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Empfehlung

5 Tipps für verschiedene Bücher, Newsletter und Podcasts, um die Ukraine – und wie sie zu dem wurde was sie ist – besser zu verstehen. 

Ukraine colorful brush strokes painted national country Ukrainian flag icon. Painted texture.

Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine war das Land für viele Menschen in Deutschland ein eher unbeschriebenes Blatt. Die wenigsten werden sich im Geschichts-, Geographie- oder Sozialkunde Unterricht mit dem Land auseinandergesetzt haben. Denn auch im Jahr 2022 sind Osteuropäer:innen hierzulande immer noch eine große Unbekannte und vor allem Ziel stereotyper Darstellungen und Bilder. Nicht erst seit dem Nationalsozialismus sind Antislawische Ressentiments im kollektiven Unterbewusstsein tief verankert. Viele tun sich schwer, fernab von akuten Kampfhandlungen Empathie für den PostOst-Raum aufzubringen. Das hemmt auch die tiefere Auseinandersetzung mit der Ukraine und damit auch mit dem Verständnis des derzeitigen Konflikts.

Auch wenn durch die Bilder des Euromaidans 2014 die Ukraine, ihre Zivilgesellschaft und Geschichte kurzzeitig an öffentlichem Interesse gewinnen konnte, ebbte dieses danach wieder spürbar ab. Dieses fehlende Interesse und die damit einhergehende tiefere Auseinandersetzung mit der Ukraine belegten die medialen Schlagzeilen zu Beginn der Kampfhandlungen: Vielerorts war die Frage zu lesen, ob es wohl Krieg in der Ukraine geben würde. Und das, obwohl es seit 2014 beinahe täglich zu Kampfhandlungen und toten Soldaten im Donbass kam.

Um den jetzigen Krieg und seine tiefgehenden Konfliktlinien besser zu verstehen, ist es auch wichtig die unmittelbare Geschichte des zweitgrößten europäischen Landes zu kennen. Hier sind deshalb 5 Tipps für verschiedene Bücher, Newsletter und Podcasts, die euch helfen sollen, die Ukraine – und wie sie zu dem wurde was sie ist – besser zu verstehen.

1. Sammelband: „Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht“

Mit der Revolution auf dem Kiewer Maidan 2014, in der Ukraine auch die „Revolution der Würde“ genannt, fing alles an. Damals gingen die Ukrainer:innen gegen ihren damaligen Präsidenten Viktor Janukowytsch und für ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union auf die Straße – und protestierten damit auch gegen die Einflussnahme Russlands auf ihre Politik. Die ukrainische Zivilgesellschaft wurde im Schmerz geboren. Kurz nach dem Ende der Proteste, noch vor der Besetzung der Ost-Ukraine durch Separatisten, gab der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch einen Sammelband zur Maidan-Revolution, bei der über 100 Menschen ums Leben kamen, heraus. In 15 Beiträgen erzählen, analysieren und diskutieren verschiedene Autor:innen über den Euromaidan und was er für die ukrainische Demokratie bedeuten könnte.

Im Vorwort heißt es: „‘Euromaidan‘ steht für die Hoffnung auf Erneuerung der ukrainischen Gesellschaft. Für eine nachgeholte Revolution. Für den Alptraum eines neuen Ost-West-Konflikts. Wird es sie geben: eine freie, selbstbestimmte Ukraine an der Seite Russland und Europas?“ Eine Frage, deren Beantwortung heute aktueller ist denn je.

„Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht“ von Juri Andruchowytsch (Hrsg.), Suhrkamp, ISBN: 9783518060728

2. Newsletter: „Ukraine verstehen“

Die Website www.ukraineverstehen.de, ein Projekt des Berliner Zentrums für Liberale Moderne, bietet Berichte, Analysen und Hintergründe über aktuelle Entwicklungen in der Ukraine, aufbereitet von deutschen und ukrainischen Autor:innen und Expert:innen. Die Inhalte, die sich vor allem mit aktuellen Entwicklungen in der Politik und Zivilgesellschaft auseinandersetzen, kann man sich auch ganz praktisch via Newsletter direkt ins Postfach bestellen.

3. Podcast: „Explaining Ukraine“ (englischsprachig)

Macht der drohende Krieg im eigenen Land die ukrainische Zivilgesellschaft stärker? Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Ukraine aus? Was kann und sollte Europa bzw. die EU tun, um die Ukrainer:innen zu unterstützen? Oder auch einfach: Warum sollten sich Ausländer:innen überhaupt für die Ukraine interessieren? Fragen wie diese bespricht Journalist Volodymyr Yermolenko im Podcast „Explaining Ukraine“ mit wechselnden Expert:innen. Yermolenko ist Chefredakteur des Nachrichten-Portals UkraineWorld.org, hinter dem wiederum die Nicht-Regierungsorganisation Internews Ukraine steckt.

Podcast in englischer Sprache: „Explaining Ukraine“, überall dort, wo es Podcasts gibt.

4. Buch: „Das letzte Territorium“ von Juri Andruchowytsch

Sicherlich keine leichte Kost, bietet der Essay-Band von Juri Andruchowytsch jedoch einen einzigartigen Einblick in die ukrainische Lebenswelten zwischen Stolz, Verfall, Aufbruch, Scham und Galgenhumor. Andruchowytsch nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die Ukraine, mit dem Ziel, den westlichen Leser:innen sein Land auf ganz eigene Art näherzubringen. Erschienen 2003, wurden die Essays über einen Zeitraum von rund zehn Jahren verfasst – und lassen gleichzeitig so viele der Konflikte und Wunden erahnen, die die Ukraine noch heute beschäftigen .

„Erfrischend im Ton, farbig im Detail und voller Ironie beschreibt er die postsowjetische Realität seines Landes: Lemberg und Kiew, Spuren des untergegangenen Galiziens und die Katastrophe von Tschernobyl, den Exodus der Bevölkerung Richtung Westen und die repressive Medienpolitik der Regierung, aber auch die sonderbare Existenz von Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen in einem Land, ‚aus dem man weggeht‘.“, heißt es im Vorwort.

Das letzte Territorium“ von Jury Andruchowytsch, Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-12446-8

5. Buch: „Schwarze Erde. Eine Reise durch die Ukraine“ von Jens Mühling

Seit rund 30 Jahren ist die Ukraine unabhängig. Davor war sie fast immer unter fremder Herrschaft: Russischer, deutscher, polnischer, österreich-ungarischer. „Jens Mühling erzählt von Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken, Schmugglern, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten. Sein Buch schildert ihren Blick auf ein Land, über das wir kaum etwas wissen – obwohl es mitten in Europa liegt“, so im Vorwort. Jens Mühling gelingt in „Schwarze Erde“, was nur wenige westliche Autor:innen und Journalist:innen beherrschen: Ein empathischer Reisebericht, der den Ukrainer:innen zuhört und eine Wahrheit erzählt, die keine russische, amerikanische oder EU-europäische ist – sondern eine ukrainische.

Buch: „Schwarze Erde. Eine Reise durch die Ukraine“ von Jens Mühling, Rowohlt, ISBN: 978-3-499-63156-6

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