Kein Ort der Freiheit - Das Tempelhofer Feld 1933-1945

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„Kein Ort der Freiheit- Das Tempelhofer Feld 1933-1945“

Foto: Mai Le, via flickr, cc

 

Die Debatte um die weitere Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes in Berlin, lässt die geschichtsträchtige Vergangenheit und die Rolle des Gebietes innerhalb des nationalsozialistischen Systems, häufig außen vor. Dies möchte die Geschichtswerkstatt Berlin mit einer informativen Broschüre ändern.

Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist für einen Großteil der Berliner Bevölkerung unmittelbar mit der Luftbrücke verbunden und als „Tor zur Freiheit“ im kollektiven Bewusstsein verankert. Die Bilder der „Rosinenbomber“, welche den westlichen Teil der Stadt in den Jahren 1948/1949 mit Lebensmitteln und ähnlichem aus der Luft versorgten, sind vielen im Gedächtnis präsent. Nach der Stilllegung des Flughafens war diese riesige, freie Fläche inmitten der dicht besiedelten Großstadt in den letzten Jahren immer wieder Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen über die zukünftige Nutzung. Wurde das Gelände in der jüngeren Vergangenheit überwiegend als Firmensitz genutzt und für zahlreiche Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, so dass es eher einen Eventcharakter erhielt, bemüht sich der „ Förderverein für ein Gedenken der NS-Verbrechen auf und um das Tempelhofer Flugfeld e.V.“ um eine aktive Gedenkkultur und legt mit der Broschüre „Kein Ort der Freiheit- Das Tempelhofer Feld 1933- 1945“ mehrere Beiträge zur Debatte vor.
 
Masseninszenierungen auf dem Tempelhofer Feld

Die Broschüre vereint eine Zusammenfassung von Vorträgen des Fördervereins und wurde mit finanzieller Unterstützung unter anderem durch die Amadeu Antonio Stiftung von der Berliner Geschichtswerkstatt e.V. im März 2012 herausgegeben. In ausführlichen Artikeln befassen sich mehrere Autoren mit der Vergangenheit des Geländes; dabei werden die militärische Nutzung, das 1933 auf dem Tempelhofer Feld errichtete Konzentrationslager, die Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion und die Rolle des Flughafens für das NS-System thematisiert.

Dem Flughafen kam innerhalb der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie eine besondere Rolle zu. So wurde er regelmäßig für Aufmärsche und Masseninszenierungen genutzt. Zwischen 1933- 1936 gab es ein Konzentrationslager auf dem Gelände, in dem bis zu 10.000 Häftlinge unter menschenunwürdigen Umständen lebten und jederzeit von Krankheit oder Tod bedroht waren. Darunter auch der KPD- Vorsitzende Ernst Thälmann, der Rabbiner Leo Baeck und der Gewerkschafter Hans Böckler.

Mangelndes öffentliches Bewusstsein für die Vergangenheit

In der öffentlichen Nutzungsdiskussion spielt diese Vergangenheit des Geländes jedoch kaum eine Rolle, weshalb die Autoren mit der Broschüre eine Vielfalt von historischen und erinnerungspolitischen Fragestellungen aufwerfen wollen. „Dass die im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung arbeitende Tempelhof Projekt GmbH die Gestaltung des Geländes als 'Entwicklung der Tempelhofer Freiheit' bezeichnet, muss jedem, der sich auch nur ein wenig für die Geschichte des Ortes interessiert, wie Hohn erscheinen.“

Die Herausgeber der Broschüre kritisieren aber nicht nur das mangelnde öffentliche Bewusstsein für die historische Bedeutung des Geländes, sondern auch das Fehlen eines angemessenen Gedenkkonzeptes. „Auch angesichts einer immer kleineren Zahl von Menschen, die diese Zeit noch erlebt haben und sich persönlich erinnern können, und der aktuellen Diskussionen zu den Ursachen von Rechtsterrorismus, Neonazismus und Rassismus bedarf es klarer Entscheidungen für eine diese Entwicklungen berücksichtigende Gedenk- und Erinnerungskultur auf dem Tempelhofer Feld.“

So wurde 1994 am Columbiadamm zwar ein Mahnmal für die Opfer der NS- Herrschaft eingeweiht, aber der im Juni 2011 erlassene Beschluss des Abgeordnetenhauses, einen zentralen Informations- und Gedenkort auf dem Gelände zu errichten, hatte noch keine konkreten Folgen.


Diana Buhe

 

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