen Internetzugang haben.

Obwohl Anfahrtsprobleme durch digitale Treffen überwunden werden könnten, betont Marieke, dass Jungendclubs als wichtiger Anlaufpunkt unersetzbar seien, um sich gemeinsam zu vernetzen. „Engagiertes Auftreten gegen Rechtsextremismus, wie wir es gewohnt sind, ist momentan nicht möglich.“ Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sind alle bestrebt, das Beste aus der Situation zu machen. Ziel sei es, dass sich zumindest in Bildungsveranstaltungen nicht alles nur um das Virus drehe: „Wir verfolgen die aktuellen Themen, die Freiheitseinschränkungen, und sind gespannt, welche politischen Folgen das haben kann und wird“.

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