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8 Projekte, die in dieser Zeit goldrichtig sind

Die #Wannwennnichtjetzt-Tour macht Station in Forst. Quelle: Lena Heckl / Ben & Jerry's

Die Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen sind nicht mehr zu retten – unsere Zivilgesellschaft schon! Dank unserer Spender*innen konnten wir im Vorfeld der Landtagswahlen Initiativen vor Ort unterstützen. Gemeinsam mit Campact haben wir die Förderkampagne „Zivilgesellschaft stärken – ihr habt es in der Hand“ initiiert. Acht Projekte, die in dieser Zeit goldrichtig sind, stellen wir hier stellvertretend vor.

Von Charlotte Sauerland und Franziska Schindler

1. Brandenburg, wir möchten reden!
Zwei Wochen lang fuhr die Gruppe „Brandenburg, wir möchten reden!“ quer durch Brandenburg, um mit Menschen über Politik zu sprechen und für eine Gesellschaft der Vielen zu streiten. Als sie am Vorabend der Wahlen wieder in Berlin eintrafen, ahnten sie schon, was die gestiegene Wahlbeteiligung deutlich macht: Von Desinteresse keine Spur. Stattdessen begegnete ihnen viel Neugier und Offenheit. Sie erfuhren viel über die Sorgen und Probleme der Brandenburgerinnen und Brandenburger. Personen, die aus Frust mit Rechtsradikalen sympathisierten, konnten oft durch Verweise auf deren Positionen umgestimmt oder immerhin zum Nachdenken gebracht werden. Einig war sich die Initiative mit vielen ihrer Gesprächspartner*innen, dass wir – auch ohne anstehende Wahlen – mehr miteinander Sprechen und mehr Räume des demokratischen Austausches über das Zusammenleben brauchen.

„Brandenburg, wir möchten reden“ auf Tour.

2. Erfurter Medienlabor
Bald sind auch in Thüringen Landtagswahlen. KOMED e.V. und das Radio F.R.E.I. aus Erfurt wollen etwas gegen rassistische Einstellungen und die Mobilisierung rechtsradikaler Kräfte tun. Im „Erfurter Medienlabor“ entwickeln sie vielfältige rassismuskritische Medienformate: von medienorientierten Bildungsworkshops wie „See you later – Hater?“ über einen großangelegten Medienwettbewerb, bei dem Jugendliche mit einem Video, Song oder Comic klare Kante gegen Rassismus zeigen. Mit einem Radiocontainer, in dem Radio-Live-Sendungen und andere Events stattfinden, ist das Medienlabor mitten in der Erfurter Innenstadt präsent und setzt auch so ein deutliches Zeichen gegen Rassismus.

3. Sachsen eine Stimme geben
Dirk ist in einem kleinen Dorf südlich von Leipzig großgeworden. Wenn er im Restaurant seiner Eltern den Gesprächen der Gäste zuhört, dann geht es oft um „die da oben“, Geflüchtete, „Das muss man ja mal sagen dürfen“. Heute wohnt er in Berlin, aber es beschäftigt ihn, was in seinem früheren Zuhause geschieht. Und nicht nur ihn: Im Vorfeld der Landtagswahlen hat sich eine Gruppe von „Exilsachsen“ zusammengefunden – und will gegen Menschenfeindlichkeit aktiv werden. „Wir alle machen uns Sorgen. Das entwickelt sich in eine Richtung, die wir nicht unkommentiert stehen lassen wollen!“ fasst André, Sachse in Moskau, die Überlegungen der Gruppe zusammen. Aber was kann man aus der Ferne tun? Die Engagierten entscheiden sich, einen virtuellen Raum zum Austausch zu schaffen. Auf Instagram gestalten sie den Kanal „Sachsen eine Stimme geben“. Jeden Tag bis zur Landtagswahl am 1. September wird ein Kurzvideo, ein Zitat, eine Diskussionsanregung gepostet. So entsteht ein Ort, an dem Menschen ins Gespräch kommen.

4. Konzert und Marktplatztour #Wannwennnichtjetzt
#Wannwennnichtjetzt – Unter diesem Motto veranstaltet ein Zusammenschluss aus Organisationen und Einzelpersonen eine vielfältige Marktplatz- und Konzerttour durch Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Ihr Ziel: in kleinen Orten die Stimmen derer hörbar zu machen, die sich für ein demokratisches Miteinander und gegen Diskriminierung einsetzen. Denn gerade in ländlichen Regionen geben Rechtsradikale schon länger den Ton an, zivilgesellschaftliche Initiativen werden zunehmend gefährdet. Auf dem Programm stehen Straßentheater, Lesungen und Ausstellungen, Argumentationstrainings und Graffiti-Workshops. Engagierte stellen sich vor – von der Initiative Schule ohne Abschiebung bis zu den Omas gegen rechts. Mit Infoständen war auch die Amadeu Antonio Stiftung an verschiedenen Stationen der Tour vor Ort. Abends treten Musiker*innen aus der Region zusammen mit bekannten Bands und DJ-Kollektiven auf. So werden die Marktplätze zu einem Ort des klaren Bekenntnisses zu Demokratie und Menschenrechten.

Am Stand der Amadeu Antonio Stiftung auf der #Wannwennnichtjetzt-Tour in Forst. Quelle: Lena Heckl/Ben & Jerry’s

5. Vorsicht, Demokratie!
Jugendliche bestimmen mit! Bei den Barcamps „Vorsicht. Demokratie“ von der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Thüringen e.V.  werden Jugendliche selbst aktiv. Sie entscheiden über Diskussionsthemen und tauschen Standpunkte aus. „Viele Jugendliche haben Lust auf Politik! Sie werden im politischen Prozess nur oft viel zu wenig wahrgenommen.“, erklärt Toni Lütgenau, Leiter des Projekts. Während des Barcamps diskutieren die Jugendlichen in Kleingruppen bei sogenannten „Sessions“. Anhand von verschiedenen Methoden setzen sich die Teilnehmer*innen gezielt mit kontroversen Fragestellungen auseinander. Beim Barcamp kann grundsätzlich jede Meinung gehört werden. Gleichzeitig gilt: Jede Behauptung muss belegt werden. Das hilft den Jugendlichen zu verstehen, wie viele Unwahrheiten im Umlauf sind.

6. Engagierten eine Bühne geben: Blog veto-mag
Es gibt viele tolle zivilgesellschaftliche Initiativen – nur weiß die Öffentlichkeit oft nichts davon. Um das zu ändern, bietet das Veto-Magazin für Demokratie und Verantwortung eine Bühne für Engagierte und ihre Projekte, die auf dem Blog veto-mag vorgestellt werden. Einer von ihnen ist Marius Krüger. Seine „Democracy App“ fördert das Wissen über und die Teilhabe am politischen Prozess, indem sie Entscheidungen des Bundestages transparent macht und die Möglichkeit gibt, selbst in Abstimmungsprozesse einzusteigen. Auch Giulia Silberberger mit ihrer Initiative „Der goldene Aluhut“, die sich auf kritische und humorvolle Art und Weise mit Verschwörungstheorien auseinandersetzt, wird von veto-mag vorgestellt. Das Portrait des Jugendsozialarbeiters Tobias Burdukat und des von ihm gegründeten „Dorf der Jugend“ in Grimma macht deutlich, mit wie vielen Hürden und Gegenwind die menschenrechtsorientierte Jugendsozialarbeit konfrontiert ist – nicht nur von rechtsradikalen Kräften, sondern auch von der Verwaltung. Umso wichtiger, dieses großartige Engagement sichtbar zu machen.

7. Grabe, wo du stehst – Geschichtswerkstatt mit jungen Menschen zur Entstehung des NSU-Komplexes in Jena
Der NSU radikalisierte sich in Jena. Das Bündnis „NSU-Komplex auflösen“ begibt sich dort auf Spurensuche: Welches Umfeld prägte die Täter*innen? Warum verläuft die Aufarbeitung so schleppend? „Grabe, wo du stehst“ – das Motto vieler Geschichtswerkstätten ist auch Leitmotiv bei der Spurensuche der Jenaer Pfadfinder*innen. Ausgegraben werden sollen die lokalen Perspektiven und Erzählungen, die in der offiziellen Geschichtsschreibung oft nicht vorkommen. Die Jugendlichen recherchieren im Stadtarchiv und führen Interviews. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden sie bald der Öffentlichkeit präsentieren.

Auf Spurensuche: die Jenaer Gruppe „NSU-Komplex auflösen“.

8. Argumentationstraining gegen rechts
Rechtsradikale Akteure äußern sich zunehmend aggressiv gegen Politiker*innen und Engagierte. Damit einher geht eine große Unsicherheit, wie den verbalen Angriffen in der Öffentlichkeit ebenso wie im persönlichen Gespräch begegnet werden kann. Das Aktionsbündnis Brandenburg möchte Haupt- und Ehrenamtliche dabei unterstützen, sich gegen rechtspopulistische und rassistische Aussagen und Positionen selbstbewusst positionieren zu können. In den Argumentationstrainings erlangen die Teilnehmenden Argumentationssicherheit und werden darin bestärkt, eine demokratische Haltung offensiv zu vertreten.

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