Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Interview

„5 Fragen an…“ Gewerkschafter und Autor Stefan Dietl

Stefan Dietl ist Gewerkschafter und Autor. In seinem Buch „Die AfD und die soziale Frage“ beschäftigt er sich kritisch mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der AfD und ihren Auswirkungen für Arbeitnehmer*innen.

Das Interview ist eine gekürzte Version des Interviews in der Handreichung Demokratie verteidigen – Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD.

Die AFD wirbt ebenfalls damit für Arbeitnehmer*innenrechte zu stehen. Wie sieht ihre Politik in der Realität aus?

Sie inszeniert sich zwar gerne so, aber programmatisch steht sie für Sozialabbau, für die weitere Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge, für die Deregulierung des Arbeitsmarktes zu Lasten der Beschäftigten und für Steuerverbesserungen für Vermögende und Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit. Ihre Wirtschafts- & Sozialpolitik richtet sich klar gegen sozial Benachteiligte, Geringverdienende, Erwerbslose und alle abhängig Beschäftigten.

Welche Vorstellungen hat die AfD für erwerbslose Menschen?

Geprägt ist die Ideenwelt der AfD vom absoluten Leistungsprinzip. Nur wer – selbstverständlich nach ihren Kategorisierungen – etwas leistet, hat auch das Recht auf staatliche Unterstützung. Dies gilt auch für den Umgang mit Erwerbslosigkeit. Letztlich laufen die Vorstellung der AfD auf einen Arbeitszwang, verbunden mit Repression und behördlicher Gängelung hinaus. Für Erwerbslose ist die AfD also sicher keine Alternative.

Was hat es mit rechtsextremen Gewerkschaften wie „Zentrum Automobil“ auf sich?

Pseudogewerkschaften wie Zentrum Automobil sind Teil des Versuchs der AfD und anderen extrem rechten Strukturen auch in den Betrieben Fuß zu fassen und ihre Politik der Spaltung anhand von Herkunft, Geschlecht oder Nationalität auch dort zu propagieren. Sie sind zugleich ein Instrument des Angriffs auf die Gewerkschaften. Die Gewerkschaften positionieren sich klar gegen die AfD und extrem rechtes Gedankengut und werden so zunehmend zum Feindbild.

Gewerkschaften können als große Interessensverbände gesellschaftliche Debatten mit prägen. Wie sollten sie mit dieser Rolle umgehen?

Offensiv. Die Gewerkschaften sind die einzigen die rechtem Denken nicht nur in den Parlamenten oder auf der Straße entgegentreten, sondern auch in den Betrieben. Darüber hinaus sind sie aber nicht nur die betriebliche, sondern auch die politische Interessenvertretung der Arbeitnehmer*innen. Je offensiver sie sich in allen politischen Spähren für ihre Werte und die Interessen aller Arbeitnehmer stark machen desto schwerer haben es AfD und Co.

Was können Sie aus Ihrer Erfahrung Gewerkschaften raten, die von der AfD angefeindet werden?

Dagegenhalten und sich nicht einschüchtern lassen. Gewerkschaften sind die Interessenvertretung aller Arbeitnehmer, egal welcher Religion oder sexuellen Orientierung, egal ob mit oder ohne deutschen Pass. Sie stehen damit im fundamentalen Gegensatz zur von der AfD propagierten »Volksgemeinschaft« mit ihrer Spaltung entlang von ethnischen, nationalen und ähnlichen Kriterien. Gewerkschaften standen daher immer im Visier der extremen Rechten.


Mit der Handreichung Demokratie verteidigen – Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD will die Amadeu Antonio Stiftung all jene unterstützen, die von Angriffen der AfD betroffen sind. Die Handreichung gibt Engagierten in Zivilgesellschaft, Medien, Kunst, Parlamenten, Bildung und anderen Bereichen Informationen und praxiserbrobte Handlungsempfehlungen für die Auseinandersetzung mit der radikalen Rechten an die Hand.

Publikationen

Weiterlesen

ESOH_Cover_16_9
Neuerscheinung

Corona-Hetze ist kein deutsches Phänomen: Ganz Europa kämpft mit Verschwörungserzählungen von Rechtsaußen und rechtem Terror

Antisemitische Verschwörungserzählungen haben sich im Zuge der Corona-Pandemie über den gesamten europäischen Kontinent verbreitet. Auch der Trend zu einer dezentralen, aber vernetzten internationalen rechtsterroristischen Szene setzt sich fort. Zu diesen Ergebnissen kommt der europaweite Bericht „State of Hate – Far Right Extremism in Europe“.

Flyer und Broschüren verschiedener Initativen

Ein Netzwerk für die Demokratie wehrt sich gemeinsam gegen Angriffe

Sachsen gilt als Hochburg des Rechtsextremismus, der AfD und des Rassismus. In dem Bundesland gibt es aber eben auch die, die dagegen halten, sich für Demokratie und gegen Rassismus engagieren und für eine demokratische Kultur und vielfältige Lebensweise einstehen. Sie haben sich zusammengeschlossen zum Netzwerk Tolerantes Sachsen, um gemeinsam menschenfeindlichen Positionen etwas entgegenzusetzen.

Stellungnahme

Was bringt ein Verbot von Reichskriegsflaggen?

Die Amadeu Antonio Stiftung und Dr. Matthias Quent, Direktor des IDZ Jena, wurden vom Innen- und Rechtsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags gebeten, fachlich zur Frage eines möglichen Verbots von Reichskriegsflaggen im öffentlichen Raum Stellung zu nehmen.

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.