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Zwischen Wahlkampf und Einschüchterung: Demokratiearbeit in Rheinland-Pfalz

Vor der Landtagswahl am 22. März 2026 gewinnt die AfD in Rheinland-Pfalz an Zustimmung – und an Präsenz im ländlichen Raum. Mit neuen Treffpunkten und strategischer Vernetzung versucht sie, sich dauerhaft zu verankern. Doch vielerorts formiert sich Widerstand: Engagierte verteidigen demokratische Räume – oft unter wachsendem Druck.

Von Luisa Gerdsmeyer

Am 22. März 2026 wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Während SPD und CDU um Platz eins kämpfen, liegt die rechtsextreme AfD in Umfragen seit Monaten stabil auf dem dritten Platz, aktuell bei rund 18 Prozent. Damit steuert die Partei auf ein Rekordergebnis in Rheinland-Pfalz zu. Bei der letzten Landtagswahl war sie noch bei 8,3 Prozent gelandet.

Für die AfD hat Rheinland-Pfalz eine besondere strategische Bedeutung. Das ländlich geprägte Bundesland ist eines der westdeutschen Gebiete, in denen sie sich in der Fläche stärker verankern will. Für die Landtagswahlen 2026 in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hat die Partei eine sogenannte „Taskforce Südwest“ ins Leben gerufen und möchte ihre angestrebten Erfolge im Südwesten auf weitere westdeutsche Bundesländer übertragen. Die wachsende Bedeutung des Bundeslandes zeigt sich auch in der Präsenz bundesweiten AfD-Spitzenpersonals, das im rheinland-pfälzischen Wahlkampf auftritt. Besonders in strukturschwachen Gegenden versucht sie, gesellschaftliche Lücken zu füllen und eigene Angebote zu schaffen – oft dort, wo es nur wenige Orte gibt, an denen Menschen überhaupt zusammenkommen.

Raumnahme als Strategie: Der „Treffpunkt Nordpfalz“ in Gauersheim

Wie die AfD versucht, sich solche Räume zu erschließen, lässt sich in Gauersheim beobachten, einem kleinen Ort im Donnersbergkreis. Dort eröffnete die Partei im Juli 2025 ihren „Treffpunkt Nordpfalz“, einen Veranstaltungs- und Vernetzungsort. Angemietet und betrieben wird der Treffpunkt von lokalen rheinland-pfälzischen AfD-Politiker*innen. Von Bedeutung für das Projekt und die Strategie der Raumnahme in ländlichen Gebieten von Rheinland-Pfalz ist ein Netzwerk rund um den rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier. Ihr Ziel: als Partei im ländlichen Raum präsent sein, Anlaufstellen schaffen und die AfD in der Fläche verankern. Auch in den Räumen Kaiserslautern, Kusel und Birkenfeld sollen ähnliche Zentren entstehen.

In Gauersheim lässt sich auch beobachten, wie einschüchternd eine solche Präsenz wirken kann. Als die AfD im Oktober 2025 zu einem Bürgerdialog in ihrem Treffpunkt einlädt, organisieren Engagierte auf dem Marktplatz eine alternative Diskussionsveranstaltung, um demokratische Räume vor Ort zu gestalten und aufrechtzuerhalten. Als die AfD-Vertreter*innen und Anhänger*innen eintreffen, werden die Engagierten von diesen bedrängt, gefilmt und zum Teil körperlich angegangen. Eine Frau berichtet, es habe sich angefühlt wie „ein richtiger Einmarsch“, als AfD-Anhängerinnen mit Deutschlandfahnen durch den kleinen Ort zogen. Der Bürgermeister schildert seit dem Vorfall eine angespannte Lage im Dorf. Manche Bewohner*innen hätten Angst, das Haus zu verlassen, wenn AfD-Veranstaltungen in Gauersheim stattfinden.

Verflechtungen ins rechtsextreme Vorfeld

Expert*innen und Engagierte beobachten eine enge Verflechtung der AfD mit rechtsextremen Vorfeldorganisationen. Figuren des extrem rechten Spektrums tauchen im Wahlkampf auf – etwa der Dortmunder AfD-Politiker Matthias Helferich, gegen den wegen Äußerungen neonazistischen Gedankenguts ein Parteiausschlussverfahren läuft, oder die rechtsextreme Liedermacherin Julia Juls, die bei einem Wahlkampfauftritt der AfD in auf der Bühne stand. Auch neonazistische Strukturen wie der „III. Weg“ oder Jugendgruppen der „Jungen Nationalisten“ (Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“) gewinnen in Rheinland-Pfalz an Zulauf. Vieles davon ist keine neue Entwicklung – doch die steigende Zustimmung zu rechtsextremen Parteien verschiebt die gesellschaftliche Stimmung und vergrößert die Handlungsspielräume dieser Gruppen.

Wenn Ehrenamt politisch angegriffen wird

Für Engagierte in Rheinland-Pfalz sind die Entwicklungen deutlich spürbar. Einschüchterung und Übergriffe nehmen zu. Zwei Beispiele aus den letzten Monaten: Auf dem Weihnachtsmarkt in Zweibrücken wurden Engagierte am Stand der „Omas gegen Rechts“ mit AfD-Merchandise beworfen, und der Stand mit rechtsextremen Stickern beschädigt. Musiker*innen der Pfälzer Band „Anonyme Giddarischde“, die bei einer Demonstration gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung auftraten, sahen sich massiven Anfeindungen ausgesetzt und kündigten an, sich von politischem Engagement vorerst zurückzuziehen.

Gleichzeitig formiert sich neuer Gegenwind und demokratische Bündnisse werden gestärkt. Viele Engagierte berichten, dass sich mehr Menschen zusammenschließen, sich vernetzen und gemeinsam demokratische Räume verteidigen, in denen rechtsextreme Ideologien keinen Platz haben. Wir haben mit Engagierten aus verschiedenen Regionen in Rheinland-Pfalz gesprochen – über ihre Arbeit, die Entwicklungen vor Ort und darüber, was ihnen Mut und Hoffnung gibt, um weiterzumachen.

Lang gewachsene Strukturen im Westerwald

Im Nordosten von Rheinland-Pfalz liegt der Westerwald – eine Region, in der rechtsextreme Strukturen seit Jahrzehnten verankert sind. Der Verein Demos e.V. ist hier aktiv, mit Recherchen zu rechtsextremen Strukturen, politischer Bildungsarbeit und Unterstützung für Menschen, die sich in ihren Orten für demokratische Werte einsetzen möchten.

„Im Westerwald gibt es eine lange Tradition rechtsextremer Organisierung“, sagt Jana aus dem Team von Demos e.V. „Anfang der 2000er Jahre war hier die ‚Kameradschaft Westerwald‘ aktiv, eine sehr gewalttätige neonazistische Gruppierung, die eng mit der NPD verknüpft war. Nach ihrer Auflösung 2005 war es etwas ruhiger – bis 2015 eine neue rechtsextreme Mobilisierungswelle in der Region startete.“ Unter dem Titel „Bekenntnis zu Deutschland“ organisierte 2015 ein damaliges AfD-Mitglied eine Reihe rechtsextremer und rassistischer Demonstrationen, die schnell sehr hohe Teilnehmendenzahlen erzielten – auch in kleinen Ortschaften. Mit dabei: militante Rechtsextreme wie der „III. Weg“ und Personen aus dem früheren Umfeld der „Kameradschaft Westerwald“. Zwar formierte sich ein breiter zivilgesellschaftlicher Protest, doch er blieb nicht dauerhaft stabil. Als Reaktion darauf gründete sich 2016 der Verein Demos e.V. „Die Lehren aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre waren für uns, dass es Akteur*innen braucht, die langfristig und nachhaltig vor Ort aktiv sind, stabile demokratische Bündnisse aufbauen und Recherche- und Bildungsarbeit leisten. Das haben wir uns zum Ziel gesetzt“, erzählt Jana.

Eine der größten Erfolge der Engagierten im Westerwald war der Widerstand gegen die „Fassfabrik“ in Hachenburg, ein rechtsextremes Zentrum, das 2019 eröffnet wurde. Das Gebäude wurde von Rechtsextremen angemietet, diente als Veranstaltungsort für AfD, den „III. Weg“ und weitere Gruppierungen und sollte als „Leuchtturmprojekt“ der Szene in Westdeutschland fungieren. Demos e.V. dokumentierte von Beginn an die Aktivitäten rund um das Zentrum und startete gemeinsam mit lokalen Initiativen, Kultureinrichtungen, Kommunalpolitik und Gewerbetreibenden eine breit getragene Kampagne dagegen. Gemeinsam mit zahlreichen Einzelpersonen und Organisationen veröffentlichten sie Anfang 2024 die Hachenburger Erklärung, die sich klar gegen die rechtsextreme Präsenz vor Ort positionierte. „Nach einer Großrazzia wegen eines neonazistischen Kampfsportevents in der ‘Fassfabrik’ konnten wir Ende 2024 schließlich einen riesigen Erfolg erzielen“, erzählt Jana. „Eine Investor*innengruppe kaufte das Gebäude, unter der Bedingung, dass alle Mieter*innen ausziehen müssen. Damit war das ‚Leuchtturmprojekt‘ der Neonazis im Westerwald Geschichte.“

Diffamierung als Strategie

Nach dem Ende der Fassfabrik musste sich die AfD im Westerwald teilweise neu aufstellen. Seitdem tritt sie mit neuem Personal und zunehmend aggressiven Strategien auf – weiterhin eng vernetzt mit rechtsextremen Akteuren, darunter Kader der ehemaligen Revolte Rheinland, einer Nachfolgeorganisation der Identitären Bewegung. „Wir rechnen damit, dass die AfD ihre Stimmenanteile deutlich erhöhen wird“, sagt Jana. „Und wir merken schon jetzt, dass mit dieser Stärke die Anfeindungen gegen uns zunehmen.“ Seit September 2025 stellte die AfD acht Kleine Anfragen im rheinland-pfälzischen Landtag zu Demos e.V., in denen sie den Verein mit „Linksextremismus“ und vermeintlicher Gewaltbereitschaft in Verbindung bringt, seine Arbeit diskreditiert oder seine Förderung infrage stellt. Gleichzeitig reisten rechtsextreme YouTuber in den Westerwald, um den Verein gezielt zu diskreditieren. Sie drehten ein diffamierendes Video, versuchten über anonyme Anrufe private Informationen über Engagierte zu erlangen und tauchten bei deren Arbeitgeber*innen auf, um diffamierende Interviews über die Betroffenen zu filmen.

„Angriffe auf unsere Arbeit kennen wir seit Jahren“, meint Jana. „Aktuell erleben wir aber eine starke Zuspitzung.“ Nach Einschätzung von Demos e.V. führt die AfD einen besonders aggressiven Wahlkampf in der Region. Dass die Abschlusskundgebung des Wahlkampfes im Westerwald stattfinden soll, zeigt für die Engagierten: Die Region gilt der AfD als Schlüsselgebiet, sowohl wegen ihrer ländlichen Prägung als auch aufgrund historisch gewachsener Netzwerke zwischen verschiedenen rechtsextremen Akteur*innen.

Trotz aller Anfeindungen erleben die Engagierten auch mutmachende Gegenbewegungen. „In vielen kleinen Orten, in denen Rechtsextreme Einfluss zu nehmen versuchen, werden Menschen aktiv“, erzählt Jana. Dorfgemeinschaften schließen sich zusammen, gründen neue Initiativen und organisieren Protest. Demos e.V. unterstützt diese Gruppen mit Erfahrung und Wissen, hilft bei der Vernetzung und Entwicklung eigener Aktionsformen. Immer mehr dieser jungen Initiativen arbeiten zusammen, um demokratische Räume zu behaupten und solidarisches Zusammenleben im Westerwald zu verteidigen.

Rheinhessen und Nordpfalz: Jugendarbeit unter Rechtfertigungsdruck

Auch in der Region Rheinhessen und der Nordpfalz ist die rechtsextreme Szene seit Jahren präsent, doch sie wird sichtbar jünger, aktiver und selbstbewusster. Engagierte beobachten einen deutlichen Zulauf vor allem sehr junger Neonazis.

Anne-Sophie engagiert sich im Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP) Rheinland-Pfalz, einem Jugendverband, der politische Bildung, Begegnungs- und Beteiligungsprojekte organisiert. „Die Jugendarbeit hat es generell schwer in Rheinland-Pfalz – sie ist im Vergleich zu anderen Bundesländern schlecht finanziert und prekär aufgestellt“, sagt sie. „Gleichzeitig erleben wir immer mehr Misstrauen, wenn wir Jugendarbeit mit politischem Anspruch machen. Wir sind eher pessimistisch, dass sich das nach den Landtagswahlen verbessert.“

Der Verband beteiligt sich aktuell an Aktionen und Demonstrationen im Kontext der Landtagswahlen, arbeitet als Teil des Landesjugendrings an jugendpolitischen Forderungen und führt im Landkreis Bad Kreuznach als Teil des Kreisjugendrings Formate durch, in denen Jugendliche mit demokratischen Politiker*innen ins Gespräch kommen. Über die Wahlen hinaus wollen sie junge Menschen darin bestärken, kritisch zu denken, gesellschaftliche Zustände zu hinterfragen und sich aktiv einzubringen.

Auch Nico engagiert sich ehrenamtlich beim BDP Rheinland-Pfalz und kommt aus Alzey. Dort gründete er gemeinsam mit Mitschüler*innen das OAT Alzey. Rechtsextreme Akteur*innen rufen hier regelmäßig zu Aufmärschen auf, zu denen überregional mobilisiert wird. Gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen organisiert das OAT Alzey Gegendemonstrationen gegen die mittlerweile fast quartalsweise stattfindenden Neonazi-Aufmärsche in der Stadt. Zugleich befindet sich die Gruppe in einem Prozess, darüber hinaus aktiv zu werden – mit politischen Bildungsangeboten und kreativen Projekten, in denen Jugendliche sich vernetzen und eigene Aktionen entwickeln können. Auch an ihren Schulen sind die Engagierten aktiv, etwa angesichts einer geplanten Podiumsdiskussion zur Landtagswahl, bei der die AfD teilnehmen soll. „Wir wollen mit Flyern und Gesprächen aufklären, welche menschenfeindlichen Ideologien die AfD vertritt und wie gefährlich es ist, ihr an der Schule eine Bühne zu geben“, sagt Nico.

Die Normalisierung rechtsextremer Ideologien spüren die Engagierten täglich. Gegen Rechtsextremismus engagierte Gruppen geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Das Jugendzentrum der Stadt, in dem sich das OAT lange traf, warf die Gruppe raus, weil diese sich „zu politisch“ positioniert habe. Trotz dieser Entwicklungen blickt Nico auch optimistisch auf die kommende Zeit: „Wir merken, dass immer mehr junge Menschen in Alzey Lust haben, selbst politisch aktiv zu werden, auch weil es darum geht, ihre eigene Zukunft in der Region mitzugestalten.“

Nordpfälzer Bergland

Im Nordpfälzer Bergland rund um die Stadt Kusel ist Basti gemeinsam mit dem Team des „Kein Bock auf Nazis Festivals“ aktiv. Jedes Jahr organisieren sie ein Festival, das in der ländlich geprägten Region ein sichtbares Zeichen gegen Rechtsextremismus setzt. Für viele, die im Alltag aufgrund ihrer Haltung unter Druck stehen, bietet das Festival einen Ort, an dem sie sich vernetzen, stärken und neuen Mut schöpfen können.

Doch das Engagement der Gruppe beschränkt sich nicht auf das Festival. „Der AfD-Kreisverband Kusel ist in Rheinland-Pfalz ein besonders aktiver“, erzählt Basti. „Wir merken gerade im Landtagswahlkampf, dass die AfD stark auf diese Gegend setzt.“ Bei zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen in der Region – etwa auch in Idar-Oberstein, wo der große Wahlkampfauftakt mit Alice Weidel und Tino Chrupalla stattfand – sind Basti und seine Mitstreiter*innen präsent und treten mit Kundgebungen, Info- und Aktionsständen für demokratische Werte ein. In den nächsten Wochen rechnen sie mit noch stärkerer rechtsextremer Präsenz. Immer wieder erleben die Engagierten, wie Rechtsextreme auch in kleinen Orten in der Region Präsenz zeigen. Bei manchen Gegenveranstaltungen sind sie zahlenmäßig in der Minderheit. „Für uns ist aber immer klar, dass es keine Alternative dazu gibt, hier zu stehen, auf die Straße zu gehen und Gesicht zu zeigen“, meint Basti.

Trotz oder wegen der Anfeindungen: Vernetzung über Landesgrenzen hinweg

Ihr Engagement hat jedoch einen hohen persönlichen Preis. Die Gruppe erlebt regelmäßige Anfeindungen, auch Basti selbst wird im öffentlichen Raum immer wieder beleidigt oder beschimpft. In seinem persönlichen Umfeld tauchen immer wieder Sticker mit Diffamierungen auf. Trotz dieser Anfeindungen wächst in Rheinland-Pfalz derzeit ein solidarisches Netzwerk. Viele Aktive aus unterschiedlichen Orten unterstützen sich gegenseitig, reisen zu Veranstaltungen der jeweils anderen Gruppen und bauen so Verbindungen auf, die auch nach den Landtagswahlen bestehen bleiben sollen. Basti und sein Team planen rund um die Landtagswahlen eine Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Konzerten und Diskussionen. Sie wollen über die Gefahren von Rechtsextremismus aufklären und gemeinsam Gegenstrategien entwickeln und diskutieren. Besonders wichtig ist ihnen der Austausch mit Initiativen und Engagierten aus ostdeutschen Bundesländern, wo die Normalisierung rechtsextremer Ideologien vielerorts noch weiter fortgeschritten ist. Basti ist dafür selbst viel unterwegs, um sich vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. „Ich finde es immer wieder beeindruckend und inspirierend, mit wie viel Mut und Durchhaltevermögen Menschen auch in anderen ländlichen Regionen Deutschlands trotz massiven Gegenwinds weiterkämpfen und kreative Wege finden, sich Rechtsextremen entgegenzustellen“, erzählt er.

Ein zentrales Anliegen der Aktiven im Raum Kusel ist es daher, zu einer lebendigen Gegenkultur beizutragen: Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, sich sicher fühlen und demokratisches Miteinander erfahren können – gerade in einer Region, in der rechtsextreme Haltungen oft bagatellisiert oder geduldet werden und viele davor zurückschrecken, sich klar zu positionieren.

Koblenz: Pride zwischen Solidarität und Sorge

In Koblenz engagiert sich das Team der Pride Koblenz für queere Sichtbarkeit in der Stadt. Gemeinsam mit vielen weiteren Aktiven und Initiativen beteiligen sie sich an der Organisation des jährlichen CSD und veranstalten die Pride Weeks im Voraus. Das Team besteht aus queeren Menschen und Allies und sieht seine Aufgabe darin, Sichtbarkeit zu schaffen und Menschen zusammenzubringen. „Direkte Anfeindungen oder Angriffe gab es rund um die Pride 2025 glücklicherweise kaum“, erzählt Marcel aus dem Team der Pride Koblenz. „aber im Alltag und bei einzelnen Veranstaltungen merken wir immer wieder, wie die Stimmung kippen kann. In der queeren Bar „Kurioos“, in der mehrere Personen aus unserem Team arbeiten, kam es in letzter Zeit immer häufiger zu abwertenden Kommentaren oder kleineren Angriffen.

Hinsichtlich der Landtagswahlen beschäftigen die Engagierten nicht nur konkrete Wahlergebnisse, sondern die gesellschaftlichen Verschiebungen, die dahinterstehen, wie Marcel deutlich macht: „Die Akzeptanz von Hass gegenüber Minderheiten nimmt zu, und damit sinkt auch die Hemmschwelle für verbale oder körperliche Gewalt. Eine stärkere rechtsextreme AfD-Fraktion kann diese Entwicklung weiter normalisieren. Für unsere Arbeit würde das bedeuten, dass queere Sichtbarkeit stärker hinterfragt wird, dass Menschen verunsicherter werden und dass wir häufiger erklären müssen, warum Schutz, Räume und Präsenz überhaupt notwendig sind.“

Was den Engagierten Hoffnung gibt, sind die starken Allianzen in der Stadt und die vielen Menschen, von denen sie Unterstützung erfahren. „Das sind häufig auch Menschen, die vielleicht selbst nicht queer sind, aber ganz selbstverständlich hinter der Pride stehen. Diese breite Unterstützung zeigt uns immer wieder, dass queeres Leben kein Randthema ist, sondern fest zu dieser Stadt und zu Rheinland-Pfalz gehört“, so Marcel.

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PfD_Unsplash_Christian Lue

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